Vegetarischer Genuss und lebendiger Wein beim Supper Club

Düsseldorf Magic Garden Supper ClubJedes Mal, wenn ich eine Mail von meinem Lieblings-Supper Club bekomme, schlägt mein Herz etwas schneller. Schließlich bedeuten diese Mails meist, dass der nächste Termin feststeht und man sich ab sofort für einen der begrenzt vorhandenen Plätze anmelden kann. Das ist mir bisher sechs oder sieben Mal gelungen. Trüffel, veganes Essen, Tapas oder herbstliche Gerichte – inzwischen weiß ich, dass das Thema des Abends keine Rolle spielt, denn Gastgeber Thomas und sein Team zaubern immer hervorragendes Essen in wunderbarer Atmosphäre. Und das aktuelle Motto des Supper Club Abends klingt wieder einmal äußerst vielversprechend: eine Verkostung mit „lebendigem“ Naturwein. Das Essen soll dementsprechend französisch angehaucht sein und auch mein „Lieblingsgang“, der traditionelle Käseteller der Fromagerie, wird bereits angekündigt. Und so machen meine Begleitung und ich uns an einem Samstagabend gegen 18 Uhr auf den Weg zum französischen Supper Club.

Schon beim Betreten des Raumes merke ich, dass etwas anders ist als sonst. Im Gegensatz zu sonst sind zwei Tische gedeckt. Vermutlich ist die Nachfrage nach Plätzen an der Tafel wieder einmal sehr groß gewesen. Aber was viel auffälliger ist: Die Gäste stehen nicht in größeren Grüppchen zusammen und unterhalten sich angeregt, sondern paarweise und sprechen fast flüsternd. Bei unserer Begrüßung bestätigt Thomas auf Nachfrage meine Vermutung. Keiner der Anwesenden war schon einmal bei ihm in Bilk zu Gast. Und im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass zumindest an unserem Tisch fast alle aufgrund eines vor kurzem gesendeten WDR-Berichtes auf den Magic Garden Supper Club aufmerksam geworden sind.

Düsseldorf Magic Garden Supper ClubDie Erwartungen sind also hoch. Und Alexander Zülch, der Winzer, der mit uns die Weine verkostet, muss sie als Erster erfüllen. Er erklärt kurz, dass wir ausschließlich Naturweine verkosten und erst nach ein paar Sorten der erste Gang serviert wird. Alle acht Sorten bietet er für diejenigen, die während der Verkostung auf den Geschmack kommen, auch in seinem Online-Shop an. Acht Weine! Kurz durchatmen. Ich schwächele sonst immer schon nach den die Gänge begleitenden Weinen – und das sind meist nur vier oder fünf. Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen? Außerdem bin ich sehr gespannt, wie die Bio-Weine schmecken.
Sonst schreibt Thomas die Menüfolge übersichtlich und auch schon einmal mit Malereien verziert auf die große Tafel. Heute war er etwas im Stress und ist nur bis „Magic“ gekommen. Wir wissen also nur, dass Essen wie auch Weine „Frankreich“ als Motto haben. Zwischendurch schafft Thomas es noch, einen Geldbetrag auf die Tafel zu schreiben. Für den gesamten Abend schlagen die Gastgeber eine Spende von 50 € vor. Damit decken sie die Unkosten – das große Geld verdient man mit Supper Clubs nicht.

Wir starten mit „You are so happy“ (2011) von Nathalie Gaubicher (Loire), Chenin blanc. Mit diesem Namen gibt es von mir direkt ein paar Sympathiepunkte. Optisch erinnert der Wein an Federweißer. Auch der erste Eindruck – spritzig, fruchtig – geht in diese Richtung. Beim ersten Schluck zieht sich mein Mund zusammen: sehr säuerlich. Aber sauer macht ja bekanntlich glücklich. Anstelle eines Sekts oder Champagners als Aperitif kann ich mir diesen Wein sehr gut vorstellen. Allerdings nicht als meinen Lieblingswein.

Weiter geht’s. „La Chatelaine“ (2011) von Domaine de la Cadette (Burgund), Chardonnay. Hallo Katzenklo. Dieses Mal zieht sich meine Nase zusammen. Trotzdem probiere ich ein Schlückchen – und auch das ist keine Offenbarung. Danach wird es besser, der vorherrschende Geschmack ist holzig, dann entfalten sich fruchtige Unternoten von Stachelbeere und Melone. Aber dieser Wein wird nicht mein Lieblingswein.

Der Baguetteverbrauch steigt. Langsam könnte ich etwas mehr Grundlage vertragen. Aber erst einmal wartet „L’Echalier“ (2011) von Domaine Bertin-Delatte (Loire), Chenin blanc, auf uns. Hellgold fließt er ins Glas und duftet sehr interessant nach Thymian und dunklem Honig. Na, das könnte doch was werden. Und wirklich: Er schmeckt nach Aprikose, hat eine leichte Holznote und ist ein wenig säuerlich. Im ersten Moment erinnert mich der Geschmack ein wenig an Geuze. Später am Abend nehmen wir noch etwas nach. Darf ich vorstellen: Mein Lieblingsweißwein des Abends.

Düsseldorf Magic Garden Supper Club Nun aber endlich mal zum Essen. Hicks. Der erste Gang ist ein Querschnitt durch Cremes und Pasten – Tofu-Zwiebelcreme mit Majoran (köstlich!), Tomatenpesto, Schwarze Olivencreme und Grüne Mandel-Olivenpaste (noms). Dazu gibt es je ein „Löffelchen“ mit Kartoffelragout und Rotwein-Paprika-Linsen. Letztere erinnern mich ein wenig an Pusztasalat. Mein Favorit ist aber die Tofu-Zwiebelcreme, die unglaublich zart-cremig ist und auch allen um mich herum sehr gut schmeckt. Ich glaube, ich muss mich einmal intensiver mit den Möglichkeiten beschäftigen, die Seidentofu in der Küche so bietet.

Aber wir haben da ja noch eine Aufgabe: Wein verkosten. Nummer vier wartet auf uns. „L’Original“ (2011) von Domaine Clot de Origine (Roussillon), Macabeu. Neben mir höre ich nur ein langgezogenes „uuurrrggghhh“ und als sich meine Nase in Richtung Glas bewegt, weiß ich auch, warum. Meine Begleitung und ich einigen uns auf „spritig“. Alex erzählt uns, dass dieser Weißwein wie Rotwein hergestellt wird, also die gesamte Traube inklusive Schale vergoren wird. Mir ist er trotzdem „hintenraus“ etwas zu flach. Ach ja: natürlich nicht mein Lieblingswein.

Dieses Gruppenfoto hat mir freundlicherweise Thomas vom Magic Garden Supper Club zur Verfügung gestellt. Alle Rechte liegen bei ihm.

Dieses Gruppenfoto hat mir freundlicherweise Thomas vom Magic Garden Supper Club zur Verfügung gestellt. Alle Rechte liegen bei ihm.

Der 2012er „Syrah“von Domaine Ferme des 7Lunes (Rhone) überrascht meine Nase mit Duft nach Tomaten, Kapern (sic!) und Johannisbeere. Und meine Augen mit einem wunderschönen Brombeerrot. Tatsächlich schmeckt er auch nach Kapern und Oliven – was bei weitem nicht so eklig ist, wie es sich anhört. Alex erklärt später, er hätte die Flasche eigentlich heftig schütteln müssen, bevor er uns den Wein einschenkt. Denn normalerweise sei der Geschmack der Kapern so stark ausgeprägt nicht richtig – der Olivengeschmack aber schon. Ich finde den Geschmack trotzdem sehr spannend. Der „Syrah“ wird im Betontank ohne Zusatz vom Schwefel gelagert und gärt in der Flasche nach, weshalb er etwas prickelt. Mir schmeckt er sehr gut, auch die leicht pfeffrige Note, die neben dem Olivengeschmack die Besonderheit dieses Weins ist, mag ich. Voilá, mein Lieblingsrotwein des Abends.

Wer glaubt, das sei es schon gewesen, der irrt: Es folgt „Classe“ (2011) von Mas Coutelou (Languedoc). Ein fruchtiger und kräftiger Rotwein, der verglichen mit seinen Vorgängern recht viel Tannin enthält. Zumindest behauptet das meine Zunge, aber die ist inzwischen auch nicht mehr ganz zurechnungsfähig, hicks. Bei diesem Wein schmecke ich ebenfalls eine leichte Olivennote. Die Flaschen werden übrigens einzeln per Hand abgefüllt. An mehr erinnere ich mich nicht. Aber glücklicherweise haben Thomas, Markus und Hartmut in der Zwischenzeit in der Küche gewerkelt, während wir uns langsam den einen oder anderen kleinen Schwips angetrunken haben. Und so servieren Damaris und Sarah den ersehnten zweite Gang (juhu!).

Düsseldorf Magic Garden Supper Club Gemüsebouillabaisse mit RouilleDie Gemüsebouillabaisse mit Rouille sieht nicht nur wunderbar aus, sondern schmeckt auch genauso. Ein wenig scharf, was ich sehr mag, und trotz kleinerer Gemüsestückchen immer noch angenehm cremig. Am Tisch macht sich gefräßige Stille breit, nur ab und zu unterbrochen von begeistertem, wohligem Seufzen. Ich bin mir ziemlich sicher: Dieses Rezept muss ich haben. Aber inzwischen muss ich einige von Thomas‘ Rezepten haben. Vielleicht kann ich sie ihm ja bei der nächsten Weinprobe entlocken – dann darf ihn aber vor dem sechsten Wein niemand füttern.

Düsseldorf Magic Garden Supper Club Quiche alsacienne mit Bohnensalat und ZwiebelespumaAuch zum nächsten Gang, äh Wein, also auch zum nächsten Wein gibt es einen Gang (dankedankedanke, ich hätte sonst leider den Beitrag an dieser Stelle aufgrund eines Filmrisses vermutlich beenden müssen). Zum „Pur Breton“ (2012) von Olivier Cousin (Loire), Cabernet franc, gibt es Quiche alsacienne mit Bohnensalat und Zwiebelespuma. Und was soll ich sagen: Hammer! Eine unglaublich leckere Quiche mit Räuchertofu, der fast wie richtiger Speck schmeckt, und köstlichem Zwiebelespuma. Der Bohnensalat schmeckt ebenfalls gut, wird aber einfach von der genialen Quiche an den (Teller-)Rand gedrängt. Davon würde ich gerne noch ein zweites und drittes Stück nehmen. Und falls Thomas und Damaris demnächst zu Hause eine Quiche machen, möchte ich mich gerne schon einmal selbst einladen. Ansonsten nehme ich auch das Rezept.

Ach, da ist ja noch der Wein, zu dem es die Quiche gibt. Der erste Geruchseindruck: Pups. Genau, richtig gelesen. Wir beschreiben es später noch etwas konkreter als Jauche oder Landluft. Jedenfalls erinnert der Geruch an nichts, was man essen oder trinken möchte. Irgendwo dahinter ein Hauch Johannisbeere. Das lässt hoffen für den ersten Schluck. Und tatsächlich: noch mehr Johannisbeere, kein Pups mehr. Und wieder Tannin. Im großen und ganzen interessant, aber nicht mein Lieblingswein.

Düsseldorf Magic Garden Supper Club Käseplatte " Fromagerie "Dafür folgt quasi mein Lieblingsgang:  die Käseplatte der Fromagerie in Unterbilk. Ein fester Bestandteil eines jeden Supper Club-Abends – abgesehen natürlich von dem Abend mit dem veganen Essen. Und ebenso wie ich probieren die anderen Gäste ganz verzückt Brie de Meau, Bleu d´avergne, Comte, Cremeaux und noch einen weiteren Schafskäse. Das Ganze sieht auf der kleinen Schiefertafel angerichtet richtig klasse aus und schmeckt selbstverständlich auch so.

Der Nachtisch fällt dieses Mal quasi in den Wein. Zum Süßwein „Quart heures angevin“ (2012) von Domaine des Sablonettes (Loire), Cabernet franc passerille, gibt es Espresso und Pralinen und Gebäck der Patisserie Passion – ja, ich weiß: Hierzu bin ich Euch auch noch einen Beitrag schuldig, kommt. Jedenfalls habe ich nun scheinbar genug Wein getrunken, denn ich bin weder schnell genug, um von den schön auf einer Etagere angerichteten Leckereien ein Foto zu machen, noch mache ich mir Notizen zum Wein. Letzteres kann aber auch einfach bedeuten, dass ich ihn eher nichtsagend finde, nach so viel Wein kann ich das aber nicht mehr mit Sicherheit sagen. Alex erzählt uns, dass Dessertwein normalerweise mit Alkohol aufgespritet wird. Das ist beim „Quart heures angevin“ natürlich nicht der Fall.

Düsseldorf Magic Garden Supper ClubBereits kurz vor dem letzten Wein geht das erste Pärchen, kurz danach die nächsten vier und, schwuppdiwupp, um nicht einmal 23 Uhr sind die restlichen 22 Gäste weg und meine Begleitung und ich sitzen alleine mit Alex und dem Supper Club Team am Tisch. Das habe ich noch bei keinem einzigen meiner Besuche erlebt – schließlich geht es doch darum, Menschen kennen zu lernen, nette Gespräche zu führen, ein wenig zu schlemmen und zusammen einen schönen Abend zu verleben. Nette Gespräche hatten wir mit den anderen Gästen bis dahin auf jeden Fall, aber ich hätte sie gerne noch nach dem Essen weitergeführt.

Wir kosten den Abend jedenfalls gemeinsam mit dem Supper Club-Team aus, trinken noch ein paar Schlückchen unserer Lieblingsweine und gaaaaanz viel Wasser. Also ich jedenfalls, schließlich muss ich ja noch ein paar Meter nach Hause laufen. Meine Begleitung schwenkt mit einem Teil unserer Gastgeber auf hochprozentige Köstlichkeiten um, bei denen ich leider passen muss. Nach rund zwei Stunden voller Gelächter, interessanten Gesprächen, Lob und konstruktiver Kritik (das nächste Mal gibt’s weniger Wein und mehr Essen, verspricht Thomas) verabschieden wir uns. Glücklich, satt, ein wenig angeheitert und sehr zufrieden. So wie jedes Mal.

P.S.: Die Weinbeschreibungen geben natürlich nur meinen persönlichen Geschmack wieder. Falls Ihr Interesse an Naturweinen habt, solltet Ihr sie unbedingt selber probieren und Euch ein eigenes Urteil bilden.

 
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Ein Gedanke zu “Vegetarischer Genuss und lebendiger Wein beim Supper Club

  1. Carmen schreibt:

    Genauso war’s. Ich stimme @Genussgier zu: Der nach Thymian schmeckende Weißwein und der Syrah waren die Highlights beim Wein. Das Essen war großartig. Mein Verhältnis zu Tofu ist gespalten, aber was Thomas und Team damit zaubern, unglaublich! Alles sehr sehr lecker!

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