Ein Prosit auf Craftbeer: das Festival der Bierkulturen

Brauvorführung der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer e.V.Bereits zum fünften Mal bot am vergangenen Wochenende das Festival der Bierkulturen in Köln Bierfreunden eine Auswahl an nicht alltäglichen Bierspezialitäten. Im Bürgerzentrum Ehrenfeld präsentierten 22 kleine und unabhängige Brauereien aus Deutschland und Europa zwei Tage lang „Klassische und innovative Bierspezialitäten auch jenseits von Reinheitsgebot und Kölsch-Konvention“. Als Bierliebhaber konnte ich mir eine solche Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und verabredete mich mit gleichermaßen bieraffinen Freunden für ein mehrstündiges Bier-Tasting.

Am Nachmittag treffen wir bei wunderbarem Wetter in Ehrenfeld ein. Auf der Terrasse des Bürgerzentrums arbeiten bereits Mitglieder der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland e.V.  an ihrem ersten Sud. Der wunderbare Geruch weht zu uns herüber. Nicht nur deshalb möchten wir uns die Sache genauer anschauen: Ein Bekannter von uns ist Teil des Teams vor Ort und verrät uns, dass er nicht wusste, dass er sich ein Rezept hätte überlegen sollen. Man habe sich dann aber schnell etwas Passendes überlegt: Heute wird also „Chaoskölsch“ gebraut. Ich hoffe, dass ich das irgendwann einmal probieren kann. Irgendwie hört es sich trotz aller „Unplanung“ gut an.

Köln Ehrenfeld Bürgerhaus Festival der Bierkulturen Bayerischer Bahnhof und HeidenpetersAm Eingang erhalten wir für 5 Euro Eintritt auch ein Tastinglas, das uns den ganzen Tag über begleiten wird. Außerdem kaufen wir direkt ein paar Bons im Gegenwert von je 50 Cent, mit denen wir die Biere an den Ständen bezahlen können, die meist zwischen drei und vier Bons kosten. Nachdem wir  uns einen ersten Überblick verschafft haben, geht es los. Ich möchte mit einem leichten Alter Flieder (4,9%) starten, einem Altbier mit Flieder von der Berliner Brauerei Heidenpeters. Doch – oh Wunder – es gibt heute in Köln kein Alt, sondern nur Verbocktes Kölsch mit Salbei (5,4%), das die Brauerei in Kooperation mit Ale*Mania braut. Der Salbei ist dezent-unaufdringlich herauszuschmecken, rettet das recht flache Bier aber nicht wirklich (ja, ich weiß, dass es ein Kölsch ist, trotzdem). 3 von 5 Punkten.

Köln Ehrenfeld Bürgerhaus Festival der Bierkulturen Siegburger Brauerei Frau HolleMeine Begleitungen haben eindeutig eine bessere Wahl als ich getroffen: Das wunderbare, citrusfruchtige, angenehm gehopfte Pale Ale (5,3%) von Heidenpeters erhält von mir 4 Punkte – ich habe mich also am richtigen Stand einfach für das falsche Bier entschieden, verdammt. Die angenehm säuerliche Gose mit leichtem Salzgeschmack, Frucht- und Koriander-Noten der Brauerei Bayerischer Bahnhof aus Leipzig bekommt 3,5 Punkte. Wir sind alle recht begeistert von diesen beiden Bieren. Säuerliche Biere wie die Gose zählen nicht gerade (immer) zu meinen Favoriten, aber dieses gefällt mir gut.
Obwohl das Salbei-Kölsch mich nicht glücklich gemacht hat, traue ich mich nochmals an ein „Mädchenbier“. Frau Holle (6%), ein Bier des Siegburger Brauhauses gebraut aus Holunderblüten und Süßkirschen, bewerte ich mit 3,5 Punkte. Sehr nett, nicht zu fruchtig und trotzdem erfrischend, genau das Richtige für einen Sommertag, aber geschmacklich dennoch nicht vollkommen überzeugend.

Köln Ehrenfeld Festival der Bierkulturen Gose Mania Brauerei Ale*ManiaJetzt aber bitte auch mal einen richtigen Volltreffer für mich! Ich möchte nun auch eine Gose und entscheide mich nach langem Hin und Her für Gose Mania (5,5%) der Bonner Brauerei Ale*Mania. Gewonnen! 4 Punkte. Die Gose schmeckt mir noch ein wenig besser als die von Bayerischer Bahnhof. Sie ist voller und dadurch auch etwas runder im Geschmack – und bestimmt einen möglichst baldigen Ausflug nach Bonn wert.
Meine Begleitungen genießen inzwischen ein Goldenale Pale Ale (5,6%) der schottischen Brauerei Black Isle und ein English Rose (7%), ein English Ale, der Grünstädter Brauerei Brauart. Das Pale Ale ist, wie ich so gerne sage, eine runde Sache. Ausbalancierter Geschmack, etwas Pfirsich, Thymian, schöne Hopfennote und etwas Karamellgeschmack. 4 Punkte. Die englische Rose enttäuscht mich dagegen etwas. Süßlich-fruchtig, recht leicht, mir persönlich zu flach. 3 Punkte.

Nachdem wir in einer Ehrenfelder Gastronomie eine Abendgrundlage geschaffen haben, geht es weiter. Truman’s London Keeper (8%), ein zehn Monate lang im Cask gelagertes 1880 Double Export Stout, kann mich trotz Kaffee- und Schokoladennoten nicht vollkommen überzeugen. 3,5 Punkte für das Bier der englischen Brauerei Truman’s. Dafür überzeugt mich aber die Wahl meiner anderen Begleitung: India Brown Ale (5,2-5,5%, 50 IBU) der Brasserie Trois Dames aus der Schweiz, dessen angenehme Röstnoten und ebensolche bitteren Aromen mir gut gefallen. 4 Punkte. Doch noch mehr bin ich von meinem eigenen Bier begeistert. Prototyp (5,9%), ein kalt gehopftes Lager der Hamburger Brauerei Kehrwieder mit schönen Fruchtnoten erhält 4 Punkte.

Etwas enttäuscht sind wir vom Pale Ale der niederländischen Brouwerij de Molen – auch da wir uns auf das angekündigte Pale Ale Citra gefreut hatten, das es leider nicht gibt. Das Pale Ale selber ist nicht im Verzeichnis. Nicht so wild, hierfür gebe ich sowieso nur 3 Punkte. Mein Verlierer des Tages ist aber – schon ein wenig ironisch – The best Brewjob ever (11%), ein Imperial Alt der Freigeist Bierkultur. Zu flach, zu wässrig, um mich nach so vielen tollen Bieren noch überzeugen zu können. 2,5 Punkte. Dafür stürzen wir uns nun auf das großartige Earl Grey IPA (6,8%), Barley wine, der Brauerei Emilisse aus den Niederlanden. Ein tolles Bier! Tatsächlich sind leichte Earl Grey-Noten zu schmecken, angenehm, keinesfalls aufdringlich und perfekt harmonierend mit den fruchtigen Aromen. Sofort taufen wir das IPA auf den Zweitnamen Captain Picard-Bier. 4 Punkte. Vielleicht sogar 4,5.

Köln Ehrenfeld Festival der Bierkulturen Helios-Braustelle Dei schwarzen Brüder Jack Jaques und Cardenal CervezaLetzte Runde. Vermutlich. Wir sind noch erstaunlich nüchtern. Aber schließlich probieren wir die Biere ja bereits seit etwa 15 Uhr und bald ist es 22 Uhr und das Festival damit für heute beendet. Nun trauen wir uns an Die Schwarzen Brüder der Ehrenfelder Braustelle: Jack (7,5%), ein schwarzer Doppelbock, zwei Monate im Whiskyfass gereift, und Jaques (7,5%), der gleiche schwarzer Doppelbock, aber drei Monate im französischen Süßweinfass gereift. Ich entscheide mich für einen hellen Doppelbock, der drei Monate im Brandyfass reifen konnte, Cardenal Cerveza (8,5%). Dumm von mir. Nicht, dass das Bier schlecht ist. Allerdings ist es extrem säuerlich und irgendwie mächtig ohne satt zu machen. Vor allem verglichen mit den beiden Brüdern. Jaques ist ein gutes Bier, sehr angenehm zu trinken, interessant im Geschmack. Aber Jack haut uns – nur im sprichwörtlichen Sinne – alle um. Ein tolles Bier! Dementsprechend gibt es für den Cardenal und Jaques 4, aber für Jack begeisterte 4,5 Punkte.

Und natürlich: Es ist dann doch nicht unsere letzte Runde. Die wirklich letzte Runde besteht aus einer Wiederholung, einem Hofdraak (6,5%), Belgian Ale der belgischen Brauerei T’Hofbrouwereijke, und einem Sgt. Pepper (6%) des Siegburger Brauhauses. Das in der Flasche vergärte Belgian Ale kann trotz interessanter Anis- und Pflaumennoten nicht mehr an den 4,5 Punkten von Jack kratzen. 3,5 Punkte. Dafür bin ich hin und weg vom Sgt. Pepper. Was für ein Bier! Leichte Pfeffernote, würzig mit einer schönen malzigen Süße und fruchtigen Aromen. Wunderbar. Anscheinen gibt es dieses Bier (noch) nicht regulär bei der Brauerei zu kaufen. Sollte das aber mal der Fall sein, ist Siegburg für mich definitiv ganz plötzlich einen Ausflug wert. 4,5 Punkte.

Auch das schönste Biertasting muss einmal zu Ende gehen. Ich hätte so gerne mehr Biere probiert oder würde zumindest gerne einige Flaschen mit nach Hause nehmen. Auf meiner sorgfältig ausgewählten Liste stehen knapp zehn Biere. Doch die meisten kann man nicht mitnehmen. Die Mitarbeiter des Siegburger Brauhauses zapfen mir für 10,50 € (inklusive der Flasche für fast 5 €) etwa 0,75-Liter, die bereits am nächsten Tag relativ schal schmecken, in eine 1-Liter-Flasche. Beim Bayerischer Bahnhof bekomme ich 0,75-Liter Gose für 10 €. Schade, ich hatte gehofft, nach dem Probieren auch einige richtig gute Biere mit nach Hause nehmen zu können. Aus meiner Sicht verschenken sowohl Veranstalter als auch Aussteller so die Chance, für ein gutes Festival und tolle Biere auch im Nachhinein bei Bierliebhabern Werbung zu machen – gerade bei solchen, die vielleicht nicht zum Festival kommen und dort Biere probieren konnten.

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