Brügge, Bier und B&B: To-dos in der Weltkulturerbe-Stadt

Brügge GrachtInnerhalb der letzten Jahre habe ich weltweit einige Lieblingsstädte gefunden, aber Brügge ist sicherlich die malerischsten von allen. Der wunderhübsche Innenstadtkern ist seit über einem Jahrzehnt Weltkulturerbe. Außerdem liegt die Hauptstadt von Westflandern nur knapp drei Auto- oder vier Zugstunden von Düsseldorf entfernt. Neben einem für eine solch kleine Stadt relativ großem Kulturangebot wartet sie mit gutem Essen und – wie es sich für Belgien gehört – mit einem reichhaltigen und guten Biersortiment auf. Kurz: Brügge ist eine Reise wert.

Parken in Brügge
Der mittelalterliche Stadtkern ist natürlich zum Parken denkbar ungeeignet. Darüber hinaus ist das Parken dort zeitlich begrenzt, wenn man nicht in einer Tiefgarage parkt. Dort kostet ein Parkplatz für 24 Stunden 8,70 €. Für alle, die mit dem Auto anreisen, ist aber das Parkhaus am Bahnhof besonders praktisch: Dort zahlt man für 24 Stunden parken maximal 3,50 €, pro Stunde 70 Cent. Zusätzlich kann man mit dem Parkticket auch einen kostenlosen Bustransfer ins nicht weit entfernte Zentrum in Anspruch nehmen. Die Rückfahrt ist selbstverständlich ebenfalls enthalten. Übrigens gibt es auch einen Parkplatz für Wohnmobile. Hier kostet ein Tag je nach Saison zwischen 15 € und 22,50 €.

Unterkunft in Brügge
Wenn man nicht nur einen Tagesausflug nach Brügge macht, muss man natürlich auch irgendwo übernachten. Ich schaue am liebsten auf verschiedenen Seiten nach B&Bs. Dort findet sich meist für jeden Geldbeutel eine passende Unterkunft. Ansonsten ist auch AirBnB eine gute Alternative zu den normalen Hotels.

Brügge B&B DebryneIch habe besonders gerne bei der Familie DeBryne gewohnt. Ihr Haus liegt nicht allzu weit vom touristischen Zentrum, aber trotzdem ruhig und nicht mittendrin. Das kleine B&B war vor über hundert Jahren teilweise eine lokale Brauerei. Davon sieht man heute allerdings nichts mehr. Das Haus ist größtenteils sehr modern gehalten und Architekturfreunde werden es sicherlich interessant finden. Wir waren in einem kleinen Zimmer unter dem Dach untergebracht. Die ebenfalls kleine Dusche ist mit Minikacheln in verschiedenen Blautönen verkleidet, was mir schon morgens ein Urlaubsgefühl gegeben hat. Unten im alten Raum der Brauerei, der inzwischen sehr modern gestaltet wurde, gibt es morgens für die Gäste ein Frühstücksbuffet.

To-do in Brügge
Brügge GrachtenfahrtBrügge ist relativ klein, aber auch extrem touristisch. Daher gibt es einiges zu sehen und zu entdecken. Am liebsten laufe ich allerdings einfach durch die Gässchen, weiche den großen Touristenströmen aus, entdecke für mich neue kleine Plätze und genieße die historische Atmosphäre.
Die Kirche Onze Lieve Frouw ist eine sehr hübsche Kirche, in der auch eine Madonna von Michelangelo (Brügger Madonna) zu finden ist. Ebenso lohnt sich ein Besuch in der Sint-Salvatorskathedraal.

Eine Grachtenfahrt ist fast schon ein Muss, wenn man die Stadt zum ersten Mal besucht, und mit aktuell 7,60 € für eine Fahrt noch ein recht günstiges Vergnügen. Sie dauert zwar mit knapp einer halben Stunde nicht lange, ermöglicht aber einen guten Eindruck vom Innenstadtkern. Während der Hochsaison sind die Schlangen an den fünf Einstiegsplätzen leider meist recht lang und die Boote ziemlich voll – was auch erklärt, wie 2013 über eine Million Gäste durch die Grachten schippern konnten.

Ein weiterer Publikumsmagnet ist der Beginenhof. Die hübsche Anlage, die ebenfalls zum Weltkulturerbe gehört, besticht vor allem durch ihre kleinen, aneinandergereihten, weißen Häuschen. Eintritt zahlt man für das Gelände nicht. Inzwischen leben dort keine Beginen mehr, allerdings dürfen dort weiterhin ausschließlich Frauen wohnen. Einzelne Bereiche der Anlage sind für Besucher nicht zugänglich. Ich schaue gerne in der Kirche vorbei, da sich dort weniger Touristen tummeln als in den Außenanlagen. Allerdings habe ich bisher, eigentlich absolut unverzeihlich, noch nie das kleine Museum auf dem Gelände besucht, soweit ich weiß beträgt der Eintritt dafür aktuell 2 €.

Führungen und Besichtigungen in Brügge
Brügge Bonbonladen Zucchero Auf der Mariastraat vis-â-vis der Liebfrauenkirche und dem St.-Janshospitaal bietet der kleine Laden Zucchero Süßigkeiten aller Art. Besonders interessant ist es aber, den „Bonbonmeistern“ bei der Arbeit zuzusehen. Das kann man sowohl durch eine Scheibe im Laden selbst, als auch durch das Schaufenster von der Straße aus machen. Obwohl ich weniger Interesse an Bonbons habe, finde ich es jedes Mal wieder faszinierend, dabei zuzusehen, wie die Zuckermasse von den Profis durch die Gegend gewirbelt wird, bis schließlich hübsche Bonbons daraus entstehen. Auch für Kinder eine spannende Sache, aber Vorsicht: Ihr werdet dann sicher nicht um einen kleinen Einkauf herum kommen.

Relativ neu ist das Historium am Marktplatz. Hier laufen die Besucher auf einem Erlebnisrundgang durch eine mittelalterlich anmutende Szenerie. Dabei erleben sie unterstützt von Filmeinspielern und diversen Effekten die (fiktive!) Liebesgeschichte des jungen Jacob, der für den berühmten Maler Jan van Eyck arbeitet, und der Magd Anna. Anhand dieser Story soll den Besuchern während der etwa halbstündigen Tour das Brügge um 1435 so lebendig wie möglich nähergebracht werden. Im Eintrittspreis inbegriffen ist dabei ein Audioguide entweder in Englisch, Niederländisch, Französisch, Spanisch, Italienisch oder eben Deutsch.

Brügge Historium SzeneIch finde, dass das Ganze insgesamt gut gelungen ist. Ob es ihm jedoch 11 € wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir zumindest hat der Besuch Spaß gemacht und mich gut unterhalten, ein zweites Mal werde ich aber vermutlich nicht noch einmal ins Historium gehen. Die nette Aussicht vom Balkon auf den Marktplatz ist ein zusätzlicher Grund, das Historium zu besuchen. Und ich kann mir vorstellen, dass gerade Kinder die Tour mögen werden. Falls ihr euch für einen Besuch entscheidet: Es gibt das Ticket auch in Verbindung mit anderen Tickets, wodurch der Preis insgesamt ein wenig günstiger wird. Mit der Brugge Card, die zum Beispiel für 48 Stunden 43 € kostet, ist der Eintritt frei.

Etwas älter ist die Brauerei De Halve Maan. Neben gutem Bier bekommen die Gäste zu (fast) jeder vollen Stunde auch Führungen angeboten. Ich empfehle, die Wartezeit dort nicht mit Essen zu überbrücken. Die Preise erscheinen mir vergleichsweise hoch und die Kleinigkeiten, die ich bisher dort gegessen habe, waren das Geld nicht unbedingt wert. Aber Essen ist ja auch schließlich nicht die Kernkompetenz einer Brauerei.

BrüggeBrauerei Brouwerij De Halve MaanDie Führungen werden täglich von 10 bis 17 Uhr, am Wochenende bis 18 Uhr, in Niederländisch, Französisch und Englisch angeboten. Von November bis März sind Zeiträume kürzer, zum Beispiel in der Woche nur von 10 bis 15 Uhr. Deutsche Führungen gibt es nur auf Nachfrage. Wie, beziehungsweise, ob sie dann zustande kommen, kann ich leider nicht sagen. Die knapp einstündige Führung kostet 7,50 €, darin enthalten ist auch ein Glas Brugse Blond Zot am Ende der Tour. Übrigens können Gruppen ab 20 Personen ihre eigene Führung im Voraus buchen.

Ich habe bereits zweimal an der Tour teilgenommen und habe immer noch Spaß daran. Der Ausblick von der Brauerei über die Stadt ist noch besser, als der vom Historium auf den Marktplatz. Und auch sonst erfährt man bei der geführten Tour einiges über Brügge und natürlich jede Menge über das belgische Bier im Allgemeinen und De Halve Maan Bier im Besonderen. Da es sich bei der Brauerei um die einzige noch existierende Brauerei im Stadtkern von Brügge handelt, solltet ihr sie auf jeden Fall besuchen. Mein Tipp: An der Brauereiführung teilnehmen, danach aber wegen der nicht besonders gemütlichen, weil großen und damit auch lauten, Location und des ebenfalls nicht herausragenden Services und Essens lieber in eine von nicht so vielen Touristen frequentierte Gaststätte wechseln. Gutes Essen gibt es woanders, und gutes Bier bietet in Brügge sowieso jede Gastronomie.

Selbstverständlich gibt es in Brügge noch weitere Sehenswürdigkeiten. So können sich zum Beispiel „Freunde der Pommes“ im Friet Museum über die Geschichte der belgischen Köstlichkeit informieren. Die medizinische Geschichte der Stadt Brügge wird im Sint-Janshospitaal anschaulich erklärt.

Essen und trinken in Brügge
Aufgrund der vielen Angebote weiß man gar nicht, wo man zuerst essen gehen oder sein Bierchen genießen soll. Ich habe inzwischen einige ganz gute Restaurants gefunden – zum Teil recht touristisch, das gebe ich zu, aber wenn sie gut sind… Gutes Bier findet man wie bereits erwähnt fast überall, wo die Karte mehr als drei Biersorten aufweist. Und meist auch dort. Letztendlich ist das aber natürlich alles Geschmacksache.

Die Bierbrasserie Cambrinus ist vermutlich in jedem Reiseführer verzeichnet. Allerdings (noch) aus gutem Grund: Die Einrichtung ist rustikal-gemütlich, der Service freundlich und lustig, das Essen gut und die Bierauswahl riesig. Über 400 Biere machen die Auswahl schwer und das Probieren aller Sorten in weniger als einem Jahr und ohne Alkoholiker zu werden, unmöglich.

Brügge Bierbrasserie Cambrinus Bier BrauermenüMit einigen Abstrichen kann ich das Brauermenü für 26,95 € empfehlen. Die Vorspeise besteht aus Trappisten Käsekroketten – die ich persönlich nicht so umwerfend finde, fettiger, panierter Käse eben. Der Hauptgang, flämischer Rindfleisch-Eintopf mit “Gulden Draak” Bier mit Apfelmus ist hingegen sehr lecker. Weder meine Begleitung noch ich konnten wiederum den Pommes etwas abgewinnen und haben sie nahezu unberührt zurückgehen lassen. Die Crème Brûlée mit Ename Dubbel hat uns beiden aber geschmeckt, auch wenn wir vermutlich vor allem aufgrund der Vorspeise schon ziemlich satt waren. Wenn man sich die Preise auf der Karte anschaut, ist dieses Menü relativ günstig, selbst wenn nicht alles perfekt ist. An der Bierkarte gibt es wie bereits erwähnt nichts auszusetzen. Ein Traum, aus der man zum Essen verschiedene der hervorragenden Biere auswählen sollte.

Brügges Restaurant Chagall Steak TartareSehr leckere Muscheln, aber leider keinen hervorragenden Service bietet das Restaurant Vagevuur in der Nähe des Markplatzes. Hier schmecken übrigens auch die Pommes.
Mein Favorit ist aber das kleine Restaurant Chagall. Urig, mit netter, launiger, manchmal auch etwas launischer Bedienung, gutem Bier (warum erwähne ich das überhaupt noch?) und – ich seufze schon beim Gedanken daran – einem wunderbaren Steak Tartare. Die Preise sind zivilisiert und auch das sonstige Essen wirklich gut.

Wer ein lauschiges Plätzchen für einen Kaffeeklatsch sucht, ist im Café Prestige auf jeden Fall richtig. Das niedliche Café bietet neben Frühstück auch köstliche Pâtisserie und einen Afternoon Tea an. Aber Vorsicht: Selbst die kleinen Backkunstwerke sind so reichhaltig, dass nicht mehr viel Platz für einen Nachschlag bleibt.

Brügge Pralinen The Old Chocolate HouseDass ich „eine Süße“ bin, dürfte den regelmäßigen Lesern meines Blogs bereits aufgefallen sein. Dass ich in dieser Hinsicht ziemlich anspruchsvoll bin, ebenfalls. Gerade was Pralinen betrifft, bin ich nicht so leicht zufriedenzustellen. Kein Wunder, schließlich habe ich Heinemann-Pralinen quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Leonidas-Pralinen lassen mich recht kalt, viele andere ebenso. Aber die Pralinen von The Old Chocolate House sind für mich „eine sichere Bank“. Kein Besuch vergeht, ohne dass ich mir nicht mindestens eine Mischung (dunkler!) Pralinen zusammenstellen lasse, um sie als Souvenir für mich und Mitbringsel für andere mit nach Hause zu nehmen. Übrigens soll die Trinkschokolade in The Old Chocolate House ebenfalls ganz wunderbar sein. Irgendwann werde ich auch sie testen.

Brügge Afternoon Tea Hotel de OrangerieEinen ganz hervorragenden Afternoon Tea bietet das Hotel de Orangerie, direkt an der Gracht gelegen. Davon abgesehen, dass man sich schon durch die Innenausstattung in eine andere Zeit versetzt fühlt, ist der Afternoon Tea wirklich wundervoll. Für faire 25 € bekommen Gäste Scones, Sandwiches, Pâtisserie und Tee von einem sehr freundlichen und herzlichen Service serviert. Als meine Begleitung und ich dort waren, blieben wir – unglaublich, aber wahr – für eine sehr lange Zeit die einzigen Gäste. So konnten wir unseren Platz am Fenster mit Blick auf die Gracht und den Blick in die wunderschönen Räumlichkeiten aus einer anderen Zeit aber wenigstens entsprechend ausreichend genießen und würdigen. Das angrenzende urige Kaminzimmer werde ich sicher bei Gelegenheit noch einmal aufsuchen, um dort ein gutes Bier oder einen leckeren Whisky zu genießen.

Brügge Hotel de OrangerieNeben dem hervorragenden Service – tatsächlich von der Rezeptionistin bis zum Kellner – und der hübschen Location stimmt auch der angebotene Afternoon Tea. Ein im Hotel de Orangerie eingenommener Afternoon Tea ist meine absolute Empfehlung für einen Besuch in Brügge. Und auch wenn die Doppelzimmer bei 165 € ohne Frühstück starten: Für einen besonderen Anlass sind der warmherzige Service und das schöne Ambiente diesen Preis sicher wert (ich bin für diese Lobhudelei übrigens nicht bestochen worden, auch wenn der Eindruck entstehen könnte).

Brügge Bierkneipe Bier t'PoatergatOrte für ein gutes Bier habe ich ja bereits einige genannt. Mein absoluter Favorit ist aber t’Poatergat, eine urige Bierkneipe, keine 400 Meter vom Marktplatz entfernt. Steigt man das erste Mal die Treppen in das große Kellergewölbe hinab, kann es passieren, dass man sich urplötzlich in seine Schul- oder Studienzeit zurückversetzt fühlt. Urig, halbdunkel und ein wenig versifft wirkend empfängt die Kneipe den Besucher. Aber bereits nach kurzer Zeit fühlt man sich an dem von Kerzen beleuchteten Tisch mit seinem an der Theke aus der umfangreichen Bierkarte bestellten, köstlichen Bier so wohl, dass man dort gar nicht mehr weg möchte. Und ich habe gerade das dringende Bedürfnis, Brügge baldmöglichst wieder einen Besuch abzustatten. Hach.

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2 Gedanken zu “Brügge, Bier und B&B: To-dos in der Weltkulturerbe-Stadt

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