Köln Ehrenfeld Homemade Bazar Jack in the Box

Genussvoller Junggesellinnenabschied in Köln

Köln Rhein SeifenblasenJunggesellenabschiede. Die Hölle der modernen Zivilisation. Oder zumindest einer ihrer tiefen, tiefen Abgründe. Jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck, wenn man am Wochenende durch die Altstadt von Düsseldorf, die Innenstadt von Köln oder einer anderen deutschen Großstadt geht. Mehr oder weniger interessant kostümierte und häufig ebenso betrunkene, zumindest aber extrem überdrehte Männer- oder Frauengruppen sorgen oft für Lächeln oder Stirnrunzeln bei anderen Besuchern und Einheimischen.
Aber es geht auch anders. Ein bisschen leiser, mit etwas weniger Action, eben etwas dezenter, aber trotzdem abwechslungsreich, unterhaltsam – und vor allem lecker.

Eine Freundin von mir heiratet in Kürze. Recht spontan. Also muss ebenso spontan ein Junggesellinnenabschied her. Nicht nur auf Wunsch der Braut eher „sophisticated“ als wild, und insgesamt nicht zu übertrieben. Nach einigen Beratungen mit einer weiteren Freundin scheiden sowohl meine Favoriten Amsterdam, Hamburg als auch Brüssel aus. Und als die Braut fast noch kurzfristiger als sie heiratet, einen neuen Job einige hundert Kilometer weit entfernt findet, ist klar, dass wir sie kein ganzes Wochenende in Beschlag nehmen können.

Was liegt da also buchstäblich näher, als unsere wunderbare Nachbarstadt? Und so sitzen wir an einem Samstagmittag im Zug nach Köln. Nachdem wir am Hauptbahnhof die obligatorischen „Juhu, der Dom ist immer noch da“-Fotos gemacht haben, bahnen wir uns den Weg durch Menschenmassen und gefühlt seit zwanzig Jahren existierende Baustellen.

Als wir an der Philharmonie vorbeikommen, muss ich erst einmal dem inmitten der intellektuellen Rentnermassen etwas verloren wirkenden Querkopf-Verkäufer eine Zeitung abkaufen. Warum ich das erwähne? Zum einen wegen des besonderen Stadtrundgangs, den ich vor Kurzem in Düsseldorf hatte, zum anderen, weil Querkopf dringend Hilfe benötigt. Das Layout der Zeitung ist eine Katastrophe. Sollte sich also jemand von euch damit auskennen, bietet sich hier wahrscheinlich die Chance eines interessanten ehrenamtlichen Engagements.

Köln Hafen Weihnachtsmarkt am SchokoladenmuseumEtliche Beschimpfungen durch Auto- und Radfahrer später – eine schöne, entspannte und friedliche Vorweihnachtszeit wünsche ich übrigens – erreichen wir das Rheinufer. Von dort aus können wir nun geradezu entspannt durch die Touristenmassen hindurch in Richtung Schokoladenmuseum flanieren. Die Braut ist aufgeregt. In Köln war sie noch nie so richtig und auch zwei Freundinnen aus Polen und Brasilien kennen nur das übliche kölsche Touristenprogramm. Dementsprechend begeistert sind alle, als wir auf dem Hafen-Weihnachtsmarkt am Schokoladenmuseum ankommen.

Die weihnachtlich geschmückten weißen Zelte sehen nicht nur hübsch aus, sie beherbergen auch deutlich interessantere und geschmackvollere Produkte, als man sie auf vielen „herkömmlichen“ Weihnachtsmärkten findet.

Köln Hafen Weihnachtsmarkt am Schokoladenmuseum Finnischer FischErst einmal wärmt sich unsere kleine Gruppe bei – Überraschung! – Glühwein auf. Dann schlendern wir über den noch ganz angenehm leeren, recht konsequent passend zur Hafen-Location im maritimen Stil gehaltenen Markt. Wir verschaffen uns einen kurzen Überblick, dann schlagen wir zu: bei Currywurst, Crêpes, Flammkuchen und Finnischem Flammlachs. Letzterer findet drei Abnehmerinnen und schmeckt einfach göttlich. Über offenem Feuer gegart mit Kräuter-Schmand oder Honig-Senf-Soße nimmt er den Weg ins Matrosenbrötchen (6 €) und von dort direkt in unsere Mägen. Die anderen sind mit ihrer Wahl ebenfalls zufrieden, gutturale Laute der Begeisterung sind aber nur von uns dreien zu hören. Der Weihnachtsmarkt überzeugt uns eindeutig.

Als wir am Stand der Monschauer Senfmühle vorbeikommen, ist die Brasilianerin nicht zu halten: Sie möchte unbedingt Senf mitnehmen. Nun denn, ich bin dabei. Natürlich nur als beratende Unterstützung. Und natürlich muss ich nach einem kleinen Tasting ebenfalls ein Töpfchen Senf mitnehmen. Ich entscheide mich für den Riesling-Senf, ebenso wie meine Begleitung, die zusätzlich Honig-Mohn-Senf mitnimmt – eine Sorte, die schon seit einer Weile bei mir zu Hause im Kühlschrank steht.

Weiter geht’s zum nächsten Ziel in eine andere Ecke Kölns. Nach Ehrenfeld. Dieser Stadtteil ist fast allen meinen Begleiterinnen vollkommen unbekannt. Entsprechend begeistert sind aber die Reaktionen auf das eher alternative Viertel. Und als wir bei Jack in the Box e.V. auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände Ehrenfeld ankommen, ist das Erstaunen groß.

Köln Ehrenfeld Homemade Bazar Jack in the BoxSonst besuche ich in den Hallen von Jack in the Box vor allem Veranstaltungen wie den Nachtflohmarkt oder das Street Food Festival. Wir wollen dieses Mal aber zum Homemade Winterbazar, den ich noch nicht kenne. Glücklicherweise gibt es keine Schlange, vielleicht gibt es an diesem Tag zu viele Veranstaltungen in der Stadt, vielleicht liegt es an den 2 € Eintritt, vielleicht sind es die Kölner aber einfach inzwischen ebenso leid wie ich, ständig für Märkte Eintritt zahlen zu müssen.

Draußen ist es ebenfalls relativ leer, was bei den Temperaturen aber kein Wunder ist. Wir holen uns erst einmal Glühwein und Bier, danach stellen wir uns an eine der „Feuertonnen“ und wärmen uns auf. Ich mag die entspannte, lockere Atmosphäre, die auf dem Gelände herrscht. Meinen Begleiterinnen geht es ebenso.

Der Markt selber ist nicht sonderlich spektakulär. Ich finde ein recht hübsches Frühstücksbrettchen mit Köln-Skyline und dem Schriftzug „Kölnerin“ für meine Cousine, die gerade nach Köln gezogen ist (und die hoffentlich diesen Post nicht liest).

Köln Ehrenfeld Madame Pottine Homemade Bazar Jack in the BoxFür die Braut hingegen ist der Stand mit den „Liebesschlössern“ von Vampirhummel, die auf Wunsch mit individueller Gravur verkauft werden, der Volltreffer. Sie ist hin und weg – aus London kennt sie so etwas nicht. Am Geländer der Hohenzollernbrücke wird das Schloss aber wohl trotzdem nicht landen – dafür darf sich der Bräutigam über dieses Mitbringsel freuen. Mich hingegen begeistert vor allem der Stand von Madame Pottine. Dort werden zu hübschen Etageren umfunktionierte Sammeltassen angeboten.

Aber der Hunger treibt uns schließlich weiter. Ich habe einen Tisch im Restaurant Ährenfeld am Neptunplatz reserviert. Die Damenrunde tritt ein und ist begeistert: Ein freundlicher, heller Raum, in dem man sich direkt wohlfühlt, und ein ebenso freundlicher Empfang lassen hoffen, dass das Essen im Ährenfeld ebenfalls gut ist.

Ich habe großen Hunger und entscheide mich für das Gänsemenü (24,90 €). Meine Begleiterinnen sind etwas bescheidener, nur eine bestellt zusätzlich zur Hauptspeise eine Suppe. Leider bekommen wir nicht die in meinem Menü angegebene Kürbissuppe – was ich erst erfahre, als meine „Suppenpartnerin“ ihre Suppe bestellt, bei meiner Bestellung gibt es keinen Hinweis dazu. Ich stimme dennoch nachträglich zu. Maronen gehen immer.

Glücklicherweise ist die riesige Portion Maronensuppe, die wir stattdessen bekommen, wirklich lecker – zumindest nachdem ich der recht geschmacksneutralen Portion mit ein wenig Salz und Pfeffer nachhelfe. Aber das kennt ihr von mir ja schon. Auch neben mir wird allerdings nachgewürzt, das beruhigt mich etwas. So überarbeitet überzeugt uns die Suppe, obwohl wir sie noch einen Tick zu süß finden.

Köln Ehrenfeld Ährenfeld Restaurant GansDas beliebteste Hauptgericht ist eindeutig die Gans. Die Teller biegen sich geradezu unter Brust, Keule, Rotkohl, Klößen und jeweils einem halbierten Bratapfel (19,50 €). Die Klöße sind leider innen noch teilweise roh. Dafür schmecken Brust und Keule wirklich köstlich. Dazu gibt es Maronen in Soße. Wieder etwas zu süß, aber wie gesagt: Maronen gehen immer, und zumindest mir macht die Süße in diesem Fall nichts aus. Wir wissen aber nun zumindest, warum die Suppe so süß war…

Meine Nachbarinnen überzeugen die vegetarischen Tortellini (12,50 €) mit Birnenspalten in Thymian-Nussbutter (mich übrigens ebenfalls) sowie der Hamburger mit Kartoffelecken und Salat (10,50 €). Sollte ich wiederkommen, werde ich aber vermutlich die in Kräutern gebratene ganze Dorade mit Rosmarinkartoffeln und Salat (17,50 €) bestellen, für die sich eine andere meiner Begleiterinnen entscheidet. Herrlich.

Ich platze fast, aber die Zimtcrêpe mit Pflaumenkompott passen so gerade noch. Doch dann ist Schluss. Wobei…, ein oder zwei Absacker gehen immer. Also laufen wir ein paar Straßen weiter ins Rubinrot, wie ich finde eine der besten Cocktailbars in Köln.

Die Karte im Rubinrot ist ein Traum. Hier gibt es sowohl interessante Kreationen bekannter(?) Barkeeper als auch klassische Cocktails. Wir probieren uns soweit möglich durch die Karte und können uns nur schwer losreißen.

Aber die Bahn nach Düsseldorf wartet und obwohl mir meine Begleiterinnen versichern, ich hätte ihnen eine neue Seite Kölns gezeigt und die Stadt schmackhaft gemacht, wollen wir doch alle zurück in die andere wunderbare Stadt am Rhein. Wir sind uns einig: Wenn die neue Ehe ebenso gut läuft wie dieser Abend, dann hat das Paar eine durch und durch herrliche Zukunft vor sich.

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