Alpenküche im Green Cookery Lounge Supper Club

Düsseldorf Green Cookery Lounge Supper ClubIn Düsseldorf gibt es nur drei Supper Clubs. Seit kurzem eigentlich nur noch zwei, nachdem klar ist, dass Rebelote (hoffentlich nur vorerst) die Pforten geschlossen hat.
Bisher habe ich zwei davon besucht. Einer steht noch aus. Zufällig lande ich Anfang Februar wieder einmal auf der entsprechenden Internetseite, auf der ein neuer Termin verkündet wird. Obwohl der Post bereits einige Tage alt ist, ist für mich klar: Ich muss nun endlich einmal versuchen, dort einen Platz zu ergattern. Tatsächlich habe ich Glück: Wenige Tage nach meiner Anfrage erhalte ich eine Zusage für die beiden letzten freien Plätze. Also schnell noch eine nette Begleitung gesucht und eine Woche später geht es ab nach Unterbach.

Unterbach. Nun, das liegt weder um die Ecke, noch ist es mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Windeseile zu erreichen. Aber schließlich bedeutet ein Supper Club ja auch, sich auf etwas Neues einzulassen. Warum also nicht auch einmal auf einen etwas abgelegenen Stadtteil? Die Begleitung meiner Wahl sieht das ähnlich und so treffen wir am Valentinstag – ein bloßer Zufall – pünktlich in dem kleinen Wohngebiet ein. An der Haustür der Green Cookery Lounge begrüßen uns die Tochter von Carmen, unserer Gastgeberin, und eine ihrer Klassenkameradinnen. Carmen veranstaltet diesen und einen weiteren Abend, um damit den Abiball des Marie Curie Gymnasiums zu unterstützen. Deshalb helfen verschiedene Schüler der Stufe, wie ihre Tochter, an beiden Abenden bei der Tischdekoration oder bei der Bewirtung der Gäste.

Düsseldorf Green Cookery Lounge Supper ClubBereits seit einigen Jahren kocht Carmen in unregelmäßigen Abständen für angemeldete Gäste vegetarische Menüs – sie ist also quasi die „große Schwester“ vom Magic Garden Supper Club.  Von ihrer offenen Küche aus, an die sich direkt Wohn- und Esszimmer anschließen, bewirtet sie sechs bis zehn Personen. Ab sechs Personen kann man auch individuelle Termine bei ihr buchen.
Da der Erlös des heutigen Abends in die Abiballkasse fließen soll, muss das Essen nicht nur gut, sondern auch möglichst günstig sein. Deshalb steht das Menü unter dem Motto „Alpenländische Winter-Küche“. Meine Begleitung und ich stürzen uns sofort begeistert auf den kleinen, liebevoll gestalteten Menü- und Getränke-Fächer, den Carmen neben den Tellern platziert hat. Schon nach kurzem Überfliegen ist mir klar: Das wir ein sehr, sehr guter Abend.

Aber wir starten erst einmal mit einem unalpenländischen Glas Sekt – an dem ich als Fahrer leider nur nippen kann – und wunderbaren selbstgemachten Salz-Crackern mit einem noch großartigeren Dattel-Frischkäse-Topping. Eine leichte, unaufdringliche Schärfe, die einsetzt, kurz bevor man dieses köstliche Amuse-Gueule nach genießerischem Kauen leider herunterschlucken muss, macht diese kulinarische Einstimmung noch interessanter. Ein Rezept, das ich unbedingt haben muss!

Ein Gast konnte nicht kommen. So befinden meine Begleitung und ich uns tatsächlich als einzige „Fremde“ im Kreise von sieben untereinander bekannten Eltern und Geschwistern der Schüler, für deren Abiball-Kasse wir heute essen und zahlen. Obwohl wir niemanden kennen, kommen wir schnell mit den anderen Gästen ins Gespräch. Hach, das ist eben das Tolle an Supper Clubs.

Düsseldorf Green Cookery Lounge Supper Club Rote-Beete Timbale auf Postelein-Salat mit Blutorangen-DressingDer erste Gang stimmt uns richtig auf die alpenländische Küche ein: „Edel-deftige Käse-Zwiebel-Suppe mit Weißem Portwein und einem Haus von Vanille und Ingwer“. Ich schlucke. Käse-Suppe. Hoffentlich bin ich danach nicht schon satt! Aber Käse, Portwein und Ingwer gehen eine angenehm dezente Beziehung ein. Dabei ruft der Käse im Gegensatz meiner Befürchtung kein umgehendes Völlegefühl hervor. Der Geschmack der Vanille ist zum Ende hin nicht zu stark zu schmecken. Die Zwiebeln fallen hingegen kaum auf. Eine runde Sache. Und obwohl die Portion nicht klein ist und Brot dazu gereicht wird, ist mein Magen noch aufnahmefähig. Puh!

Der Zwischengang besteht aus „Rote Beete Timbale auf Postelein-Salat mit Blutorangen-Dressing“. Nachdem geklärt ist, was Postelein ist und wo man ihn bekommt (in Erkrath auf dem Markt), stellen wir überrascht fest, wie interessant er schmeckt. Die Pflanze erinnert uns geschmacklich an etwas zwischen Spinat und Brunnenkresse. Außerdem freue ich wieder einmal darüber, dass man bei Supper Clubs immer etwas lernen und Neues entdecken kann. Hach.

Düsseldorf Green Cookery Lounge Supper Club Südtiroler Spinatknödel mit gebräunter Butter und ParmesanUnd dann folgt mein absoluter Lieblingsgang – nicht nur, weil es der Hauptgang ist: „Südtiroler Spinatknödel dazu gebräunte Butter und Parmesan“. Auf dem Teller sieht das Ganze recht unspektakulär aus. Zudem überlege ich kurz, ob ich von diesen beiden, unscheinbaren Knödel, im Grunde große Spinatgnocchi oder Spinatnockerl, wohl überhaupt endgültig satt werden kann. Aber die unterschätzten Köstlichkeiten haben es in sich. Vor allem natürlich um sich: Butter und Parmesan runden ihren Spinatgeschmack wunderbar ab – und zwingen mich trotz aller Bemühungen sprichwörtlich in die Knie. Obwohl ich von dem Gericht begeistert bin, muss ich einen halben Knödel auf dem Teller liegen lassen. Aber das ändert nichts daran: Ein Rezept, das ich unbedingt haben muss!

Düsseldorf Green Cookery Lounge Supper Club Supperclub Warmes Schokoladen-Küchlein mit eingelegten BirnenBisher bin ich sehr zufrieden: Auch wenn das vegetarische Essen anders ist, als ich es vom Magic Garden Supper Club kenne, schmeckt alles gut. Besonders gefällt mir auch, dass Carmen nicht versteckt in der Küche steht, sondern sich aufgrund der offenen Architektur während des Kochens mit uns unterhalten kann.
Ob nun der Nachtisch mit den anderen Gängen mithalten kann? Das teste ich umgehend: Den süßen Abschluss bilden warme Schokoladen-Küchlein, die Carmen in Weckgläser gefüllt hat. Dazu bekommen wir ein kleines Schälchen mit eingelegten Birnen. Eine schöne Idee, da sie dem Schoko-Küchlein einen herrlich frisch-fruchtigen Kick geben.

Düsseldorf Green Cookery Lounge Supper Club SupperclubIm Anschluss daran wird es dann richtig gemütlich: Carmen kommt aus der Küche und setzt sich zu uns. Zu Wein, Espresso und Grappa reicht sie eine Étagère mit diversem Kleingebäck herum. Unsere „Servicemädels“ sind inzwischen beide zu einem Geburtstag entschwunden und wir sind nun ganz unter uns.
Ein wenig fehlt mir die Schwere des Weins, der den schönen Abend nun perfekt abgerundet hätte. Aber wenigstens meine Begleitung – im übrigen mit ihrem ersten Supper Club-Erlebnis überhaupt ebenso gücklich wie ich – genießt verzückt einen Barbera d’Alba aus 2011.
Insgesamt bin ich begeistert von Carmen, ihrer Gastfreundlichkeit und selbstverständlich auch von ihrem Essen. Die alpenländische Winter-Küche hat mich überzeugt. Einfach, aber doch sehr lecker und gar nicht kompliziert nachzukochen. Wäre die Green Cookery Lounge nicht in Unterbach beheimatet, würde ich wohl auch hier bald Stammgast sein. Denn am liebsten lasse ich mich ja immer noch bekochen. Trotz der etwas umständlicheren Anreise bin ich mir aber sicher: Ich komme wieder. Und das eine oder andere Rezept muss ich bestimmt auch noch haben.

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4 Gedanken zu “Alpenküche im Green Cookery Lounge Supper Club

  1. Schokohimmel schreibt:

    Uuuui, das ist für mich als Düsseldorferin ein ganz besonders interessanter Post! Ob Käsesuppe, Knödel oder Schokoküchlein: Das hört sich richtig, richtig toll und nach einer gelungenen Veranstaltung an!

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  2. green cookery lounge schreibt:

    Kochen ist meine größte Freude, perfekt wird sie aber erst, wenn ich meine Gäste damit glücklich machen kann! Und, natürlich gibt es zum Nachkochen auch die Rezepte – das Rezept für die Spinatknödel und für die Dattel-Frischkäse-Creme steht schon auf meiner My Cookery Log Website (www.mycookerylog.de). Das Rezept für die Salz – Cracker folgt in Kürze.
    Viel Spaß beim Nachkochen und Genießen!

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