Salsa, Rum und Sozialismus – als Frau alleine unterwegs in Kuba

Kuba Havanna HausfassadeEtwa alle zwei bis drei Jahre packt mich das Fernweh. Und mit Fernweh meine ich wirklich die Sehnsucht nach einem Ort weit, weit, weit weg von Deutschland, von Europa. Wie einer meiner Kollegen sagen würde: „Ohne Auslieferungsvertrag mit der EU und ohne Handynetz.“ Ersteres ist mir generell erst einmal egal, Letzteres tut mir eher ein wenig weh, ist aber leider meist wirklich so. Aber um es kurz zu machen: Ich brauche eine richtige Fernreise. Da ich sowohl Ziel, Zeitraum als auch Dauer gerne selbst entscheide, habe ich irgendwann beschlossen, alleine oder maximal noch mit einer Reisegruppe zu verreisen, um etwas flexibler zu sein.

Mitte 2012 war es wieder soweit: Seit der letzten Fernreise nach Laos und Kambodscha waren fast zwei Jahre vergangen und das Fernweh hatte mich fest im Griff. In Gedanken meine Liste abarbeitend, blieb ich bei Kuba hängen, das ich unbedingt vor dem Untergang des Sozialismus‘ respektive dem Tod der beiden Castros besuchen wollte und das ich mir mit meinen rudimentären Spanischkenntnissen und als Frau alleine zu bereisen zutraute.

Kuba Havanna StraßenszeneIch wühlte mich also einige Tage durch etliche Seiten im Internet und machte mich schlau, ob ich ansatzweise problemlos durch das Land reisen und ordentliche Unterkünfte finden könnte. Bereits nach kurzer Zeit kam ich zu dem Ergebnis: ich konnte. Also musste ich nicht erst noch nach einer Rundtour eines Reiseanbieters suchen, sondern konnte alles peu à peu selbst aussuchen: Reiseroute, Unterkünfte und so weiter. Recht spontan buchte ich als erstes einen ziemlich überteuerten, weil a) kurzfristig gebuchten Flug mit b) idealen Flugzeiten. Dann machte ich mich an die Zusammenstellung meiner Route.

Unterwegs in Kuba
Bei der Planung meiner Route orientierte ich mich an Fahrplänen, die ich im Internet fand. Schließlich musste ich innerhalb der drei Wochen, die mir zur Verfügung standen, relativ zügig und unkompliziert von einem Ort zum nächsten kommen. Eine Seite mit sehr aktuellen Pläne der Busse und Bahnen, die für mich extrem hilfreich war, ist Cuba Individual. Auch die Seite Hola Cuba führt Fahrpläne auf. Der Betreiber von Cuba Individual berichtete mir, dass er die Pläne von Freunden aus Kuba erhält und sie manchmal sogar aktueller sind als die der kubanischen Busgesellschaft Viazul, der einzigen Busgesellschaft, deren Dienste Touristen mit der Touristenwährung CUC (Peso cubano convertible) in Anspruch nehmen können.

Diese Währung wurde eigentlich als Alternative zum amerikanischen Dollar eingeführt – zuerst existierten beide Währungen aber parallel, inzwischen ist der CUC tatsächlich an die US-Währung gekoppelt und kann nur in Kuba gegen eben diese getauscht werden. CUC dient als Zahlungsmittel für Touristen, mit dem aber mittlerweile auch die Einheimischen Luxusartikel erwerben. Ausländer können problemlos CUC in CUP (Peso cubano oder auch MN = Moneda national), die Währung der Einheimischen, tauschen. Damit bezahlt man vorwiegend staatlich subventionierte Waren. Entweder tauscht Ihr in den Wechselstuben der CADECA (Casa de cambio) CUC gegen CUP oder Ihr zahlt direkt in CUC, was meist funktioniert, und erhaltet das Wechselgeld in CUC zurück. Der Kurs CUC zu CUP war bei meinem Aufenthalt etwa 1:24.

Kuba Santiago de Cuba Astro BusTouristen können trotzdem nicht mit Astro-Bussen fahren, deren Tickets man nur mit CUP bezahlen kann und deren Nutzung ausschließlich Einheimischen gestattet ist. Ich gehe aber davon aus, dass die Mitarbeiter in den Büros der Gesellschaft auch auf Nachfrage keine Tickets an Ausländer verkaufen würden. Wenn man die Busse des Unternehmens Astro sieht, in denen angeblich häufig die Klimaanlagen ausfallen und die oft mit einer Panne am Straßenrand stehen, ist das vielleicht nicht mal das Schlechteste. Wobei die Busse für die Einheimischen definitiv noch eine recht luxuriöse Reisemöglichkeit darstellen.

Kuba Transport Lastwagen CamionesSozusagen die Holzklasse unter den Transportmitteln sind nämlich die Camiones, die Touristen ebenfalls nicht nutzen dürfen. Diese Lastwagen bieten auf ihren Ladeflächen viel Platz vorwiegend für stehende Passagiere. Ich habe einige Backpacker gesehen, die diese günstige Alternative zum Viazul genutzt haben – wenn man den CUP-Betrag umrechnet, sind es tatsächlich oft nur wenige Cent für längere Strecken. Bequem sind sie aber selbst die Ausführungen mit eingebauten Bänken bestimmt nicht.

Eigentlich hatte ich vor, wenigstens ein kurzes Stück der Strecke mit dem Zug zurückzulegen. Genauer gesagt wollte ich zwischen Havanna und Matanzas mit dem Hershey Train fahren, der einzigen elektrischen Bahn Kubas. Die Strecke soll angeblich ganz schön sein. Aber der Kauf der Tickets ist etwas umständlicher als der Kauf von Bustickets, außerdem sollen die Züge wesentlich unzuverlässiger und immer mal wieder kaputt sein. Meine kubanische „Mama“ in Havanna hat mir zudem eindringlich von einer Fahrt abgeraten, da dort viel gestohlen werde und sie sich Sorgen um mich machte.

Bustickets erhält man übrigens direkt am Busbahnhof. Manchmal verkaufen die Mitarbeiter sie bereits einige Tage oder zumindest einen Tag im voraus. Aber ich musste sie meist direkt kurz vor der Abfahrt kaufen. In Havanna stand der Bus schon mit laufendem Motor vor der Tür, als die Mitarbeiterin sich endlich bereit erklärte, die Tickets zu verkaufen. Etwas Flexibilität und Geduld sind also in Kuba auf jeden Fall gefragt. Meist fahren die Camiones ebenfalls am oder vor den Busbahnhöfen ab.

Aerocaribbean Flug Kuba Havanna BaracoaDen letzten Teil meiner Route habe ich mit dem Flugzeug zurückgelegt. Das Ticket für den Flug mit Aerocaribbean (inzwischen anscheinend mit Cubana fusioniert) habe ich bereits in Deutschland online gekauft. Eine wirklich gute Idee, denn das ausgedruckte Ticket muss mir unterwegs verloren gegangen sein. Wie es manchmal in sozialistischen Ländern so ist, sind Dinge, die für uns selbstverständlich sind, etwas komplizierter: Es war einfach nicht möglich, irgendwo in Kuba einen Internetzugang mit angeschlossenem Drucker zu finden. Und so stand ich zwei Tage vor dem Rückflug nach Deutschland als einzige Touristin auf einem klitzekleinen Flughafen am anderen Ende der Insel. Wir hatten alle viel Spaß als ich versuchte, den nicht Englisch sprechenden Angestellten mit meinem rudimentären Spanischkenntnissen klar zu machen, dass sich mein Ticket quasi im Internet befindet und ich es nirgendwo in Kuba ausdrucken konnte.

Wäre ich nicht schon über zweinhalb Wochen im Land gewesen, hätte ich an dieser Stelle vermutlich einen mittelschweren Nervenzusammenbruch erlitten. Aber eines wusste ich zu diesem Zeitpunkt bereits: Kubaner finden immer irgendwie einen (guten) Weg. Deshalb war es nicht weiter verwunderlich, dass ich eine knappe halbe Stunde später ganz entspannt in einer Miniabflugshalle und kurz darauf in einem Miniflugzeug auf dem Weg in das knapp 1.000 Kilometer entfernte Havanna saß. Dazu schreibe ich in einem späteren Beitrag noch etwas mehr.

Unterkünfte in Kuba
Kuba Havanna Casa ParticularIch mag besondere Unterkünfte mit Charme, also möglichst keine langweiligen (Standard-)Hotels. Und deshalb stand für mich von Anfang an fest, dass ich natürlich in Casas Particulares übernachten würde.
Alle Kubaner dürfen mit einer Sondergenehmigung Übernachtungen in ihren Privathäusern anbieten. Wenn ich von meinen verschiedenen Quellen richtig informiert wurde, müssen die Vermieter für die Genehmigung pro Zimmer und pro Monat, in dem sie ihr Haus geöffnet haben, zwischen 150 und 200 CUC an den Staat zahlen. Umgerechnet sind das etwas über 110 bis knapp 150€. Oder etwa fünf bis 13 Übernachtungen pro Zimmer, je nach Preis – die Zimmer muss man erst einmal so häufig vermietet bekommen. Und dann hat der Vermieter immer noch nichts verdient und muss auf etwaigen Verdienst auch noch Steuern zahlen. Ich habe sowohl in Zimmern für 15 CUC als auch für 30 CUC übernachtet. Nach oben ist aber immer noch Luft. Die Unterkünfte, in denen ich übernachtet habe, beschreibe ich nach und nach in den jeweiligen Beiträgen zu den Städten.

Kuba Trinidad Casa Particular FrühstückFrühstück und andere Mahlzeiten kosten immer extra und bewegen sich etwa zwischen drei und sechs bzw. acht und 15 CUC. Auch für die Erlaubnis, Essen zu servieren, müssen die Gastgeber an den Staat zahlen, deshalb freuen sie sich natürlich sehr, wenn zumindest die Frühstücke und das eine oder andere Abendessen im Haus eingenommen werden. Das Frühstück besteht immer aus Kaffee oder Tee, Früchten, mehr oder minder gutem Baguette und entweder Aufschnitt oder Marmelade, manchmal auch beidem.

Ab und zu bekam ich Joghurt, Omelette, Ei oder andere Extras. Richtige Highlights waren eigentlich nie dabei, aber essbar und ansatzweise lecker war es überall. Ähnlich verhielt es sich mit den Abendessen. Ich wäre gerne häufiger essen gegangen, da das zum Teil günstiger und größtenteils besser als das Essen in den Casas war. Aber da ich meist mit meinen verschiedenen Reisebekanntschaften bei einem unserer Gastgeber gegessen habe, bot sich dazu nur selten die Chance.

Kuba Trinidad Casa ParticularGrundsätzlich kann man die Casas Particulares mit unseren Pensionen vergleichen – Familienanschluss, wie die eine oder andere romantisch veranlagte Natur vielleicht glauben mag, gibt es nicht wirklich. Manchmal steht nur ein Zimmer im Haus für Gäste zur Verfügung, manchmal wurden mehrere Zimmer extra für Gäste angebaut. Aber alle meine Gastgeber standen für Fragen zur Verfügung und haben mich mit Tipps unterstützt. Zumindest sofern sie etwas Englisch sprachen, was zweimal vorkam, oder mein Spanisch ausreichend war. Trotzdem erhält man einen besseren Einblick in den kubanischen Alltag, als das in einem Hotel möglich ist. Und schöner und gemütlicher sind die Casas allemal. Ich habe den Großteil meiner Casas bereits von Deutschland aus über Cuba Junky gebucht, da ich keine Lust hatte, ewig nach einer Unterkunft zu suchen und nachher irgendwo zu landen, wo es mir nicht gefällt.

Essen in Kuba
Kuba Camargüey Restaurant Pizzeria del Gallo Die staatlichen Restaurants sind für Touristen relativ günstig, da dort nur mit CUP bezahlt werden kann. Dafür sollen das Personal dort recht schlecht, die Einrichtung eher dürftig und das Essen gerade so essbar sein. Ich war in Camagüey einmal in einem staatlichen Restaurant, der Pizzeria del Gallo, und fand es dort ganz angenehm: nett eingerichtet, freundliches, wenn auch recht verwundertes und neugieriges Personal – und eine ansatzweise essbare Pizza, die aber wesentlich schlimmer hätte sein können. Deshalb rate ich einfach jedem dazu, die staatlichen Restaurants auszuprobieren. Wie eben (fast) alles, wenn man ein fremdes Land erkunden möchte. Ich habe übrigens tatsächlich ein Video der Pizzeria im Netz gefunden – inzwischen muss sie allerdings renoviert worden sein.

Kuba Havanna Paladar Die privaten Restaurants, Paladares, quasi die kulinarischen Äquivalents der Casas Particulares, sind nach meiner Ansicht dennoch die bessere Alternative zu den staatlichen. Dabei darf man aber ebenfalls nicht davon ausgehen, dass man ins Wohnzimmer der Familie eingeladen wird. Falls es das in den 90-er Jahren gab, sind diese Zeiten inzwischen endgültig vorbei. Aber oft befinden sich die Restaurants noch im Haus beziehungsweise in einer Art Eingangsraum oder Salon und verfügen über eine interessante Atmosphäre.

Kuba Baracoa Pizzeria Straßenverkauf PizzaAuf der Straße werden an Ständen immer mal wieder Pizzen angeboten, ansonsten gibt es auch kleine Pizzabuden oder andere Imbissläden. Dort kann man Pizza, Burger(ähnliches), Sandwiches, Säfte und so weiter kaufen. Hier zahlt man mit CUP und kann sich daher meist für knapp ein, zwei Euro satt essen. Den Pizzen, die ich probiert habe, fehlte allerdings meist das Salz. Trotzdem waren sie besser als die des staatlichen Restaurants. Für Budgettraveller ist das auf jeden Fall der beste Weg, um günstig satt zu werden. Und auch alle anderen sollten zumindest ab und zu einmal diese Art des kubanischen „Fast Foods“ probieren, schließlich gehört das ja irgendwie dazu, wenn man das echte Kuba erleben möchte.

Das soll’s erst einmal mit dem groben ersten Überblick gewesen sein. Weitere und detailliertere Informationen werden meine Beiträge zu den verschiedenen Städten enthalten, die ich hier nach und nach veröffentliche. Meine Route verrate ich Euch aber vorab schon einmal:

Havanna Ankunft: Bei Ankunft Kulturschock
Havanna: Morbider Charme und Disneyland
Matanzas: Ein kurzer Ausflug: von Havanna nach Matanzas
Trinidad: Ein paradiesisches Weltkulturerbe

Camargüey – (Santiago de Cuba) – Baracoa – Havanna

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