Auf den Spuren Harry Potters unterwegs in Edinburgh

Edinburgh Harry Potter TourWenn ich reise, dann ist die Teilnahme an mindestens einer Führung eigentlich ein Muss. Dabei gilt: Je interessanter und außergewöhnlicher, desto besser. Schließlich möchte ich ja auch besondere und möglichst viele Seiten einer Stadt oder einer Region entdecken.
Deshalb mache ich mich auch für meinen Aufenthalt in Edinburgh auf die Suche nach einer nicht alltäglichen Führung. Als ich mich vorab generell über die schottische Hauptstadt informiere, wird schnell klar, dass es seit einigen Jahren ein Thema gibt, das für Edinburgh besonders wichtig ist: die weltweit millionenfach verkaufte Buchreihe „Harry Potter“, die Autorin Joanne K. Rowling in Cafés der Stadt schrieb und für die sie sich außer von Plätzen in London auch von verschiedenen Orten der in schottischen Hauptstadt inspirieren ließ.

Selbstverständlich gibt es deshalb zur Entstehungsgeschichte der Harry Potter-Bücher eine Führung: The Potter Trail. Da bin ich dabei! Schnell stelle ich fest, dass ich keinerlei Risiko eingehen, wenn ich an der Führung teilnehme: Sie kostet an sich nichts, Besucher sollen im Anschluss an die Führung nur so viel zahlen, wie ihnen die Tour wert war. Ein für beide Seiten sinnvolles Konzept. Schließlich gehen die Gäste so nicht nur risikofrei, sondern auch mit relativ geringen Erwartungen auf die Tour. Sie haben kein Problem mit der zu erwartenden recht großen Gruppe, und freuen sich, wenn die Führung sie unterhält. Dann zahlen sie dem Veranstalter vermutlich etwa den gleichen Betrag, den sie auch hätten zahlen müssen, wenn sie bei ihm ein Ticket gekauft hätten – für eine Tour mit einer vielleicht 15 bis 20 Personen umfassenden Gruppe.

Edinburgh Schottland The Elephant House Harry Potter J. K. Rowling

So warten dann auch zu dem auf der Internetseite angegebenem Zeitpunkt wie von mir prognostiziert Teeniemassen vor Greyfriars Bobby’s Bar, an der die Führung beginnt. Ich schätze, dass sich etwa 40 Interessierte eingefunden haben, natürlich zu etwa 98 % weiblich. Tatsächlich steht auf der Internetseite, dass bis zu 50 Besucher an der Tour teilnehmen können.

Einige der Teenies sind in Begleitung ihrer Eltern, ein paar haben einen mehr oder weniger begeistert dreinschauenden Freund im Schlepptau. Der Großteil der weiblichen Fans ist jedoch mit einer oder mehreren Freundinnen erschienen. Sie kichern aufgeregt und ihre Münder wollen einfach nicht stillstehen. Ich komme mir mit einem Mal unglaublich alt vor. Als unserer Führer erscheint, wird die ein wenig hysterisch wirkende Aufregung noch etwas größer. Herrje, war ich als Teenie auch so überdreht? Ich befürchte es.

Nun denn, das Schnattern legt sich und unser Tourguide beginnt mit der Begrüßung. Er ist in einem Zaubererumhang erschienen, unter dem er den „Sprechenden Hut“ versteckt, den er im Laufe der Tour einige Male hervorholen wird. Ebenso wie er ab und zu eine Nickelbrille aufzieht und so tatsächlich ein wenig an Daniel Radcliffe in der Rolle Harry Potters erinnert. Wenn ich es von meinem Platz in der hinteren Reihe des Pulks richtig verstehe, heißt er Daniel. Na, das wäre ja mal ein Zufall. Wir gehen sofort los und stacksen über den hinter der Bar gelegenen Friedhof.

An den für uns relevanten Gräbern erinnert der Boden eher an für Schlammcatchen präparierte Austragungsstätten. Ich deute das als Zeichen, dass wir nicht die Einzigen sind, die sich auf die Spuren der Entstehung Harry Potters begeben. Auf dem Friedhof liegt zum Beispiel der schottische Dichter William McGonagall, nach dem Rowling die strenge, aber dennoch beliebte Lehrerin Minerva McGonagall benannte. Aber auch die Ruhestätte des „Namensgebers“ von Tom Riddle befindet sich auf dem Greyfriars Kirkyard.

Edinburgh Schottland The Elephant House Harry Potter Tour

Daniel – ich gehe einfach mal davon aus, dass ich mich nicht verhört habe und nenne ihn weiterhin so – erzählt uns, dass J.K. Rowling hier auf dem Friedhof spazieren ging und sich zu den Namen ihrer Protagonisten inspirieren ließ. An einem Zaun bleibt er stehen und deutet auf das imposante Gebäude hinter sich. Hier befindet sich eine Schule, die George Heriot’s School, auf die später angeblich auch die Kinder der inzwischen vermögenden Autorin gingen beziehungsweise wohl noch gehen. Sie soll das Vorbild für die Zauberschule Hogwarts sein.

Wir tippeln über die matschigen Wege zurück zur Straße und laufen weiter durch die Straßen Edinburghs. An einem Fußgängertunnel bleibt Daniel stehen und erklärt uns, dieser habe Pate für den Tunnel gestanden, in dem Harry und sein Cousin Dudley Dursley von Dementoren angegriffen werden. Wir gehen weiter und passieren kurz The Elephant House, Spoon und weitere Cafés, in denen beziehungsweise in deren Vorgängern J.K. Rowling an den verschiedenen Teilen ihrer Reihe schrieb, bis sie aufgrund ihres zunehmenden Ruhms dort nicht mehr in Ruhe arbeiten konnte.

Edinburgh Schottland Harry Potter Tour Handabdruck J. K. RowlingEin Stück weiter betreten wir den Innenhof von Edinburghs Rathaus. Hier haben sieben berühmte Edinburgher – gebürtige wie  zugezogene – ihre Handabdrücke im Beton hinterlassen. Neben J.K. Rowling unter anderem auch Peter Higgs (genau, der Entdecker des gleichnamigen Teilchens), dessen Handabdrücke mich ehrlich gesagt noch mehr interessieren als die der Autorin. Die Teeniemeute drängt sich jedoch nur um die eine auf dem Boden eingelassene Platte mit den Abdrücken von J.K. Rowling. Kein Problem, dann kann ich in Ruhe erst einmal die anderen fotografieren.

Edinburgh Vorbild WinkelgasseIch mache dann auch schnell das obligatorische J.K. Rowling-Handabdruck-Foto und hechte hinter meiner Gruppe her. Zum Schluss der Tour wartet noch ein richtiges Highlight auf uns: die Winkelgasse. Also das, was das Vorbild für die Winkelgasse ist. Nämlich die wirklich hübsche Victoria Street, die mir bereits vorher aufgefallen ist und die ich schon einige Male auf und ab gelaufen bin – es gibt dort einige wirklich sehr nette und interessante Läden. Unter anderem einen Zauberladen, der auf einem Zettel an der Tür recht deutlich zu verstehen gibt, dass er nichts mit Harry Potter oder dessen Entstehung zu tun hat oder zu tun haben möchte.

Knapp anderthalb Stunden sind vorbei und Daniel verabschiedet sich langsam von uns. Er erklärt, dass der Großteil der Führungen in Edinburgh zwischen 7 und 15 Pfund kostet. Wir könnten selbstverständlich einen Betrag in den Hut werfen, den uns seine Harry Potter-Tour wert sei, aber er wolle uns damit einen kleinen Anhaltspunkt geben. Daraufhin lässt er den „Sprechenden Hut“ herumgehen. Zusammen mit ihm reicht er einen kleinen Stapel Gutscheine von The Elephant House herum – so bleibt der eine oder andere Besucher, der vielleicht schnell gehen wollte, möglicherweise doch noch kurz, um ein paar Pfund in den Hut zu werfen.

Mir hat die Tour Spaß gemacht und ganz nebenbei habe ich auch noch etwas über Edinburgh erfahren. Ich bleibe mit dem Betrag, den ich in den Hut werfe, tatsächlich genau in dem von Daniel vorgegebenen Rahmen. Erstaunlich schnell verläuft sich die große Gruppe. Auch ich mache mich wieder auf den Weg zurück zu meiner Unterkunft. Aber vorher gehe ich noch ein letztes Mal durch die Winkelgasse.

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