Ein Besuch auf der größten Kirmes am Rhein in Düsseldorf

Düsseldorf Rheinkirmes OberkasselDüsseldorf mag Superlative: Hier gibt es die längste Theke der Welt, die größte japanische Gemeinde in Deutschland (und die drittgrößte in Europa) und natürlich die größte Kirmes am Rhein. Wochen haben die Schausteller sie am linken Rheinufer in Oberkassel aufgebaut. Knapp zehn Tage dauert sie und die Rheinische Post meldet, dass der Veranstalter, die St. Sebastianus Schützen, in dieser Zeit mit etwa vier Millionen Besuchern rechnet. Obwohl ich als Ur-Korschenbroicherin selbstverständlich schützenfest- und kirmesgestählt bin (Stichwort „Unges Pengste„), war ich seit Ewigkeiten nicht mehr „richtig“ auf einem Schützenfest und bin vor allem aus drei vollkommen unterschiedlichen Gründen kein Kirmes-Fan: zu voll, zu viele Menschen und zu eng. Am Freitagabend habe ich allerdings festgestellt, dass so ein Kirmesbesuch doch ganz schön sein kann.

Aus den Richtungen der Haltestellen Luegplatz und Jugendherberge kommend treffen meine Begleitung und ich uns in der Mitte des Kaiser-Wilhelm-Rings. So vermeiden wir es, mit den von der Straßenbahn strömenden Menschenmassen auf das Gelände gedrängt zu werden. Entspannt und fast alleine gehen wir einen der Seitenwege hinunter und machen uns auf den Weg in die Alpenwelt, um erst einmal etwas zu essen. Es ist etwa 20 Uhr und überall noch erstaunlich leer.

Zu warmem Schafkäse im Brot (5 € und absolut köstlich) und kalter Bärlauchfrikadelle im Brötchen (3,50 €) genießen wir unsere wohlverdienten Feierabendbiere und amüsieren uns über die bayerische Stimmungsband (Sorry Jungs, ihr habt euch ja wirklich ins Zeug gelegt, aber das ist einfach nicht meine Musik). Zum Abschluss des kleinen Festmahls gibt es Poffertjes.

Uerige Brauerei Zelt Kirmes DüsseldorfEtwas netter und ruhiger ist es übrigens meist im Tiroler Dorf, aber an so etwas denkt man ja wie auch in diesem Fall fast immer zu spät. Die Stimmung in der Alpenwelt steigt jedenfalls, es wird voller und wir beschließen, endlich unseren ursprünglichen Plan umzusetzen und ins Uerige-Zelt zu wechseln, welches das weggefallene Diebels-Zelt ersetzt. In der Nähe des Süd-Eingangs hat die Uerige Brauerei zusammen mit dem „Szeneclub“ Chateau Rikx nach drei Jahren Kirmesabstinenz wieder eine Anlaufstelle für Freunde des richtig guten Altbieres geschaffen. Das Zelt ist nicht zu voll, das angenehme, gut gelaunte Publikum ebenfalls nicht und die Musik ist in Ordnung bis wirklich gut. 2,10 € für ein leckeres Alt, freundliche Bedienungen und eine nette Atmosphäre – so mag ich Kirmes.

Düsseldorf Kirmes LosbudeAber es wird noch besser: Nachdem wir das Zelt verlassen haben, beschließen wir, eine Kindheitserinnerungen-Kirmestour zu starten. An einer Losbude kaufen wir für 2 € je zehn Lose, haben einen Heidenspaß mit dem netten Verkäufer und beim Öffnen der Lose. Natürlich hat keiner von uns einen Hauptgewinn gezogen. Für meine 70 Punkte wähle ich einen Bleistift zum Knoten und ein Flugzeug aus Styropor zum Zusammenbauen. Plötzlich bin ich wieder fünf Jahre alt und stehe freudig aufgeregt mit meiner Familie an der Losbude in Korschenbroich. Kein Hauptgewinn hätte mir eine größere Freude bereiten können als dieses Erlebnis gekrönt von Gewinnen im Wert von vermutlich nicht einmal 50 Cent. Die 2 € sind bestens investiert.

Weiter geht’s. Als nächstes gönnen wir uns ein Kirmeseis für 1,50 €. Schokolade ist definitiv die beste Wahl – mein Eis wird neidisch beäugt. Da das schon einmal so gut funktioniert hat, versuche ich immer wieder, meiner Begleitung ein Fahrgeschäft schmackhaft zu machen.

Auf die Raupe könnten wir uns einigen, aber die einzige Raupenbahn auf der Kirmes erscheint uns zu langsam, das Riesenrad irgendwie zu langweilig. Geisterbahn (zu dunkel), Überschlagschaukel (zu schlechte Erinnerungen), Flasher (zu hoch und zu wild), Wildwasserbahn (zu nass) und andere Angebote scheiden ebenfalls aus.

Also kaufe ich für 3 € erst einmal 100 Gramm Nutella- und Zimt-Mandeln für meine Mutter. Natürlich müssen wir probieren, was ich da verschenken möchte, und sind uns einig: Die Zimt-Mandeln schlagen die Nutella-Mandeln. Ganz nebenbei verschwindet noch ein Paradiesapfel für zu Hause in meiner Tasche.

Nachdem wir uns nicht auf ein Fahrgeschäft einigen können, beschließen wir, in der Altstadt noch einen Absacker zu trinken und dann nach Hause zu fahren. Da wir keine Lust haben, über die Oberkasseler Brücke zu laufen oder uns in die Straßenbahn zu quetschen, nehmen wir die Fähre. Am Fähranleger hat sich eine Schlange gebildet, die ersten Passagiere sind aber bereits an Bord.

Düsseldorf Fähre Kirmes AltstadtSchnell kaufen wir unsere Tickets (2 € pro Person, Fahrrad plus 1 €. Tipp: Lasst euch „+Fahrrad“ darauf schreiben, sonst kommt es am Ticket-Kontrollpunkt zu noch größeren Verwirrungen als wir sie mit diesem Zusatz schon hatten.) und gehören zu den Letzten, die über die Gangway auf die Fähre gehen dürfen. Auf der Fähre kann die Feier weitergehen: Partymusik und Biertheke lassen keinen Leerlauf aufkommen.

Die nächtliche Aussicht in beide Uferrichtungen ist toll, leider ist die Fahrt zu schnell vorbei. In wenigen Minuten sind wir am Altstadtufer angekommen und die Menschenmassen strömen vom Schiff. Draußen warten bereits die neuen Fahrgäste, die zur Kirmes oder vielleicht auch nur in ihr Zuhause in Oberkassel möchten.

Düsseldorf Altstadt nächtliche SkylineIch bin selig: Das Wetter war in Ordnung, die Kirmes überraschend leer für den ersten (Freitag-)Abend, die Kindheitserinnerungen zahlreich, die Verpflegung gut, die Besucher entspannt und die Kosten hielten sich im Rahmen. Kurz: Der Abend war wunderbar, und wenn das Wetter und mein Job mitspielen, werde ich vielleicht in der Woche noch einmal vorbeischauen.

Übrigens: Die Brauerei-Zelte haben verschiedene Programme, unter anderem gibt es auch Rudelgucken des WM-Finales am heutigen Abend. Morgen ist wie an jedem Kirmesmontag „Pink Monday“, der „Rosa Montag“, zu dem etwa 50.000 schwule und lesbische Besucher erwartet werden. Der eigentliche Höhepunkt der Kirmes ist aber wie in jedem Jahr das großartige Feuerwerk gegen 22.30 Uhr am Freitagabend, 18. Juli. Das solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen. Und vielleicht wird dieser Abend ja dann zu eurem Ausflug in die Kindheit.

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