Zwischen Hofgarten und Kö-Bogen II: Baustellen-Führung im Schauspielhaus Düsseldorf

Noch ist das Düsseldorfer Schauspielhaus gar keine richtige Baustelle, sondern nur von einer solchen umgeben – wenn auch mit dem künftigen Kö-Bogen 2 von einer ziemlich ordentlichen Baustelle. Das soll sich in den kommenden Monaten zwar ändern, dennoch heißt die Führung durch den Kulturtempel der Landeshauptstadt vermutlich auch aufgrund der direkten Umgebung bereits jetzt „Baustellenführung“.

P1010200 (1)Baustelle hin oder her, eines kann ich bereits vorab sagen: Der Blick hinter die Kulissen des denkmalgeschützten Baus lohnt sich auf jeden Fall. Die Arbeiten an der technischen Ausrüstung sind bereits abgeschlossen, die an Dach, Fassade und anderen öffentlichen Bereichen geplanten haben noch nicht begonnen. Dass die Führung so interessant ist, liegt nicht zuletzt an der kaufmännischen Geschäftsführerin Claudia Schmitz. Wie sehr ihr das Projekt Schauspielhaus am Herzen liegt, ist deutlich spürbar, außerdem kommen spannende Hintergrundinformationen und Humor bei ihr nicht zu kurz. Der Grund, warum sie selber an einem Sonntagmorgen um 11 Uhr interessierte Besucher durch „ihr“ Haus führt, ist absolut einleuchtend: „Es ist auch Ihr Geld, und die Düsseldorfer sollen wissen, was wir damit machen.“

Und so wandert sie mit rund 30 Interessierten durch das organische Gebäude. Besonders spannend finde ich dabei die Informationen zu den Plänen der Renovierung. So sollen nach Möglichkeit nachträglich eingebaute Elemente verschwinden und soweit umsetzbar durch originalgetreue ersetzt werden. Etwa die Deckenlampen im Foyer oder die Türen, die auf den Gustaf-Gründgens-Platz führen. Sogar die Farbe wurde von Säulen gekratzt, um der Originalfarbe im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund gehen zu können.

Übergang zum Gustaf-Gründgens-Platz
An diesem Eingangsbereich werden nicht nur die Türen ausgetauscht. Der Außengang erhält eine vollkommen neue, geschwungene Fensterfront mit möglichst durchgehenden Scheiben. So soll sie zu einer Art Wandelgang werden, der auf einen offeneren Blick aus dem Gebäude auf den bisher eher unzugänglich wirkenden und zugigen Platz bietet. Zusätzlich lässt er das Theater und den Platz zunehmend miteinander verschmelzen.

Das Kassenhäuschen, das auf den Platz ragend nachträglich an das Schauspielhaus gebaut wurde, ist bereits abgerissen. Der ursprünglichen Architektur folgend ist an dieser Stelle auch kein neuer Bau geplant. Die Abendkasse soll nun dauerhaft im Eingangsbereich drinnen angesiedelt sein. Auf dem Platz des neuen Ingenhoven-Tal zum Kö-Bogen II wird ein runder Glaspavillon entstehen, der Zugang zur Tiefgarage, ein Café und die Tageskasse beherbergen soll.

Der Außengang in der Mitte des Gebäudes, durch den Fußgänger vom Hofgarten zum Gustaf-Gründgens-Platz gelangen, soll mehr Licht bieten. Dazu wurde bereits eines der plastischen Wandobjekte des Künstlers Günter Grote vor der Kantine entfernt. Eine neue Fensterfront an gleicher Stelle soll zudem diesen Bereich besser mit dem Rest des Gebäudes verbinden.

Denkmalschutz und Barrierefreiheit
P1010177Interessant ist auch der Hinweis von Claudia Schmitz, dass Denkmalschutz und Barrierefreiheit oft schwer miteinander zu verbinden sind. Die Verantwortlichen versuchen aktuell, für bestehende Konflikte bestmögliche Lösungen zu finden: So kann etwa die Theke, die sich im Erdgeschoss in Richtung Hofgarten befindet, zu der aber nur wenige flache Stufen führen, nicht barrierefrei gestaltet werden. Daher wird es voraussichtlich auch mobile Verkaufsstände geben. Ich kann mir auch vorstellen, dass an einer Stelle eine Rampe über die Treppen gelegt wird, sofern das nicht mit anderen Vorschriften kollidiert.
Die beiden in einem fassähnlichen Design versteckten Lifte an der rechten und linken Seite der Theke entsprechen nicht dem Originalentwurf des Architekten Bernhard Pfau. Davon abgesehen, dass einer der beiden defekt ist und der andere aufgrund seiner beschränkten Innenfläche nur bedingt barrierefrei, behindern sie die freie Sicht ins Foyer. Deshalb sollen sie durch mindestens einen barrierefreien Glasaufzug ersetzt werden.

Zusätzlich ist eine zweite Behinderten-Toilette im Erdgeschoss in Planung. Außerdem werden weitere Damentoiletten gebaut. Nicht zuletzt diese Pläne zeigen, dass das renovierte Gebäude soweit wie möglich in den Originalzustand versetzt werden und dabei trotzdem praktisch, modern und gemütlich sein soll.

P1010173.jpgDie eher etwas unansehnliche Garderobe ist ein weiterer Punkt auf dem Umbauplan. Aktuell zieht sie auch aufgrund der Beleuchtung nach Claudia Schmitz‘ Aussage im Seitenbereich des Foyers zu sehr die Aufmerksamkeit auf sich, obwohl auch dort eher Architektur und Kunstwerke die Hauptrolle spielen sollen. Die Buchhandlung Müller & Böhm erhält ebenfalls neue Räumlichkeiten im Foyer, auf deren Umsetzung ich sehr gespannt bin, da es sich hier aus meiner Sicht um den größten „Fremdkörper“ im Theater handelt.

P1010163.jpgFür die Restaurierung arbeitet das Schauspielhaus übrigens mit etlichen Spezialisten aus verschiedenen Bereichen zusammen: Denkmalschutz, Stadt, Architekten und nicht zuletzt mit Fachleuten für Technik, Ton, Licht, Farben, Fenster, Fliesen, Kunst-Restauratoren und so weiter. Uff, alleine die Koordination aller Beteiligten dürfte eine Mammutaufgabe sein, um die ich niemanden beneide.

Die Instandsetzung von Dach und Fassade fällt in den Zuständigkeitsbereich der Stadt Düsseldorf. Alle Arbeiten, die innerhalb des Gebäudes liegen, verantwortet das Theater. Verträge dieser Art sind selten, normalerweise sind Städte für alles zuständig. Claudia Schmitz ist dennoch froh über dieses Modell: So haben diejenigen die Entscheidungsbefugnis, die die Umbauten letztendlich betreffen und die jeden Tag damit leben und arbeiten müssen.

Mehr als Renovierungspläne
P1010181Aber auch abseits der Pläne für die zukünftige Gestaltung des Hauses bietet die Führung interessante Einblicke: Mich hat zum Beispiel die Drehbühne mit einem Durchmesser von 18 Metern, die sich im Gegensatz zu den meisten anderen Drehbühnen versenken und endlos drehen lässt, besonders beeindruckt. Es befindet sich immer noch das beim Bau eingebaute Original in Benutzung, wenn auch mit einigen Ersatzteilen versehen. Und auch die organische Architektur des Gebäudes ist für mich bei jedem Besuch immer wieder aufs Neue faszinierend.

Wer nun Lust bekommen hat, auch einmal einen Blick in das Innerste des Schauspielhauses zu werfen, für den habe ich noch ein paar Informationen: Aktuell findet die Führung einmal monatlich, meistens am ersten Sonntag des Monats um 11 Uhr, statt und kostet 5€. Bis einschließlich Januar sind allerdings schon alle Führungen ausgebucht, Termine ab Februar sind noch nicht online. Die Chancen, vor Ort noch an eine Karte zu kommen, weil jemand erkrankt ist oder ähnliches, stehen nach meiner Ansicht eher schlecht, aber das kommt natürlich immer auf einen Versuch an.
Im öffentlichen Bereich könnt ihr euch aber sicherlich auch an Tagen umschauen, an denen eine Vorstellung läuft – oder noch besser: Kauft euch ein Ticket für eine Vorstellung im Schauspielhaus (achtet darauf, dass sie nicht im Central ist), denn die Stücke sind – natürlich auch im Central – fast immer sehr gut. In diesem Sinne: Viel Vergnügen im Theater!

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