The Lunchbox: „Manchmal fährt der falsche Zug zum richtigen Ort“

Screenshot des offiziellen "The Lunchbox"-Webauftritts

Screenshot des offiziellen „The Lunchbox“-Webauftritts

Eigentlich gehe ich sehr gerne ins Kino, wenn auch viel zu selten. Doch wenn ich es einmal ins Kino schaffe, frage ich mich regelmäßig, warum ich grundsätzlich hinter dem größten Mann im Saal sitzen muss. Oder zwischen den beiden Pärchen, deren laute, regelmäßige Kommentare das gesamte Kino unterhalten. Warum sollte es also bei The Lunchbox anders sein? Hier hatte ich das „Glück“, dass sogar beide Fälle eintrafen (ihr solltet besser nie mit mir ins Kino gehen). Was meinen Filmgenuss aber nur wenig beeinträchtigt hat. Möglicherweise ist The Lunchbox genau der Film, den ihr euch an den kommenden Feiertagen im Kino anschauen möchtet.

Weil die Originalversion mit Untertiteln zeitlich leider nicht in meinen Terminplan passte, habe ich mich für die synchronisierte Version von The Lunchbox entschieden. Vermutlich die bessere Entscheidung, denn so konnte ich mich voll auf die Bilder konzentrieren und musste nicht entscheiden, ob ich vorwiegend ihnen oder dem Text folge.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Wie viele Frauen in Mumbai kocht auch Ila ihrem Mann jeden Mittag ein Essen, das die Dabbawalas, indische Essenkuriere, in einer Lunchbox abholen und ihm ins Büro liefern. Nach dem Mittagessen holen die Kuriere die leere Box wieder ab und liefern sie zu Hause bei der Ehefrau ab. Die Ehe der beiden plätschert unerfreulich dahin und Ilas Ehemann weiß ihr Essen und auch sie nicht zu schätzen. Als die Dabbawalas eines Tages das Essen an den falschen Empfänger liefern – in Wirklichkeit besteht laut Studien der Havard-Universität eine 1:16 Millionen-Chance, dass so etwas passiert – ändert sich Ilas Leben.

Der kurz vor der Pensionierung stehende Mr. Fernandes und sie beginnen, sich kurze Nachrichten in der Lunchbox zukommen zu lassen. Schon bald erzählt Ila dem Fremden von ihrer unglücklichen Ehe. Auch der eigenbrödlerische Griesgram taut langsam auf und berichtet, wie sehr er seine verstorbene Frau vermisst. Dieser erste Teil des Films wird langsam und für an schnelle Schnitte und actionreiche Handlung gewöhnte Kinogänger vielleicht etwas zu ausführlich erzählt. Doch genau diese Langsamkeit macht die besondere Poesie dieses Filmmärchens aus.

Mit ihren Kochkünsten möchte Ila (Nimrat Kaur) ihrer Ehe mehr Würze verleihen © AKFPL

Mit ihren Kochkünsten möchte Ila (Nimrat Kaur) ihrer Ehe mehr Würze verleihen © AKFPL

Besonders schön angelegt ist auch die Rolle der Aunty, der alten Nachbarin Mrs. Deshpande, die mit ihrem pflegebedürftigen Mann über dem Ehepaar wohnt. Von ihr erhält Ila am Küchenfenster „aus dem Off“ Tipps, wie sie für ihren Gatten das beste Essen zaubern kann. Im Grunde handelt ein Großteil des Films von gutem, indischem Essen, das man trotzdem fast ebenso wenig sieht wie Aunty, die für die Zuschauer nur eine Stimme bleibt, von der sie sich ihr eigenes Bild machen können. Dennoch ist das Essen allgegenwärtig, man meint sogar, es riechen und schmecken zu können, so glaubhaft ist etwa Mr. Fernandes‘ Verzücken. Das hatte bei mir nach Ende des Films (und auch schon währenddessen) einen unglaublichen Appetit auf indisches Essen zur Folge. Leider ist in der Nähe des wunderbaren Metropol-Kinos kein Inder. Seid also vorgewarnt und sucht euch bereits vor dem Besuch einen Inder in der Nähe eures Kinos, bei dem ihr im Anschluss ein Curry oder ähnliche indische Köstlichkeiten genießen könnt.

Während sich die beiden Protagonisten durch ihre Botschaften immer näher kommen, gewähren sie auch den Zuschauern zunehmend tiefere Einblicke in ihre Leben, Sorgen und vor allem ihre Einsamkeit. Buthan, das Land in dem das Bruttonationalglück mehr zählt als das Bruttonationaleinkommen, wird für die beiden zum Sehnsuchtsort, an dem sie ihrer Einsamkeit und Traurigkeit glauben entfliehen zu können. Im Laufe des Films nehmen die beiden Fremden, ohne sich je begegnet zu sein, immer mehr Einfluss auf das Leben des anderen. Wie das genau passiert, verrate ich an dieser Stelle nicht.

Saajan (Irrfan Khan) liest eine von Ilas Nachrichten © AKFPL

Saajan (Irrfan Khan) liest eine von Ilas Nachrichten © AKFPL

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch Shaikh, der junge Kollege, der Mr. Fernandes‘ Stelle übernehmen soll. Nach und nach geben diese drei Figuren ihren Leben gegenseitig eine neue Richtung und finden durch sie die so sehr vermisste Hoffnung und den Antrieb wieder. Das ist spannend, berührend, sinnlich, lustig, melancholisch und vor allem nicht bollywoodesk überdreht. Wie Blancanieves wartet The Lunchbox mit einem überraschend anderen Ende auf. Aber auch das verrate natürlich nicht.

Zusammengefasst ist The Lunchbox ein in exotischer Umgebung spielendes, poetisches Märchen über Einsamkeit, Schicksal („Manchmal fährt der falsche Zug zum richtigen Ort.“) und darüber, wie Fremde ganz plötzlich und unvorhergesehen unsere Leben verändern können – und nicht zuletzt über gutes Essen. Ein Film, für den das Kino erfunden wurde und der seine Zuschauer glücklich nach Hause gehen lässt.

Wer nicht ins Kino gehen möchte und noch bis Mai 2014 warten kann, hat bereits jetzt die Möglichkeit, die DVD von The Lunchbox vorzubestellen.

Gute indische Restaurants in Düsseldorf sind zum Beispiel:

Kirti’s Dhaba
Düsselthaler Straße 1a
Telefon 0049 (0)211 860 42 02
E-Mail info@kirtisdhaba.de
 
Mayur
Hohe Straße
Telefon 0049 (0)211 20 40 00
E-Mail info@restaurant-mayur.de
 
Taj Mahal
Oststraße 143
Telefon 0049 (0)211  569 423 93
E-Mail tajmahal-duesseldorf@gmx.de
 
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