Köstliches Streetfood in Little Tokyo: Tako-yaki

Düsseldorf Dae YangNormalerweise bin ich ein- bis zweimal im Monat samstags im japanischen Viertel von Düsseldorf unterwegs. In den vergangenen Monaten war das nicht so. Vor Weihnachten , also ab Ende November, meide ich die Innenstadt. Der Januar begann stressig und entweder habe ich samstags das erledigt, was ich in der Woche nicht geschafft habe oder ich war unterwegs. Also keine Besuche in Little Tokyo. Und dafür wurde ich bestraft. Kaum ist man mal zweieinhalb Monate nicht dort, gibt es dort großartiges, neues Streetfood.  Und das wohl ziemlich genau seit Ende November – kurz nach meinem letzten Besuch.

Eigentlich will ich nur schnell ein Fläschchen Sake für eine Freundin kaufen und dann sofort wieder nach Hause. Der Februar ist bisher nicht weniger stressig als der Januar. Im Gegenteil. Aber Sake kauft man eben am besten rund um die Immermannstrasse. Ich stürme also direkt bei Dae-Yang rein. Und pralle beinah gegen ein Menschenknäuel. Etliche Kunden, neugierige Passanten und Hungrige stehen um einen mit einer Papiertischdecke bedeckten Biertisch im Eingangsbereich herum. Ich schnuppere und schnell ist mir klar, warum die Menschen dort stehen: Essen. Ein Mann kocht etwas und das kann man scheinbar probieren.

Macht ihr mal, denke ich, und husche an der Menge vorbei in den Laden. Ich flitze durch die Regalreihen und stehe kurz darauf an der Kasse – natürlich nicht nur mit der Sakeflasche, das übliche Phänomen, wenn ich im japanischen Viertel einkaufe. Als ich wieder aus dem Laden trete, ist es rund um den Biertisch etwas leerer geworden. Nun sehe ich, dass was immer dort gemacht wird, nicht kostenlos ist. Umso erstaunlicher also das zuvor gesichtete Gedrängel. Jetzt bin ich neugierig und trete näher.

Ein Japaner im stilechten Outfit steht vor einer runden Platte über einem Gaskocher, auf die er Teig verteilt hat. So scheint es zumindest. Um ihn herum stehen kleine Schälchen mit Frühlingszwiebeln, getrocknetem Fisch und anderen Zutaten, daneben stehen Fläschchen mit Gewürzen, Saucen und eine Zewarolle. Auf der anderen Seite vom Gaskocher stapeln sich bereits einige gefüllte und etliche noch leere Plastikschälchen. Und dann erkenne ich, dass hier keine Pfannkuchen oder ähnliches hergestellt werden: Mit geschickten Bewegungen formt der Mann mit einem Metallstäbchen aus dem Teig auf der Platte, in der sich wie ich jetzt sehe 15 halbrunde Vertiefungen befinden, kleine Bällchen. Immer wieder dreht er die so entstandenen Leckerbissen, bis sie überraschend gleichmäßig aussehen.

Düsseldorf Dae Yang asiatische Lebensmittel Takoyaki Sie riechen absolut fantastisch. Ich entschließe mich, ein Päckchen mit sechs Stück für 3,60 € mitzunehmen. Einzelne „Probierbällchen“ für weniger Abenteuerlustige oder Hungrige kosten 0,70 € pro Stück. Leider macht der freundliche Mann hinter dem Gaskocher aber gerade Garnelenbällchen. Mich interessieren jedoch die Oktopusbällchen. Also heißt es warten. In der Zwischenzeit kann ich mich aber mit dem „Bällchenmann“ unterhalten und erfahre, dass er tatsächlich seit Ende November von mir unentdeckt jeden Samstag bei Dae Yang steht und das quasi als Hobby betreibt. Wenn man sieht, wie viel Freude er daran hat, mit seinen Kunden und den neugierigen, vorbeieilenden Kunden zu scherzen und schäckern, ist das absolut nachvollziehbar.

Nun sehe ich vom ersten Schritt an, wie er die Bällchen, Tako-yaki, macht. Nachdem er den Teig in die eingefetteten Vertiefungen gefüllt hat, verteilt er die Zutaten darauf: Oktopus, Frühlingszwiebeln, roter Ingwer und noch ein, zwei weitere. Dann schüttet er Teig nach, allerdings dieses Mal über die gesamte Form. Nach kurzer Zeit beginnt er dann mit dem eben schon beschriebenen „Bällchenrollen“. In der Zwischenzeit hat sich das Publikum übrigens von den „garneleninteressierten“ Deutschen, Niederländern und Engländern hin zu den „oktopusinteressierten“ Japanern verschoben. Geschmäcker sind eben tatsächlich unterschiedlich. Besonders erstaunlich: Die Europäer bevorzugen ihre Tako-yakis ohne Topping. So was gibt es bei mir natürlich nicht. Ich möchte erst einmal alles probieren, bevor ich es aussortiere.

Inzwischen stehe ich über eine Viertelstunde vor dem Biertisch. Dabei habe ich doch eigentlich gar keine Zeit! Vielleicht hätte ich doch einfach eines der vorgepackten Schälchen mitnehmen sollen. Aber dann sind die Tako-yaki fertig. Der fröhliche Mann hinter dem Stand packt mir sechs Bällchen in ein Schälchen, gibt Sauce, Mayonnaise, getrocknete Algen, Frühlingszwiebeln und Katsuobushi darüber, verschließt die Schale und packt sie mir in eine Plastiktüte. Ich bedanke mich und eile in Richtung Straßenbahn. Glücklicherweise erwische ich einen Einzelsitz an der Heizung, auf die ich sofort die Tüte platziere. Wenigstens bleibt so etwas Restwärme erhalten. Leider mache ich den Fehler, die Tüte kurz zu öffnen und werde von einer wunderbar duftenden Essenswolke umhüllt. Herr Straßenbahnfahrer, geht’s auch etwas schneller?

Düsseldorf Dae Yang Tako-yaki japanisches Viertel Immermannstraße Little TokioEndlich zu Hause angekommen staune ich: Die Bällchen sind wirklich noch recht warm. Ich kann mich nicht mehr zügeln und stürze mich auf die kleinen Leckereien. Der Teig an sich ist relativ geschmacklos, aber der Ingwer und auch die Frühlingszwiebeln sind teilweise recht dominant. Auch das Katsuobushi ist auf einem Bällchen für meinen Geschmack ein wenig zu stark vertreten und mir scheint es etwas bitter zu schmecken. Das mindert aber nicht den Gesamtgenuss. Der Oktopus ist klar herauszuschmecken, nicht zuletzt durch seine Konsistenz, und er ist sehr gut. Abgerundet wird das Ganze von der süßlichen Sauce und den anderen Toppings. Ich esse so langsam es geht, aber trotzdem sind die Bällchen viel zu schnell weg. Kurz überlege ich, ob ich zurückgehen und dem Mann hinterm Biertisch einen Heiratsantrag machen soll, verwerfe diese Idee aber dann doch wieder. Ich muss wohl einfach wieder regelmäßig samstags ins japanische Viertel gehen.

Übrigens: Etwa ab April wird vermutlich etwas anderes angeboten, hat mir der Bällchenmann erzählt. Dann wird es langsam zu warm für Tako-yaki. Bis dahin muss ich meinen Tako-yaki-Speicher also auffüllen. Und dann freue ich mich auf die nächste süchtig machende Köstlichkeit.

Dae Yang
Immermannstraße 21
Telefon 0211 73 11 77 09
E-Mail info@daeyang.de

 

Update Mai 2014: Ich war zuletzt wieder einmal samstags bei Dae Yang und leider gibt es das tolle Imbiss-Angebot nicht mehr.

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