re:publica 2014 Johnny Haeusler

re:publica 2014: Internet, Nerds und Genuss – Teil 2

Hotel Michelberger Mikkellerberger BierDie re:publica ist mehr als nur eine Internet- und Nerdveranstaltung. Hier treffen sich Kollegen, Freunde und Menschen mit gleichen Interessen und netzwerken und diskutieren miteinander. Das beschränkt sich aber nicht nur auf digitale und politische Themen. Gestern gab es den ersten Teil meiner kleinen kulinarischen Berlin-Reise zur re:publica 2014 mit Gemüsekebap, Whisky, Bier und Italienerbesuch. Heute folgt der zweite Teil mit – Überraschung! – Bier, Süßigkeiten, Insekten, Süßigkeiten Fleischbergen, veganen Einkäufen und erwähnte ich überhaupt schon Bier?

Mobile Bierversorgung
Berlin Wedding Craft Beer Bier beer4weddingNachdem Florian sich bitterlich über die Bierversorgung auf der re:publica beschwert und ich ihm nur zustimmen kann, müssen wir handeln. Ich spreche Carmen an, die aufgrund ihres Jobs in der Lebensmittelbranche hervorragend vernetzt ist und auch die kleinen Perlen kennt.
Eine davon ist die Craft Beer Brauerei beer4wedding (inzwischen Berliner Bierfabrik). Auch Carmen erkennt die katastrophale Versorgungslage und nimmt sofort Kontakt mit den jungen Brauern auf.

Knapp einen Tag später stehen sie dann auch mit ihren kleinen Lieferwagen vor den Toren der Station und versorgen uns mit Rotbier, IPA und Hopfenstopfer Seasonal Special Ale. Ich probiere das Rotbier und nehme außerdem eine Flasche des IPA für meinen Koffer mit. Florian und Carmen sind glücklich und auch ich muss feststellen: Berlin ist im Bereich Craft Beer eindeutig auf einem sehr guten Weg.

Sweetup
SweetupBereits im zweiten Jahr bietet das Sweetup als Rahmenprogramm der re:publica Foodbloggern die Möglichkeit, diverse Süßigkeiten zu testen und zu bewerten. Wir „tagen“ im Mercure Hotel und schauen erwartungsfroh auf die ausgelegten Leckereien. Den Großteil der Produkte kenne ich bereits vom Sweetup beim Foodcamp in Bonn. Und so muss ich an dieser Stelle nicht mehr viel zu Camburger Möndchen, Äffle und Pferdle Fruchgummi und den verschiedenen Sorten von Lakrids schreiben. Niederegger Marzipan kennt sowieso jeder. Aber zu Smash! muss ich noch einmal sagen: NOM! Gleiches gilt für die schokoladenüberzogene Lakritzkugel von Lakrids. 

Berlin Sweetup Süßigkeiten bewerten

Obwohl sie etwas gewöhnungsbedürftig sind, schmecken mir Bamsemums aus Norwegen, mit Schokolade überzogene Schaumgummibären, ziemlich gut. Nicht so ganz meinen Geschmack treffen Reese’s Pieces aus den USA. Diese M&M-ähnlichen Dragees sind statt wie diese mit Schokolade mit Erdnussbutter gefüllt. Interessant, aber für meinen Geschmack einen Tick zu süß, ist Ragusa Blond. Diese Schweizer Schokolade ist eine Mischung aus weißer und normaler Schokolade. Da ich keine weiße Schokolade mag, weil sie mir zu süß ist, erklärt das vermutlich auch meine kleinere Abneigung. Trotzdem harmonieren die karamellige Note und die Nussfüllung gut miteinander.

Folgende Noten habe ich verteilt:
je drei Punkte: Lakrids (außer die Lakrids mit Lakritzkern), Reese’s Pieces
je vier Punkte: Äffle und Pferdle Fruchgummis, Bamsemums, Ragusa Blond
je fünf Punkte (nomnomnom): Smash!, Niederegger Marzipan, Camburger Möndchen, Lakrids mit Lakritzkern

Eine besondere Entdeckung sind Frooties, „Tabletten“ mit interessanter Wirkung. Lässt man ein Frootie auf der Zunge zergehen – wichtig: nicht kauen! – schmeckt saures oder bitteres Essen auf einmal süß. Wir testen das mit Zitronen und, tatsächlich, es funktioniert. Nachdem ich die Tablette minutenlang auf der Zunge habe zergehen lassen, schmecke ich nichts Saures.

Im Gegenteil, die Zitronen schmecken wunderbar süß. Mein Hirn will das nicht richtig verstehen und erwartet bei jedem neuen Bissen die typische Zitronensäure. Nichts. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wofür das gut sein soll, aber ein interessanter Gag ist es allemal. Frooties bestehen aus getrocknetem Wunderfruchtmark (fragt mich nicht, was eine Wunderbeere exakt sein soll), Kartoffelstärke, Dikalziumphosphat, Magnesiumstearat und enthalten laut Angaben des Herstellers keine künstlichen Zusatzstoffe (Konservierungsmittel, Säuren, Farbstoffe).

Essbare Insekten
Berlin Essbare Insekten Bugs FoodSchnell sind die drei Tage um. Christian von Lakritzplanet und ich lassen es uns nicht nehmen, zum Abschied noch schnell beim Stand von Bugs Food vorbeizuschauen. Vor lauter Vorträgen, Diskussionen und kulinarischen Netzwerk-Veranstaltungen sind wir kaum dazu gekommen, die Stände in der Station zu besuchen. Ich kaufe drei Lutscher mit Heuschrecken als Mitbringsel (später kommt von einem der Beschenkten der berechtigte Einwand, eine Made wäre besser gewesen, denn daran kann im Gegensatz zu Heuschreckenbeinen man vorbeilutschen) und esse mit Christian noch eine Heuschrecke.

Mh, okay, aber nicht besonders interessant. Vielleicht hätte ich doch bei meinen Asienreisen einmal an einem der vielen Straßenstände zugreifen sollen. Viel interessanter finde ich den Insekten-Kochkurs, für den am Stand Werbung gemacht wird. Möglicherweise melde ich mich dafür irgendwann einmal an.

Abschiedsabend XXL
Berlin Tempelhof Restaurant Redo XXLWieder eine Tradition. Im vergangenen Jahr sind wir noch mit 70 bis 100 Besuchern (ich möchte mich da nicht so genau festlegen, schließlich war es ein Kommen und Gehen und mir ist nicht jedes Gesicht bekannt) beim Steakhaus Doree eingefallen. Dort gibt es „Preise wie vor 20 Jahren“ und ich kam mir fast schon kriminell vor, Fleisch zu solchen Preisen zu bestellen. Aber es hat trotzdem fantastisch geschmeckt – nicht nur mir.

Zurück zum diesjährigen Abend: Dieses Mal ist das Motto nicht (nur) „günstig“, sondern „XXL“. Riesige Fleisch- und Pommesberge auf unzähligen Tellern und – ja – auch auf Platten, frittierte Riesencurrywürste und kaum zu stemmende Bierhumpen. Willkommen im Redo XXL. Die Bedienung ist freundlich und recht flott. Aber das Essen überzeugt mich leider nicht richtig.

Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit ratlos etwas ratlos in der Speisekarte blättere, finde ich endlich etwas, das nicht in XL-, XXL- oder XXXL-Mengen angeboten wird. Meine Wahl fällt schließlich auf ein 200g Argentinisches Rumpsteak, „Größe L, mit typischem Fettrand, geschmorten Zwiebelringen und Pommes Frites“ für 14,90 €. Es ist ordentlich aus. Doch es ist eben nur essbar, aber leider nicht richtig lecker oder gar etwas besonderes.

Auch die anderen sind allenfalls ganz zufrieden, begeistert scheint niemand zu sein. Zum Abschluss teilen mein Tellerfreund (s. Teil 1) und ich uns noch einen Schwedenbecher – seit meiner Zeit in Thüringen neben Spaghettieis mein absoluter Lieblingseisbecher. Doch der kann geschmacklich leider nichts mehr herausreißen.

An dieser Stelle eine Frage an die Betreiber von Eiscafés, Restaurants und andere Gastronomen, die Schwedeneisbecher anbieten: Warum muss man das leckere Eis mit Apfelspalten, Waffeln und Schokosauce verhunzen und kann sich nicht statt dessen auf einfache und gute(!) Zutaten konzentrieren? Dann schmeckt dieses Eis nämlich einfach nur göttlich. Aber genug der Lebensmittelplädoyers. Kurzes Fazit: Redo XXL hat mich trotz freundlichem und schnellem Service nicht überzeugt.

Exotisches Flair in Kreuzberg
Berlin Kreuzberg Tiki Heart CaféMein letzter Tag in Berlin. Ungemütliches Regenwetter dämpft meine Motivation für größere Erkundungstouren ein wenig. Trotzdem mache ich mich auf den Weg, um mich ein wenig in Kreuzberg umzusehen. Nicht ohne Hintergedanken. Schließlich möchte ich das Tiki Heart besuchen. Für Burger oder ähnliches ist es mir noch zu früh. Aber ein zweites Frühstück geht bekanntlich immer.

Deshalb wähle ich Pancakes mit Obst und Hüttenkäse. Als die nette Bedienung den Teller bringt, erkenne ich: Ein Pancake wäre ausreichend gewesen. Trotzdem kämpfe ich tapfer mit den beiden aufgeplusterten Monstern, muss aber einen Teil des zweiten Pancakes auf dem Teller zurückgehen lassen. Die Pancakes waren okay, aber sicher nicht die besten meines Lebens. Ich würde trotzdem definitiv wiederkommen.

Berlin Kreuzberg Tiki Heart CaféDie Location ist nämlich sehr nett: kitschiges 50-er Jahre Tiki-Flair mitten in Berlin, betrieben von Menschen, denen man anmerkt, dass es ihnen nicht (nur) um Geld geht, sondern um eine Lebenseinstellung. Unter dem Café bietet BouTikiein kleiner Shop, Klamotten und Nippes im 50-er Jahre Stil und wer mag, kann sich dort anscheinend tätowieren lassen.

Vegane Einkaufstour
Berlin Veganz vegane Lebensmittel veganer ShopNur wenige Meter von meinem Hotel entfernt befindet sich eine Filiale von Veganz, der bisher einzigen veganen Supermarktkette in Deutschland. Neugierig wie ich bin, muss ich vor meiner Abfahrt noch einen Blick hineinwerfen. Vermutlich würde ich mehr einkaufen, wenn ich nicht alles in einen bereits recht vollen Koffer quetschen und diesen noch tragen müsste. So beschränke ich mich auf wenige Produkte: Seitan-Fix, Smoothie Pulver Rote Banane und diverse vegane Schokoladen, die mich leider alle nicht richtig überzeugen konnten – aber jetzt weiß ich zumindest sicher, dass ich nie Veganer werden kann. Das wird mich aber nicht davon abhalten, Veganz einen erneuten Besuch abzustatten. Demnächst in Essen und eventuell auch in Köln, denn in Düsseldorf ist erstaunlicherweise noch keine Filiale geplant.

Abschiedsbierkauf
Berlin Hotel Michelsberger Hoppy Christmas Lovin' BierMein Abflug rückt näher. Ich nutze die Zeit, die ich im Hotel auf mein Taxi warte, um noch schnell Bier zu kaufen und in meinem inzwischen recht schweren Koffer zu verstauen. Nicht irgendein Bier, sondern Mikkellerberger. Dieses Pale Ale hat das Michelberger Hotel in Zusammenarbeit mit der dänischen Brauerei Mikkeller entwickelt und es ist großartig geworden. 5,50 € für eine Flasche sind definitiv ein stolzer Preis, aber wenn ich dafür ein gutes Bier erhalte, wie in diesem Fall, bin ich trotz allem ein glücklicher Kunde. Allerdings ist es geschmacklich sehr dominant, sodass ich an einem Abend wohl nicht mehr als ein oder zwei Flaschen davon trinken könnte, auch wenn ich wollte. Geschmacklich stechen vor allem Malz-, Hopfen- und Citrus-Noten hervor. Die fruchtige Süße wird durch den leicht bitteren Geschmack gut ausbalanciert. Trotzdem eine extreme Geschmacksexplosion.

Es findet zwar nicht den Weg in meinen Koffer, aber auch das Hoppy Lovin‘ Christmas, ein American IPA von Mikkeller, für noch stolzere 6,50 € ist wunderbar. Allerdings kann es gut sein, dass das mit Ingwer und Piniennadeln gebraute Bier aufgrund seines besonderen Geschmacks ebenfalls dem einen oder anderen doch zu viel ist. Süßlich, karamellig, danach eher fruchtig, in Richtung Zitrone und Ananas, aber immer mit einem Hauch Ingwer und vor allem einem fein ausbalancierten Hopfen-Geschmack. Es muss nicht mehr als eine Flasche sein, aber tolle Biere wie dieses trinke ich ganzjährig gerne.

Auch in diesem Jahr habe ich festgestellt: Wenn nicht aus anderen Gründen, dann ist Berlin aus kulinarischer Sicht doch immer wieder eine Reise wert. Spätestens zur re:publica 2015 werde ich das gerne wieder testen.

Und wer jetzt noch Lust bekommen hat, sich die diesjährigen re:publica Vorträge anzuschauen, sollte in die Youtube Playlist schauen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s