Rice and Bread – Düsseldorfer Supper Club mit Essen aus Singapur

Jeder der mich kennt weiß, dass ich eine große Schwäche habe: gutes Essen. Um noch etwas konkreter zu werden: asiatisches Essen. Das ist eigentlich per se gut – finde ich zumindest. Allerdings oft nur in Asien oder in Düsseldorf, da aber wiederum nur in den richtigen Läden.

Leider gibt es auch im mit asiatischen Restaurants reich gesegneten Düsseldorf nicht jedes Essen, auf das ich ab und zu Appetit habe (ja, ich weiß, dass ich in dieser Beziehung sehr verwöhnt bin). Umso erfreuter war ich, als ich vor einigen Monaten entdeckte, dass es in Düsseldorf einen Supper Club mit singapurischem Essen gibt. Das mag ich persönlich vor allem deshalb sehr, weil Singapur ein lukullischer Schmelztiegel ist und sich das Beste aus allen Küchen Asiens rausgepickt hat.

Wöchentlicher Supper Club
Nach diversen Anlaufversuchen habe ich es dann am vergangenen Wochenende endlich einmal dorthin geschafft. Verkehrstechnisch optimal in Bilk gelegen, bieten Angie und Fabian in ihrer Wohnung für bis zu acht Gäste ihren Supper Club „Rice and Bread“ an. Und das nach einem System, das ich bisher zumindest aus Düsseldorf nicht kannte: Fast jede Woche donnerstags können Interessierte dort entweder das Express Dinner oder samstags das normale, gemütlichere Supper Club Dinner genießen.

Um entspannt in kulinarischen Urlaubserinnerungen schwelgen zu können, habe ich mich für die ausgedehntere Variante am Samstag entschieden. Den ersten Eindruck versaue ich natürlich direkt: Zusammen mit einem italienischen Pärchen steht ich um vier Minuten nach 19 Uhr vor der Tür, bin damit ganze vier Minuten zu spät und gehöre zu den drei letzten Gästen. So viel zum Thema deutsche Pünktlichkeit – die wurde locker geschlagen von den anderen Gästen aus Bangladesch, Frankreich und Vietnam. Aber wenigstens auf die Unterstützung der Italiener in Punkto europäische Verspätung kann man noch zählen.

Tofu ist toll
52504082_10157073303389099_7952908487221051392_nUnsere kleine Runde versammelt sich um den Arbeitsblock in der zum Wohnzimmer hin offenen Küche. Dort bereitet Fabian den ersten Gang zu. Angie reicht in der Zwischenzeit Getränke. Stilecht wähle ich singapurisches Tiger Bier. Der Gast aus Frankreich trinkt selbstverständlich Wein, dafür unterstützen seine vietnamesische Frau und zwei der anderen Gäste ebenfalls die asiatische Bierindustrie.

Nach einem kurzen Plausch mit Gästen und Gastgebern können wir uns auch schon an den hübsch gedeckten Tisch setzen. Angie und ihr Mann bleiben im offenen Küchenbereich und kümmern sich um den nächsten Gang. Währenddessen seufzen wir genüsslich beim Verzehr von leicht scharfem, frittiertem Tofu mit Bohnensprossen, Gurke und Erdnusssauce. Ich notiere mir gedanklich, dass ich unbedingt nach dem Rezept fragen muss.

Schubladen- und andere Gedanken
52932112_10157073303399099_8639115953268850688_nDie Gespräche drehen sich derweil um den bei Expats sehr beliebten Arbeitsgeber Trivago, Deutschland, Düsseldorf, Heimatländer, Rückkehrgedanken und -sehnsüchte und natürlich um … Essen. Die Italiener geben mir Tipps für meinen bevorstehenden Italienurlaub und gemeinsam schwärmen wir von den italienischen Köstlichkeiten.
Der Gast aus Bangladesch, der mit gegenüber sitzt, kämpft unterdessen ein wenig mit dem Tofu. Nicht, weil ihm das Essen nicht schmeckt, erfindet es nämlich köstlich – er hat nur seit einigen Jahren nicht mehr scharf gegessen und muss sich erst wieder daran gewöhnen.
Ich lache und erzähle ihm von meiner malaysischen Freundin, die das eher kalte Wetter in Deutschland liebt, aber das malaysische viel zu warm und unangenehm findet. Mit Schubladendenken komme ich heute Abend abgesehen von dem weintrinkenden Franzosen und der biertrinkenden Deutschen wirklich nicht weiter.

Erinnerungen an Penang
52801000_10157073303509099_425364558744387584_nDer nächste Gang erinnert mich auch direkt an Malaysia: Garnelen und Hackfleisch in Tofuhaut. Ein wunderbarer Mix aus süß und herzhaft, der mich gedanklich zurück in die Straßen von Penang und dem hervorragende Street Food trägt. Das Rezept muss ich unbedingt haben!
Während Fabian und Angie weiter in der Küche werkeln, erklärt sie uns, welche Schritte sie gerade ausführen, wie sie sich kennengelernt haben und wie sie auf die Idee kamen, einen Supper Club anzubieten.
Inzwischen kann man die Kochkünste der beiden auch für Catering oder Supper Club-Abende auf Bestellung buchen. Außerdem nehmen sie ab und zu an Food Festivals teil. Sogar den Kölner Laden Ein haben sie Ende 2018 für zwei Wochen bespielt. Wieder einmal bedauere ich es, dass das Konzept in Düsseldorf nicht mehr existiert und nach Abriss des ehemaligen DHL-Gebäudes am Hauptbahnhof vermutlich auch nie wieder eine neue erschwingliche und passende Location finden wird.

Hühnchen macht glücklich
52696025_10157073303559099_9192003227812364288_nNach kurzer Verschnaufpause geht es weiter. Hunger habe ich eigentlich kaum noch. Aber das zart gegarte Hühnchen mit dem wunderbar aromatischen Reis, der in Brühe mit Knoblauch, Frühlingszwiebeln und Ingwer gekocht wurde, sowie die Bambussprossen mit knusprigen Sardellen schmecken einfach zu gut, um irgendetwas davon stehen zu lassen. Den anderen Gästen geht es ebenso. Ob ich wohl das Rezept …?

Satt, glücklich und rundherum zufrieden sitzen wir am Tisch. Doch auf einen Gang können wir uns noch freuen: den Nachtisch. Irgendwann nähe ich den Spruch vermutlich auf ein Kissen: „Auch wenn der Bauch noch so voll ist, passt meist noch ein Nachtisch rein.“ Nachtisch geht immer! Natürlich nur guter. Und die Maniokperlen mit Palmzucker und Kokosmilch sind wirklich köstlich – prompt sitze ich in Gedanken wieder in einer tropisch-warmen Nacht am Straßenrand irgendwo in Malaysia und schlürfe an einem Essenstand Cendol.

Auf Wiedersehen
52932078_10157073303599099_3083788837810339840_nWir sitzen noch eine Weile zusammen am Tisch, quatschen und lassen schwärmend das Essen Revue passieren. Im März steht unter anderem Nasi Lemak auf der Speisekarte, eines meiner malaysischen Lieblingsgerichte. Also ist schon mal klar, wohin der amerikanische Karnevalsgast und ich am Karnevalssamstag zum Essen gehen werden.
Irgendwann nach 23 Uhr brechen wir dann zusammen auf. Eines ist uns wohl allen klar: Vermutlich ist keiner von uns zum letzten Mal bei Angie und Fabian zu Gast gewesen.

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