Eine kulinarische Erlebnisführung durch „Blicke auf China“

Düsseldorf Museum NRW-Forum Blicke auf ChinaNoch bis zum 1. September zeigt das NRW-Forum im Rahmen der Ausstellung „China8: Overview – Blicke auf China“ zeitgenössische Kunst aus China. Acht weitere, bis zum 13. September geöffnete Ausstellungsorte befinden sich in sieben Ruhrgebiets-Städten. Es sind sowohl Malereien als auch Skulpturen, Kalligrafie, Installationen oder Videokunst ausgestellt.
Im Rahmen dieser städteübergreifenden Ausstellung finden etliche interessante Veranstaltungen statt. An einer konnte ich in der vergangenen Woche teilnehmen: der kulinarischen Erlebnisführung.

Susanne Ristow, Künstlerin und Kunstvermittlerin führt unsere Gruppe von knapp 15 Teilnehmern durch die Ausstellung. Aber vorab stimmen wir uns im Restaurant-Bistro Caffè mit einem chinesischen Aperitif, der nach Zimt und Orange schmeckt, ganz interessant, aber nicht wirklich mein Geschmack ist, auf China ein.

Nach einer kurzen Einführung, in der sie uns etwas über die Entstehung der Ausstellung, die chinesische Kultur und die Bedeutung des Essens in China („Essen muss vor allem gesund sein. Manches schmeckt nicht, es wird aber trotzdem gegessen, denn es hat ja eine heilende oder gesundheitsfördernde Wirkung.“ – eine Einstellung, mit der ich eindeutig meine Probleme habe) erzählt, gehen wir in die Ausstellung.

Düsseldorf Museum NRW-Forum Blicke auf ChinaIch bin überrascht. Obwohl die Kuratoren laut Susanne Ristow die Ausstellung unter ungewöhnlichem Zeitdruck organisiert haben, finde ich sie sehr gut. Allerdings muss man sie auch unter dem Gesichtspunkt sehen, dass eben aufgrund des kurzen Zeitraums, der zur Verfügung stand, vor allem unkritischere, von der chinesischen Regierung abgesegnete Kunst ausgestellt ist.
Eines meiner Lieblingswerke ist ein Panoramabild, auf dem etliche von hinten, realistisch und farbig gemalte Chinesen – ein Querschnitt durch die moderne chinesische Gesellschaft – vor einem Geländer auf eine unwirklich-entrückte Tuschemalerei-Landschaft blicken. Das neue China sieht das alte langsam im Dunst der Zeit verschwinden.

Durchschnittlich seien die ausgestellten Künstler etwa 60 Jahre alt. Also etabliert und bereits mit dem vertraut, wonach der westliche Kunstmarkt verlangt. Auch dass das Künstlerdorf Songzhuang vor Pekings Flughafen, wo man früher günstig zeitgenössische chinesische Kunst erwerben konnte, inzwischen eher Galerien und etablierte Künstler beherbergt, sieht sie als Indiz für den gefestigten chinesischen Kunstmarkt: „Chinesische Kunst ist inzwischen die teuerste der Welt.“

Die jüngeren, innovativen Künstler seien längst in eine weiter vor Peking gelegene Gegend weitergezogen. „Wenn sie sich nicht zusammenschlössen, würden sie in einer Millionenstadt wie Bejing nicht bemerkt werden und untergehen.“

Auch wir ziehen weiter: Bei herrlichem Sommerwetter gehen wir durch den Hofgarten in Richtung Little Tokyo, dem zweiten Teil der Veranstaltung entgegen: Im Restaurant Rosengarten auf der Karlstraße wartet chinesisches Essen auf uns.

Dort sind zwei wie in China üblich mit Plastiktischdecken gedeckte Tische mit jeweils einer Drehplatte für die Speisen in der Mitte für uns reserviert. Susanne Ristow hat bereits im Vorfeld diverse Gerichte für uns ausgewählt, die nun chinesisch-untypisch nach und nach aufgetragen werden. Aber so bleibt ihr Zeit für Erklärungen.

Im Grunde kenne ich fast alles. Entweder, weil ich es aktuell gerne esse oder weil ich es aus meiner Jugend von den Besuchen in chinesischen Restaurants kenne. Damals war es zugegebenermaßen nicht so fein zubereitet, weshalb ich viele Jahre bis zu meinem Umzug nach Düsseldorf kein chinesisches Restaurant mehr betreten habe.

Düsseldorf chinesisches Restaurant RosengartenTrotz der interessanteren Zubereitung kann ich mich aber für Gerichte mit süß-saurer Soße immer noch nicht begeistern. Das Gericht, das mir aber am besten schmeckt, ist der in feine Streifen geschnittene geräucherte Tofu mit Koriander, der optisch ein wenig an Fleischwurstsalat erinnert. Auch die leicht scharfen Rippchen mit frittiertem Teig und Sesam ummantelt und das Mapo Tofu sind ziemlich gut. Den Spinat mit Ingwer habe ich allerdings in anderen Restaurants schon besser gegessen. Dafür sind die Quallen im Rosengarten wiederum besser als ich sie bisher in anderen Restaurants gegessen habe.

Obwohl wir alle satt sind, ist noch viel vom Essen übrig. Die Servicekraft scheint erfreut, als wir sie darum bitten, die Reste mitnehmen zu dürfen. Ihr scheint ebenfalls nicht wohl bei dem Gedanken zu sein, so viel gutes Essen wegwerfen zu müssen.

Nach etwas über drei interessanten und leckeren Stunden ist unsere kulinarische Erlebnisführung beendet und wir treten mit unseren Doggy Bags den Heimweg an. Ich bin satt und sehr neugierig auf die anderen Ausstellungsorte Kunsthalle Recklinghausen, Kunstmuseum Gelsenkirchen, Kunstmuseum Mülheim a. d. Ruhr, Lehmbruch Museum Duisburg, Museum Küppersmühle Duisburg, Museum Folkwang Essen, Osthaus Museum Hagen und Skulpturenmuseum Glaskasten Marl.

Vielleicht schaffe ich es vor Ende der Ausstellung doch noch, mir ein Kombiticket (18 €), mit dem man über den gesamten Ausstellungszeitraum jedes Museum einmalig besuchen kann, zu kaufen, und mit dem an Wochenenden Besuchern kostenlos zur Verfügung stehenden Bus-Shuttle ins Ruhrgebiet zu fahren. Ich bin sicher, es lohnt sich.

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