Om Shanti: ein Yoga-Wochenende im Ashram – Teil 2

Yoga Vidya Bad Meinberg KurparkEs ist nicht ganz 6 Uhr als ich am Sonntag aufwache. Ich habe tief, fest und richtig gut geschlafen. Eine solche nächtliche Stille bin ich von Hotels nicht gewöhnt. Eigentlich könnte ich zum Pranayama ins Haupthaus gehen. Ich könnte aber auch einfach auf meinen Körper hören, der immer noch erschöpft ist, und mich noch einmal umdrehen. Bis 7 Uhr kann ich mich nicht richtig entscheiden.
Um kurz vor 10 Uhr wache ich nach insgesamt zehn Stunden Schlaf wieder auf. So lange habe ich seit Ewigkeiten nicht geschlafen. Ich fühle mich aber immer noch etwas schlapp und habe in der Zwischenzeit die Meditation um 7.30 Uhr, das Kirtansingen um 8.15 Uhr sowie den Beginn des dynamischen Hatha Yogas um 9.15 Uhr verpasst. Während die anderen Teilnehmer voller Energie ins Wochenende starten, mache ich mich fertig und gehe Richtung Speisesaal. Wohin auch sonst.

Fauler Samstag
Yoga Vidya Ganesha Kinderwelt Kindergarten Yoga für Kinder Betreuung Travelblog Travel Blogger Urlaub Reiseblog Reise BloggerAuf dem Weg nach unten schaue ich mir noch schnell die Ganesha Kinderwelt von Yoga Vidya an, quasi den Kindergarten des Ashrams, in dem die Kinder betreut werden und Yogaunterricht bekommen. Sehr niedlich, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mein Kind hierhin geben würde – zumindest nicht, ohne mir alles einmal genau anzuschauen.
Nun aber schnell zum Speisesaal. Eigentlich hatte ich befürchtet, ich würde Amok laufen, da es erst so spät etwas zu essen gibt. Mich wundert es also nicht, dass bereits um 10.45 Uhr gut ein Dutzend Menschen am Buffet stehen. Ein Schild verkündet, dass ab 11.45 Uhr im Speisesaal geschwiegen werden soll, dafür kann im Raum des Schweigens gesprochen werden. Verpeilt wie ich bin, denke ich, dass das Schweigen bereits jetzt im großen Saal gilt – wer isst denn schon um 10.45 Uhr?! – und setze mich dort hinein.

Natürlich ist es bereits nach kurzer Zeit wieder unangenehm laut und mein Stresspegel steigt erneut an. Kein Wunder, dass viele ihr Essen mit aufs Zimmer nehmen. Dafür ist das Essen erneut sehr gut. Ich verzichte auf Brot, Marmeladen, Cremes und Müsli und gehe gleich zu warmen Speisen über. Bisher fehlt mir Fleisch nicht. Komischerweise habe ich aber auch irgendwie keinen Hunger – jeder der mich etwas besser kennt, weiß, dass das absoluten Seltenheitswert hat. Obwohl das Essen wieder gut schmeckt, nehme ich nicht nach. Ich bin vollkommen satt.

Meine Begleitungen gesellen sich nach kurzer Zeit zu mir und nehmen erst einmal ein üppiges Frühstück ein. Sie haben tatsächlich das ganze Morgenprogramm mitgemacht. Nach der Mittagspause haben wir bis 15.30 Uhr Zeit zur freien Verfügung. Die wollen wir für eine Massage in der Ayurveda Oase nutzen. Ab 12 Uhr hat das Büro zur Vergabe der Termine geöffnet, aber wir sind bereits zu spät. Alle Massagen, die wir haben wollen, sind nicht mehr verfügbar. Ich entscheide mich spontan für zwei andere Massagen, die anderen winken ab – dann doch lieber Kaffee trinken. Schnell gehe ich mit meinem Terminzettel in den Shop und zahle die Massagen, dann gehen wir wieder zurück zu unserem Seminarhaus.

Im Haus Shanti gibt es bei der Tischtennisplatte, kurz vor dem Hinterausgang, das Café Maya. Dort wird Kaffee für 1,50 € angeboten. Obwohl der aus dem Automaten kommt, schmeckt er meinen Begleiterinnen sehr gut. Ich winke nun beim Kaffee ab. Schließlich habe ich bisher durchgehalten, weder Kaffee noch Alkohol zu trinken und Fleisch, Fisch oder Eier zu essen. Warum sollte ich also jetzt damit aufhören? Zu meiner Überraschung verspüre ich nämlich überhaupt kein Bedürfnis nach auch nur einem dieser Dinge. Aber das Internetcafé mit dem kostenlosen Internetzugang hätte ich gerne gefunden. Besonders gut ausgeschildert ist es jedenfalls nicht.

Eine meine Ashrambegleiterinnen hat ein ganz anderes Bedürfnis: Sie hält die „bedrückende Plattenbauarchitektur“ nicht mehr aus und flüchtet für ein paar Stunden in die Zivilisation, nach Bad Meinberg. Seltsamerweise macht mir die anfangs als so schrecklich empfundene Architektur nichts mehr aus. Ich nehme sie ehrlich gesagt kaum noch wahr und konzentriere mich vollkommen auf die Innenräume und ihre besondere Atmosphäre.

Trotzdem mache ich vor meinen Massageterminen einen kurzen Spaziergang in der näheren Umgebung. Neben erwartet schönem Wald und Park entdecke ich einige Wohnmobile. Und auf einmal erklären sich die Wegweiser zu den Camper-Duschen, an denen ich einige Male vorüber gegangen bin. Es gibt nämlich tatsächlich 24 beziehungsweise 20 Plätze für Gäste, die in Wohnmobilen und Zelten übernachten. Vor einem dieser Wohnmobile entdecke ich einen Kasten Fiege-Bier. Na, und das erklärt wiederum, warum diese Gäste nicht im Ashram übernachten. Genuss will gepflegt werden. Und deshalb gehe ich jetzt auch zu meinen Massageterminen.

Entspannung in der Ayurveda Oase
Yoga Vidya Bad Meinberg Ayurveda Center Massage Travelblog Travel Blogger Urlaub Reiseblog Reise BloggerDie Ayurveda Oase stellt nur einen kleinen Teil der Innenräume dar, dafür einen umso schöneren. Als erstes bekomme ich eine ayurvedische Bauchmassage (30 Minuten für 29 €). Während ich warte, wird mir erschrocken klar, wir intim eine Bauchmassage eigentlich ist. Ich hoffe, dass mich wenigstens eine Frau massiert. Und ich habe Glück: Christine begrüßt mich herzlich und führt mich in einen kleinen, in warmen Farben gestrichenen Raum mit einer Massageliege. Ich ziehe mich aus, während sie ein Laken so hoch hält, dass sie mich nicht sehen kann. Als ich mit dem Rücken auf der Liege liege, deckt sie mich damit zu.

Dann schließt sie die Augen, hebt kurz ihre Hände an die Seite ihres Kopfes, um sie dann auf die Mitte meines Körpers zu legen. Bestimmt eine halbe Minute oder länger bleibt sie so mit geschlossenen Augen stehen, vielleicht eine Art Gebet oder Meditation. Dann öffnet sie die Augen und beginnt mit sanften Bewegungen meinen Bauch zu massieren.

Nach kurzer Zeit nimmt sie das Laken weg und greift zum Massageöl. Mir war nicht klar, auf wie viele Arten man einen Bauch massieren kann. Kreisförmig zum Bauchnabel hin, vom Bauchnabel weg, bohrend, streichelnd, am Rippenbogen entlang (aua, dort scheinen sich Verspannungen zusammenzurotten). Nach einer Weile entspanne ich mich wieder, auch wenn Christine dann und wann auf eine schmerzhafte Verspannung trifft. Die halbe Stunde kommt mir viel länger vor.

Ich kann noch etwa fünf Minuten nachruhen, dann kommt Christine zurück. Sie erklärt mir, dass Jürgen nachher die ayurvedische Rücken- und Nackenmassage (30 Minuten für 29 €) machen wird, „Jürgen ist ein Mann.“. Ich grinse in mich hinein und bin froh, dass Jürgen nicht mein „Bauchmasseur“ war. Dann führt sie mich in den Ruheraum. Dort sind bereits drei der vier Liegen besetzt, eine der jungen Frauen schläft vollkommen entspannt auf ihrer Liege. Christine bringt mir Tee. Genauer gesagt zwei Tees zur Auswahl, weil sie nicht weiß, welchen ich haben möchte. Ich finde das unglaublich süß und denke, dass das woanders wohl nicht so gelaufen wäre. Sie verabschiedet sich und ich warte entspannt auf Jürgen.

Der lässt nicht lange auf sich warten. Wir gehen in einen anderen, größeren Raum, der aber in einem ähnlichen Stil eingerichtet ist wie der erste, in dem ich war. Jürgen erkundigt sich, wie meine Massage war. Auch er ist der Meinung, dass eine Bauchmassage sehr intim ist, da „sie ja sehr tief“ geht. Er selbst hat noch nie eine gehabt. Ich empfehle sie ihm und dann beginnt meine nächste Massage mit dem gleichen Ritual wie die erste.

Seit ein paar Stunden plagen mich extreme Nackenschmerzen, die inzwischen auch starke Kopfschmerzen nach sich ziehen. Leider ist die Massage eher sanft, was zwar schön ist, aber mein Nacken wünscht sich gerade einen etwas kräftigeren Griff. Irgendetwas hält mich aber davon ab, das dem ebenfalls sanften Jürgen zu sagen. Und auch bei dieser Massage lerne ich etwas Neues: Ziemlich häufig streift Jürgen nach der Massage im Nacken über meine Arme und dann mit seinen Handinnenseiten über meine. Erstaunlicherweise finde ich diese Berührung intimer als die Bauchmassage. Auch nach dieser Massage kann ich eine Weile im Raum liegenbleiben, danach geht es samt frischem Tee wieder in den Ruheraum. Die junge Frau von eben schläft immer noch. Sollte ich mal Schlafstörungen haben, muss ich auf jeden Fall wieder hierher kommen.

Abendprogramm im Ashram
Yoga Vidya Bad Meinberg Speisesaal Raum des Schweigens Travelblog Travel Blogger Urlaub Reiseblog Reise BloggerDie Kopfschmerzen machen mich unruhig und so gehe ich wieder auf mein Zimmer. An schwimmen im angeschlossenen Schwimmbad, wie ich es eigentlich geplant hatte, oder die zweieinhalb Stunden Pranayama und Yoga ist gar nicht zu denken – davon abgesehen wäre ich für Letzteres sowieso mindestens eine Stunde zu spät. Also lege ich mich kurz hin und pilgere dann zum Abendessen. Mysore Rasam (Tamarinden-Dal), Kokos-Ananas-Chutney, Sabzi Ka Salan (indisches Gemüse-Curry), eine Wildreismischung und erneut diverse Salate stehen heute am Buffet bereit.

Dieses Mal bin ich cleverer und gehe direkt vom umlagerten Buffet in den etwa 70 Personen fassenden Raum des Schweigens. Meine Begleiterinnen gesellen sich kurz darauf zu mir. Das Schweigen fällt so etwas schwerer. Als eine von ihnen nach einer auf dem Tisch liegenden Serviette greift, will ich ihr sagen, dass sie doch etwas sagen soll, kann mich aber in letzter Sekunde zurückhalten. Ihr geht es wohl ähnlich. Immer wieder macht sie uns verzweifelte Zeichen. Aber grundsätzlich genieße ich das Essen in der Stille sehr und bin wesentlich entspannter als noch beim Mittagessen.

Um 20 Uhr steht wie jeden Samstag ein Abend-Satsang auf dem Programm des Zentrums. Meine Atheisten-Freundin möchte auf jeden Fall dorthin. Ich gebe mir einen Ruck. Schließlich wollte ich mir hier alles etwas genauer anschauen, auch und gerade die Sachen, zu denen ich keinen Zugang habe. Also sitze ich im Schneidersitz – natürlich ganz hinten – dicht an dicht mit etwa 150 anderen Gästen pünktlich im großen Seminarraum und bereite mich auf die Meditation vor. Jede christliche Kirche wäre froh über so viel Zulauf, vor allem an einem Samstagabend. Sie müssen wirklich verdammt viel falsch gemacht haben, denn an diesem Ort sehe ich, dass die Menschen sich nach Spiritualität sehnen – auch wenn sie in eine Art Pauschalurlaub eingebettet ist.

Sukadev sitzt auf der Bühne, richtet ein paar Worte an die Anwesenden, wir singen ein paar Mantras, dann wird das Licht gedimmt und die 20-minütige Meditation beginnt. Ich mache es mir auf meinem Yogakissen gemütlich, wickele meine Beine in die Decke, lege meine Hände auf meine Knie und schließe meine Augen. In dem großen Raum ist es bis auf gelegentliches Husten und die kurzen Anweisungen Sukadevs mucksmäuschenstill.

Nach kurzer Zeit höre ich von links einen kurzen Knall und wenige Sekunden später Kichern, das krampfhaft unterdrückt schnell wieder verstummt. Als ich realisiere, dass wohl jemand pupsen musste und damit diese Erheiterung hervorgerufen hat, muss auch ich grinsen. Dann versuche ich, mich wieder auf die Meditation zu konzentrieren. Doch das Kichern beginnt von Neuem und greift auf andere über. In Wellen brandet das Gelächter und Kichern nun auf und schwillt wieder ab.

Auch ich muss mir auf die Lippen beißen, um nicht loszuprusten. Lachen ist eindeutig ansteckend. Sukadev bemerkt nun ebenfalls die Unruhe in unserer Ecke. Von hier hinten sehe ich ihn sehr schlecht, habe aber den Eindruck, dass er unnötig streng guckt. Nach einigen weiteren Lachsalven stehen zwei junge Mädchen auf und verlassen unterdrückt kichernd den Raum. Die Quelle für den Ausbruch der Heiterkeitswellen ist gefunden. Hormone. Wir meditieren ohne erneute Unterberechnungen weiter.

Nachdem die 20 Minuten vorüber sind, wird das Licht wieder aufgedreht. Es folgt das Kirtansingen. Jeder, der ein Textheft von den Regalen genommen hat, blättert fleißig darin und singt mit. Nach einer Weile singe auch ich unglaublicherweise mit. Und das, obwohl ich normalerweise nicht gerne singe. Aber die Texte sind einerseits auch ohne Textheft schnell zu merken und andererseits habe ich wirklich Lust, ein bisschen mitzusingen. Gespenstisch. Als der Kirtan-Teil vorbei ist, kommen nacheinander verschiedene Menschen auf die Bühne und musizieren. Die einen gut, die anderen so lala. Später erfahre ich, dass jeder, der möchte, mitmachen kann – unabhängig von Erfahrung und Können, einfach weil er Lust dazu hat. Eigentlich eine schöne Sache.

Der letzte Tag
Nachdem bereits einige Musiker auf Bühne waren, verabschiede ich mich von meiner Freundin und gehe ins Bett. Scherzhaft verabschiedet sie sich bis zum nächsten Mittag von mir. Aber am nächsten Morgen und nach einer weiteren Nacht, in der ich wunderbar geschlafen habe, wache ich um kurz vor 6 Uhr auf und bin ziemlich munter. Ich überlege kurz und entschließe mich dann, eine kleine Runde laufen zu gehen. Das ist bei den aufgeweichten Wegen und im Halbdunkeln nicht ganz so einfach. Aber da ich am vorherigen Tag einen Teil der Wege bereits beim Spaziergang erkundet habe, funktioniert es ganz gut.

Gegen 7 Uhr bin ich wieder in meinem Zimmer, dusche und mache mich auf den Weg zur halbstündigen Morgenmeditation. Es sind deutlich weniger Teilnehmer anwesend als bei den Stunden am Freitag. Vom Laufen noch etwas ruhelos, fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren. Erst als ich die Augen öffne und auf meine Matte starre, die – lacht nicht! – nach einer Weile des Anstarrens zu leuchten beginnt, schaffe ich es, zu meditieren. Aber dann ist die halbe Stunde auch schon vorbei. Natürlich.

Yoga Vidya Bad Meinberg Garten des Schweigens Schweigegarten Zen Travelblog Travel Blogger Urlaub Reiseblog Reise BloggerIm Anschluss beginnt das Kirtansingen mit Sanja. Ich gehe lieber in den Speisesaal, um zu frühstücken. Das können, wenn ich es richtig verstanden habe, nur externe Seminargäste. Individualgäste können erst ab 11 Uhr am Brunch teilnehmen. Das verstehe, wer will.
Aber ich bin externer Seminargast, also ran ans Buffet. Brot, Marmeladen, vegetarische und vegane Aufstriche, Müsli, Obst und Tee sorgen dafür, dass ich zufrieden und satt um kurz nach 9 Uhr beim Hatha Yoga erscheine. Knapp zwei Stunden später geht es bereits wieder zum Essen. Selbstverständlich sitzen meine Begleiterinnen und ich im Raum des Schweigens. Einer von ihnen fällt das Schweigen noch schwerer als gestern. Sie murmelt ständig vor sich hin und möchte uns etwas mitteilen. Wir grinsen und deuten ihr, still zu sein. Scheinbar empfinden nicht alle diese Stille als so erholsam wie ich.

Mein Highlight des Essens ist eindeutig der indische Reis, den ich auch schon bei den Nonnen in Rom einmal zu essen bekam und der einfach großartig schmeckt. Trotzdem könnte ich das Essen hier nicht mehr allzu lange essen. Zu eintönig ist die Auswahl, zu ähnlich gewürzt die Speisen. Ich stürze mich auf alles, was ausnahmsweise mal sauer oder süß ist. Ab und zu mal ein gesunder, süßlicher Nachtisch wäre eine schöne Abwechslung.

Das Fazit
Nach dem Essen packen wir unsere Sachen ins Auto und gehen zur Abschiedsrunde. Ausnahmslos alle sind sehr zufrieden bis begeistert von dem Wochenende. Und vor allem entspannt und erholt. Im Anschluss verabschieden sich die Ersten. Der Rest macht bis 15 Uhr noch zwei Stunden Yin-Yoga. Ich kaufe mir im Shop tatsächlich noch eine CD mit Matragesängen zum Einschlafen. Dann fahren auch wir entspannt und gut gelaunt wieder Richtung Rheinland. Mein Notfallpaket liegt unberührt im Kofferraum.

Ich bin immer noch etwas zwiegespalten was den hochspirituellen Teil von Yoga Vidya betrifft. Aber ich weiß jetzt, dass es sich nicht um eine gefährliche Sekte handelt und niemand zu etwas gezwungen wird – auch wenn es bei den direkt von Yoga Vidya organisierten Seminaren angeblich Anwesenheitspflicht gibt. Über bestimmte Dinge kann man lange diskutieren.

Beispielsweise auch über die Mitarbeiter. Die erhalten zwar Unterkunft, Verpflegung, Yoga-Stunden und auf Wunsch auch Yoga-Lehrer-Ausbildung kostenlos, aber sonst nur eine Art Taschengeld zwischen 155 € für die ersten beide Monate nach dem Praktikum, bis maximal 430 €, abhängig von der Dauer des Aufenthaltes und der Hierachieebene. Dazu muss man aber wissen, dass im Yoga Dienen eine Tugend ist und die Arbeit im Ashram auch als Dienst gesehen wird. Yoga Vidya zahlt alle gesetzlichen Sozialversicherungen für die Mitarbeiter. Ab dem dritten Jahr zahlt der Verein zusätzlich 1.470 € pro Jahr in einer Altersversicherung. Dafür arbeiten die Mitarbeiter an sechs Tagen in der Woche je sieben Stunden und haben 30 Tage, also fünf Wochen, Urlaub. Was man als Gründer und Leiter des Vereins verdient, konnte ich allerdings nicht herausfinden.

Yoga Vidya ist als gemeinnütziger Verein eingetragen. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob bei den Verkäufen der (Yoga Vidya-)Produkte im Shop, der Preise für Zimmer (in denen man selber das Bett bezieht und die man quasi selber putzt) und Seminare (die damit verbundenen offenen Yogakurse habe ich nicht besucht, aber ich vermute, dass sie recht gut besucht sein werden, und ebenso wie das Buffet, das zu Hochzeiten innerhalb von etwas mehr als einer Stunde von 600 Menschen gestürmt wird, und das für Teilnehmer der hauseigenen Seminare und Individualgäste nur zweimal am Tag geöffnet ist) und so weiter nicht doch ein ansehnlicher Gewinn übrig bleibt.

Allerdings habe ich keinen vollständigen Einblick und kann deshalb nur Vermutungen anstellen. Davon abgesehen leben dort erwachsene Menschen, die wissen sollten, was sie mit ihrem Leben machen. Und wenn das Leben im Ashram sie wirklich glücklich macht, machen sie wohl irgendetwas richtig.

Aber generell könnte es uns allen gut tun, einander mit mehr Respekt, Freundlichkeit, Liebe, Offenheit und Rücksicht zu begegnen. Eben genauso wie ich es bei den Menschen im Ashram erlebt habe. Ganz so schlimm kann Yoga Vidya also nicht sein. Entgegen der Aussage, die ich gegenüber einer Freundin vor der Abfahrt nach Bad Meinberg gemacht habe, werde ich vermutlich doch noch einmal wiederkommen. Vielleicht besuche ich auch einen der anderen, kleineren Ashrams im Westerwald, an der Nordsee oder gar im Allgäu.

Das Yoga-Wochenende ist nun seit etwas über einer Woche vorüber. Seitdem habe ich einmal etwas Schinken und dreimal Meeresfrüchte gegessen. Davon abgesehen habe ich mich ausschließlich vegetarisch ernährt – für einen leidenschaftlichen Fleischesser wie mich sind anderthalb „fast-vegetarische“ Wochen schon eine extreme Leistung. Bisher hat mir Fleisch auch nicht gefehlt. Im Gegenteil, beim Gedanken daran wird mir fast ein wenig übel. Auch auf Kaffee habe ich bisher verzichtet. Am Samstag hatte ich allerdings den ersten Glühwein des Jahres, sonst wäre ich vermutlich auch noch vollkommen „alkoholfrei“. Irgendetwas muss also trotzdem bei Yoga Vidya mit mir passiert sein. Und das ganz ohne Gehirnwäsche. Gruselig.

Sich selbst ein Bild machen 
Das Zentrum in Bad Meinberg lädt 2014 zu drei Tagen der offenen Tür ein: am 5. Januar, 18. Mai und 3. Oktober. Auch die Ashrams im Allgäu, an der Nordsee und im Westerwald bieten mehr als einen Tag der offenen Tür: am 5. Januar und 21. September, am 27. April und 3. Oktober und am 1. Mai und 2. Oktober.
Mit Sanja und ihrer Kollegin Jenny könnt ihr im März 2014 für ein 10-tägiges Yoga Retreat nach Goa fahren. Außerdem werden sie und Nadine im April mit einer begrenzten Anzahl Teilnehmer wieder ein Wochenende bei Yoga Vidya verbringen. Auch bei rundum Yoga gibt es ab und zu Angebote für Retreats.
Bei Yoga Vidya könnt ihr euch entweder als Individualgast oder als Teilnehmer eines Seminars einbuchen. Sanja bietet bei Care 4 you, ihrem eigenen Studio, auch immer mal wieder Kirtansingen an. In vielen größeren und kleineren Städten gibt es inzwischen Yoga Vidya Center mit zahlreichen Yogakursen und Workshops.
Wenn ihr nach Bad Meinberg fahrt, solltet ihr an folgende Dinge denken: bequeme Yogakleidung, Hausschuhe oder gemütliche Latschen, in die ihr vor den Yogaräumen schnell rein und wieder heraus schlüpfen könnt, eine kleine Flasche, in die ihr Tee und Wasser füllen könnt, Schwimmzeug, Kleidung für Spaziergänge und/oder Nordic Walking, Shampoo, Duschgel und Fön und wenn ihr nicht vor Ort mieten wollt: Handtücher, Bettwäsche. Beachtet, dass die Sauna im Gegensatz zum Schwimmbad für Gäste nicht kostenlos ist und der Eintritt 11 € kostet.

Yoga Vidya Satsang vom 2. November 2013

Yoga Vidya Bad Meinberg Informationsvideo

 
Yoga Vidya
Wällenweg 42/Yogaweg 7
32805 Horn-Bad Meinberg
Telefon +49 (0)5234 87-0
E-Mail badmeinberg@yoga-vidya.de
 
Haus Yoga Vidya Westerwald
Gut Hoffnungstal
57641 Oberlahr
Telefon +49 (0)2685 8002-0
E-Mail westerwald@yoga-vidya.de
 
Haus Yoga Vidya Nordsee
Wiarder Altendeich 10
26434 Horumersiel
Telefon +49 (0)4426 904 160
E-Mail nordsee@yoga-vidya.de
 
Haus Yoga Vidya Allgäu
Lärchenweg 3
87466 Oy-Mittelberg
Telefon +49 (0)8361 925 30-0
E-Mail allgaeu@yoga-vidya.de
 
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5 Gedanken zu “Om Shanti: ein Yoga-Wochenende im Ashram – Teil 2

  1. Michaela schreibt:

    Ich finde es wirklich sehr interessant, was du zu berichten hast! Denn ich überlege auch schon seit einigen Wochen, dorthin zu fahren.
    (Zuhause mache ich momentan Yoga mit den Youtube-Videos von Yoga Vidya. Die sind sehr gut, wie ich finde.)
    Als ich dann ein wenig recherchiert habe, bin ich auf komische Kommentare in irgendwelchen Foren gestoßen, sodass ich dann doch ein wenig ins Grübeln kam. Berichte über zu kalte Räume, schlechtes Essen, den Zwang zur teilnahme an Veranstaltungen etc., die mich dann doch haben skeptisch werden lassen. Nach deinem Bericht bin ich nun wieder neugieriger geworden und würde es dann doch mal ausprobieren. Den Preis finde ich allerdings auch ganz schön happig. Es sei denn man schläft im Schlafsaal oder Mehrbettzimmer, ab will man das wirklich?
    Ich muss mal sehen. Jedenfalls vielen Dank für deine Eindrücke!

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    • Futterqueen schreibt:

      Dankeschön 🙂
      Ich finde, dass für unsere Gruppe 111 € im Einzelzimmer oder je 81 € pro Person im Doppelzimmer als für zwei Übernachtungen mit Essen noch ganz gute Preise waren. Wir haben dann aber noch 159 bis 199 € für unsere Kurse gezahlt. Klar, als Individualgast ist die Übernachtung etwas teurer, aber auch 165 € bzw. 135 € für die gleiche Leistung plus Kurse sind noch ziemlich okay. Allerdings hast du recht: Wenn es im Zimmer kalt ist (was es bei mir nicht war, aber es war ja auch noch nicht so kalt), etc. dann sieht es schon anders aus. Vor allem, wenn da das Bett selbst beziehen, den Müll selber in Tonnen auf dem Flur entsorgen und für Bettwäsche und Handtücher Leihgebühr zahlen muss, wenn man keine mitbringt. Und für Wochenend-Seminare zahlt man noch mehr, etwa 223 €.

      Da ich mit einer externen Gruppe dort war und wir unsere eigenen Kurse hatten, kann ich nichts zu den Yoga Vidya-Kursen sagen. Da es aber am Buffet während meines Aufenthaltes so furchtbar voll war, gehe ich davon aus, dass es bei den Kursen ähnlich ausgesehen hat. Generell würde ich die Wochenenden um Feiertage und die Ferienzeit meiden. Von dem Zwang, zu den Kursen zu gehen, habe ich auch gelesen und in den Programmen der Seminare endet die freiwillige Teilnahme um 7 Uhr, das passt also. Ich weiß allerdings nicht, ob das für Individualgäste ebenfalls gilt. Grundsätzlich würde ich bei Unsicherheit einfach dort anrufen und nachfragen.

      Was mich richtig gestört hat, auch wenn ich nicht davon betroffen war, ist die Tatsache, dass alle, die nicht Mitglied einer Gastgruppe sind, kein Frühstück bekommen und erst ab 11 Uhr zum Brunch kommen können. Das ist aus meiner Sicht sehr verbesserungswürdig, vor allem, weil es nicht hilft, das mittägliche Gedrängel am Buffet zu mindern. Das Essen war gut, auch wenn ich es wegen des einheitlichen Geschmacks nicht viel länger hätte essen wollen. Etwas Süßes hat aber eindeutig gefehlt. Ich habe in Hotels oder anderswo schon wesentlich schlechter gegessen. Und man muss auch sehen, dass für viele Menschen innerhalb eines recht kurzen Zeitraums gekocht werden muss.

      Ich würde dir raten entweder mit einer externen Gruppe dorthin zu fahren oder als Individualgast, da das günstiger ist und du vermutlich auch nicht „gezwungen“ wirst, an den Kursen teilzunehmen. Vielleicht bietet sich ja auch ein Tag der offenen Tür mit einer Übernachtung an. Dann bekommst du zumindest einen ersten Eindruck und zahlst vermutlich nur 76 €, kannst aber mehr Kurse als üblicherweise bei einer Übernachtung besuchen. Ich bin gespannt, wie es dir gefällt, falls du dich dafür entscheiden solltest.

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  2. Michaela schreibt:

    Vielen Dank für die zusätzlichen Infos. Dass du mit einer externen Gruppe dort warst, war mir nicht klar. Das erklärt natürlich auch, dass ihr zusätzlich Frühstück bekommen habt. Darüber hatte ich mich schon gewundert.
    Ich denke, ich werde das Ganze mal testen. Es gibt gerade ein unschlagbares Newsletter-Angebot, sodass ich mich direkt an die 5 Tage herantrauen werde. Ich bin bei allem nach wie vor ein wenig skeptisch, aber ich kann 5 Tage Auszeit einfach gut gebrauchen.
    Wie du werde ich mir wohl ein „Notfall“-Paket mitnehmen 🙂
    Ich werde berichten.

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  3. Carmen Hillebrand schreibt:

    Viel Spaß, Michaela! Ich werde auf jeden Fall nochmals hinfahren…auch eher mit einer externen Gruppe wieder. Ansonsten ist das Yoga Vidya wohl auch bekannt als „Boot Camp“ für Yogalehrer in der Ausbildung….glaube ich. Finde es großartig, liebe Futterqueen, dass es Dir so gut gefallen hat. Und das trotz der extremen Skepsis vorher. Vielleicht fahre ich nächstes Jahr mit rundumyoga nach Mallorca…mal sehen. Das wird ganz anders, aber sicherlich auch spannend!

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  4. carmenhi schreibt:

    Also ich würde mich hier natürlich auch über ein entspanntes Buch für das neue Jahr freuen. Zu Yoga Vidya: Im Sommer sollte sich die essende Heerschar etwas verteilen, so zumindest Sanya, unsere Yogalehrerin, die das Gelände kennt.

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