Amsterdam Gracht

Kurztrip nach Amsterdam – Teil 3: Industriekultur, Religiöses und richtige Niederländer

IMG_8437Nach Tipps zu Unterkunft, Essen, Bier, Märkten, Street Art und anderem in Amsterdam bleiben eigentlich nicht mehr allzu viele Themen offen. Außer vielleicht… noch ein wenig Industriekultur? … Museen? Irgendwas mit Religion? Und ein Besuch in einem niederländischen Zuhause?
Kein Problem, das kann ich alles bieten. Mit einem alten Gaswerk, einer geheimen Kirche und einem asiatischen Tempel in einem Wohnviertel – gekrönt von einem kurzweiligen Abend mit leckerem Essen in der Küche von „echten“ Amsterdamern.

Westergasfabriekgelände
Amsterdam Westergasfabriek Markt chilenische EmpanadasEs gibt kaum etwas Schöneres, als an einem sonnigen Tag durch Amsterdam zu schlendern – sogar dann, wenn es von einem Ende (De Pijp) zum anderen Ende (Westerpark) geht. Und wenn das Ziel die Westergasfabriek beziehungsweise der Sunday Market ist, wird dieser Spaziergang sogar noch viel besser. Das alte Gaswerk ist eine wunderschöne Kulisse mit ganz viel Patina, in der an jedem ersten Sonntag Aussteller an ihren Ständen hübsche Staubfänger, ebenso hübsches Nützliches, Kleidung, Taschen, Schmuck sowie köstliches Essen anbieten. Ich kann zum Beispiel die chilenischen Enchiladas empfehlen und auch der Kaffee ist sehr lecker.

Nach erfolgreichem Shopping empfiehlt es sich, noch etwas über das wirklich riesige Gelände des Westerparks zu laufen und es zu erkunden. Nicht weit von dem Kulturpark entfernt befindet sich übrigens die zweite Filiale von Two for Joy – perfekt für einen weiteren Kaffee und ein Stück Kuchen.

Religiöse Spuren
IMG_8466Anhänger verschiedener Religionen leben in Amsterdam auf engstem Raum. Heute wie früher. Der historische Begijnhof in der Innenstadt ist eine Oase der Ruhe und bietet Besuchern noch heute die Möglichkeit, durchzuatmen und etwas Abstand von dem Trubel der Touristenstadt zu nehmen. Er ist einer von nur zwei in den Niederlanden erhaltenen Beginenhöfen, in denen unverheiratete, Frauen zwar klösterlich gemeinschaftlich, aber ohne Gelübde lebten. Nicht nicht besonders groß, aber nichtsdestotrotz sehr sehenswert.

Freunden englischsprachiger Literatur sei hier kurz der Hinweis gegeben, dass sich um die Ecke des Beginenhofes das American Book Center (ABC) befindet, in dem auch amerikanische Zeitungen und Magazine angeboten werden. Außerdem finden dort ab und zu interessante Veranstaltungen statt.

IMG_8443Ebenso klein und sehenswert wie der Beginenhof ist der He Hua Tempel mitten in Amsterdams quirliger Chinatown. Samstags um 14, 15 und 16 Uhr werden dort halbstündige Führungen angeboten. Größere Gruppen sollten sich anmelden, sie können aus zwei Programmen wählen, müssen dafür aber auch eine kleine Gebühr zahlen, alle anderen Besucher werden lediglich um eine Spende gebeten.
Am 15. September feiert das buddhistische Meditationszentrum übrigens sein 15-jähriges Bestehen. Dachziegel und chinesische Ornamente wurden bei der Erbauung extra aus China eingeflogen. Ihr solltet euch bei einem kurzen Besuch davon überzeugen, dass sich dieser Aufwand gelohnt hat.

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Nur wenige Straßen weiter befindet sich direkt an einer Gracht ein weiteres interessantes religiöses Gebäude. In der auf einem Dachboden versteckten Kirche Ons‘ Lieve Heer op Solder (Unser lieber Herr auf dem Dachboden) trafen sich Katholiken zur Messe. Während der Reformation durften sie ihre Religion nicht mehr öffentlich ausüben und so entstand diese geheime Kirche in dem Wohnhaus eines wohlhabenden Kaufmanns. Sie blieb zwar nicht lange geheim, wurde aber dennoch von den Obrigkeiten toleriert. Ein Audioguide erklärt den Besuchern die zahlreichen Ausstellungsstücke und erzählt die spannende Geschichte der ‚Schuilkerk‘ (Versteckkirche).

Nachdem sie etwa 200 Jahre als Pfarrkirche genutzt wurde, entstand hier eines der ersten Museen Amsterdams. Besucher werden vor dem Besuch der wirklich beeindruckenden Kirche durch die ehemaligen Wohnräume geführt und erhalten so einen schönen Einblick in das Leben der Amsterdamer zu dieser Zeit. In den letzten Jahren wurde das Museum aufwändig renoviert und gerade erst wiedereröffnet. Ein Besuch dürfte also gerade jetzt noch interessanter als vorher sein.

Online sind Eintrittskarten (noch) für 7 € zu haben, vor Ort kosten sie (noch) 9 €. Nach Beendigung der umfangreichen Renovierung kosten sie dort ab dem 23. September 10 €. Aufgrund der vielen engen Treppenhäuser ist das Museum nicht barrierefrei. Es gibt übrigens noch drei weitere erhaltene geheime Kirchen in Amsterdam: De Papegaai, De Rode Hoed, heute eine Eventlocation, und eine Kapelle in zwei Häusern im Begijnhof.

Weitere Museen
IMG_8468(Foto-)Kunstfreunde werden das FOAM, das Fotografiemuseum Amsterdam, unbedingt besuchen wollen. Ein schönes altes Kanalhaus wurde behutsam modernisiert und beherbergt nun wechselnde Ausstellungen verschiedener Fotografie-Genres. Es ist also sinnvoll, bei jedem Amsterdam-Besuch dort vorbeizuschauen. Außerdem organisiert das Museum regelmäßig Events und Workshops. Interessierte sollten sich deshalb regelmäßig auf der Website informieren. Übrigens verfügt das Museum über ein stylisches, aber trotzdem gemütliches Café, das Foam Café by LAVINIA, in dem man den Besuch entspannt ausklingen lassen kann. Es kann auch ohne Ticket (10 €) betreten werden.

Etwas rustikaler geht es auf dem Hausboot-Museum zu. Dort können sich alle, die sich für das Leben auf einem Hausboot interessieren, ein besseres Bild davon machen. Bei dem Boot handelt es sich um ein umgebautes Frachtschiff, das etwa 20 Jahre lang bewohnt war. Von der Küche bis zu den Kojen bekommt ihr Einblick in das Leben an Bord. Im Wohnzimmer ist ein kleines Café untergebracht, in dem es bei ausreichend Besuchern auf dem Schiff sehr kuschelig wird. Wer nicht genug von Hausbooten bekommt, kann im sich Souvenir-Shop mit entsprechenden Materialien eindecken.

Falls ihr insgeheim über die Anschaffung eines Hausbootes in Amsterdam nachdenkt: An den Liegeplätzen liegen genau 2.256 Hausboote – und es gibt keinen einzigen freien Platz mehr. Da wundert es nicht, dass Hausboote mit Liegeplatz inzwischen fast ebenso teuer sind wie Häuser, dafür aber wesentlich mehr Pflege benötigen und auch die Versicherungen höher sind. Zusätzlich müssen ein „Liegegeld“ sowie eine vom Wert des Bootes abhängige „Eigentumssteuer“ bezahlt werden. Ich überlege mir jedenfalls meinen Hausboot-Wunsch nun doch noch einmal sehr gut.

Dine with the Dutch
Amsterdam Dine with the Dutch Secret Supper ClubEin besonderes Highlight eines Amsterdam-Aufenthaltes kann ein Besuch bei Dine with the Dutch sein. Auf der Website werden (Abend-)Essen bei ganz normalen Amsterdamern vermittelt. Das ist für Besucher aus Amerika, Australien, Asien oder Afrika sicher wesentlich spannender als für Europäer, trotzdem macht mich so etwas immer neugierig. Deshalb sende ich einfach während eines Amsterdam Aufenthaltes spontan eine Anfrage an Dine with the Dutch. Und siehe da: Hanneke und Michiel, die beiden Organisatoren können noch kurzfristig Gastgeber für mich finden.

Nachdem ich 50 € für Organisation und Essen überwiesen habe, erhalte ich die Adresse und Kontaktdaten von Marjolijn, 32, und Sebastian, 34. Dazu noch einige andere Infos zu den beiden, wie Hobbies, Berufe, und dass Sebastian aus Deutschland ist. Später stellt sich heraus, dass er tatsächlich aus dem Düsseldorfer Raum ist.

Sogar, wo genau geraucht werden kann, ist in den umfangreichen Informationen enthalten (in diesem Fall: im Garten). Im Falle einer Stornierung des Termins innerhalb von 48 Stunden vor Beginn wird der gesamte Betrag einbehalten. Na, darum muss ich mir ja nun keine Sorgen machen.

Die extrem ausführliche Anfahrtsbeschreibung (und meine entsprechende ÖPNV App) macht es mir sehr einfach, den Weg zu den beiden nach Volewijck, einem Stadtteil im Amsterdamer Norden, auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs, zu finden. Nach einer recht kurzen Busfahrt vom Bahnhof komme ich bei „meinen“ beiden Niederländern an und klingele gespannt an der Tür des kleinen Häuschens. Seit meiner Online-Anfrage sind nicht einmal zwei ganze Tage vergangen.

Amsterdam Dine with the Dutch Secret Supper ClubWir verstehen uns auf Anhieb und klären schnell, dass wir uns auf Englisch unterhalten, da keiner von uns Englisch-Muttersprachler und das somit fair für alle ist. Bei meinen Niederländischkenntnissen wäre die Konversation wohl ansonsten auch komplett an den beiden hängengeblieben und Deutsch kann ich schließlich jeden Tag zu Hause sprechen.
Sebastian und ich unterhalten uns im Wohnzimmer bei einem schönen Glas Wein, während Marjolijn letzte Vorbereitungen trifft und sich dann auch zu uns gesellt.

Kurz darauf geht es los. Meine beiden Gastgeber haben sich nicht nur angesichts der kurzen Vorbereitungszeit richtig ins Zeug gelegt. Und auf meine Wünsche (bevorzugt kein Fleisch, gerne Fisch, muss aber nicht, vegetarisch oder vegan sind absolut okay) sind sie perfekt eingegangen.

Als Vorspeise gibt es Artischocke mit Sauce. Danach folgen Riesenchampignons gefüllt mit Fetawürfeln, Thymian, Pistazien, Pinienkernen, Walnüssen und mit Olivenöl und Knoblauch überpinselt. Als Nachtisch haben sich die beiden für ein Mango-Ananas-Sorbet mit ganz viel Obst und Schokostreuseln (mjam) drumherum entschieden.

Wir unterhalten uns über Reisen, Essen, Arbeit, Zukunftspläne und Gott und die Welt. Die beiden sind bereits seit zweieinhalb Jahren Gastgeber für Dine with the Dutch. In dieser Zeit hatten sie Gäste aus den USA, UK, Spanien, Schweden, Indien und Kenia. Die Welt zu Gast bei Amsterdamern eben.

Nach einigen unterhaltsamen, leckeren und lustigen Stunden mache ich mich auf den Weg nach Hause. Ich hoffe, dass sich die beiden bei mir melden, wenn sie in Düsseldorf sind. Dank ihnen empfehle ich Dine with the Dutch trotz des sicher nicht extrem günstigen Preises, aber wegen der tollen Organisation, des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses und vor allem wegen des schönen Erlebnisses auf jeden Fall gerne weiter. Amsterdam ist auch in dieser Hinsicht absolut eine Reise wert.

Ihr bekommt nicht genug? Noch mal von vorne! Hier geht es zu Teil 1 – Unterkunft, Kaffee und andere Leckereien.

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