André Kaczmarczyk liest Edvard Munch im Düsseldorfer Museum K20

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Edvard Munchs Bilder kenne ich. Sicher nicht alle, aber einige. Was ich bisher nicht kannte, sind seine Texte. Und jetzt bin genau in diese ein kleines bisschen verliebt. Lebendig und detailreich wie seine Bilder sind nämlich auch seine Schriften. Noch berührender werden sie, wenn sie jemand mit einer solcher Leidenschaft vorträgt wie der Schauspieler André Kaczmarczyk anlässlich der Februar-Ausgabe des KPMG-Kunstabends und der aktuellen Edvard Munch-Ausstellung im Museum K20.

Bei seiner Lesung von Munchs Texten im K20 am Grabbeplatz wurde er mit der Aufzählung von Stücken, in denen er aktuell am Düsseldorfer Schauspielhaus auftritt, bisher von ihm inszenierten Werken und Fernsehrollen vorgestellt. Nachdem das mehrere Minuten in Anspruch genommen hatte, erfolgte aus dem Publikum auch prompt die Frage, wann er denn eigentlich schlafe. Die Antwort darauf blieb Kaczmarczyk übrigens schuldig.

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Dafür bot er einem Zuschauer, der sich erkundigte, ob er an diesem Abend auch Texte zu den Farben Grün und Blau lesen würde – was Kaczmarczyk verneinen musste – an, diese zu lesen, sollte er sie dabei haben. Er könne aber auch vom Handyscreen ablesen, es seien ja anscheinend genügend Smartphones im Saal, da könne doch jemand googlen…
Während der rund einstündigen Lesung vor etwa 200 bis 250 Zuschauern im Hörsaal des Museums klingelten nämlich fünfmal [sic!] Handys im Saal. Ich frage mich, wie viele der Zuschauer ihr Handy ebenfalls nicht auf lautlos gestellt hatten und nur das Glück hatten, in dieser einen Stunde nicht angerufen worden zu sein. Mich ruft übrigens so gut wie nie jemand an, ich bekomme fast nur Nachrichten. Vielleicht sind Anrufe inzwischen auch so ein Generationending.

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Kaczmarczyk blieb jedenfalls angesichts dieser Störungen charmant und professionell – auch wenn ab dem dritten Vorfall durchaus eine wachsende Kälte und Ungläubigkeit aus seiner Stimme herauszuhören war. Emotionen, die das Publikum übrigens mit ihm teilte. Ich bin sicher, der Sechste, dem dieses ab einer gewissen Anzahl der Vorfälle nicht mehr ganz nachvollziehbare Missgeschick passiert wäre, hätte sich auf tieffliegende Tomaten einrichten müssen.

Solche Bilder und von mir beschriebene Szenen bleiben euch aber glücklicherweise erspart. Dafür freue ich mich über eure Empfehlungen zu Büchern mit Texten von Munch – oder liefere sie hier vielleicht selber irgendwann nach.

Kleine Notiz am Rande, weil ich es wirklich schön fand: Im Publikum war auch mindestens eine der Schauspielhaus-MitarbeiterInnen, die sich um Garderobe und Einlass kümmern, in Begleitung ihres Mannes. Das zeugt doch von echter Wertschätzung der Arbeit eines Kollegen.

Die Edvard Munch-Ausstellung im K20 ist noch bis einschließlich 1. März 2020 geöffnet. André Kaczmarczyk wirkt aktuell an folgenden Produktionen des Düsseldorfer Schauspielhauses mit.

2 Gedanken zu “André Kaczmarczyk liest Edvard Munch im Düsseldorfer Museum K20

  1. carmenhi schreibt:

    Liebe Britta, danke dafür. Ist hiermit auf meiner To-Do-Liste. Ich habe bisher nur eine Munch-Ausstellung gesehen. Und die war vor Jahren in London. Dass er auch Texte geschrieben hat, wusste ich auch nicht. Spannend.

    Gefällt 1 Person

    • Genussgier schreibt:

      Liebe Carmen, schön, dass ich nicht alleine bin 😉 Und wenn du ein Buch finden solltest, freue ich mich über eine Info. Bei der oberflächlichen ersten Suche bin ich bisher nämlich nicht fündig geworden. Was angesichts der Unmengen an Büchern über Munchs Gemälde auch irgendwie zu erwarten war…

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