Kunstpunkte – offene Ateliers in Düsseldorf

Düsseldorfer Kunstpunkte mit Graffiti von Harald NaegeliDüsseldorf hat nicht nur einen Ruf als Modestadt, auch in der Kunst gilt die Landeshauptstadt als einflussreich, vor allem durch die Künstler der Kunstakademie. Kunst ist quasi allgegenwärtig. Beispielsweise laden Düsseldorfer Künstler einmal im Jahr die Einwohner der Stadt und andere Interessenten in ihre Ateliers ein. Am vergangenen Wochenende konnten die Orte künstlerischen Schaffens im Süden (südliches Firmament), am nächsten Wochenende können die im Norden (nördliches Firmament) besucht werden. Insgesamt nehmen an diesen 17. „Kunstpunkte“ rund 500 Künstler an 300 Standorten teil. Das Düsseldorfer Kulturamt rechnet mit etwa 65.000 Besuchern bei den offenen Ateliers. Beeindruckende Zahlen. Zu recht?

Düsseldorf Kunstpunkte Gertrud KrüskemperLeider bin ich etwas zu lange über das Bürgerfest gelaufen, um noch alle Ateliers zu besuchen, die ich gerne besucht hätte. Aber überall, wo ich hinkomme, stehen und sitzen Menschen zusammen, lachen und reden über Kunst und dies und das.
Die Künstlerin Gertrud Krüskemper stellt ihre Kunst in den Lagerhallen der Raumgestaltung von Hoegen aus. Neben Skulpturen und recht bunten Bildern sind das seit neuestem auch Tuschezeichnungen. Mir hat es eine Zeichnung mit einem minimalistisch arrangierten Gesteck oranger Blüten für 55 € inklusive Rahmen angetan. Das muss aber noch auf verstärkendes Papier geklebt werden. Wenn es mir nicht aus dem Kopf geht – noch scheint es so – werde ich mich nächsten Monat noch einmal bei der Künstlerin melden. Das wäre dann sozusagen mein Kunstpunkte-Souvenir.

Richtig gut gefällt mir das Gemeinschaftsatelier Kunstraum Brunnen 10, in dem laut Plan eigentlich nur Sven Blatt ausstellt. Doch seine Atelierkollegen haben ihre Kunstwerke dort natürlich ebenfalls noch untergebracht und so bekommen die Besucher zusätzlich Einblicke in die Arbeiten von Anna Nwaada Weber, Kerstin Grobler, Georg Weishaupt, Katrin Kölling und Markus Großmann. Und vom Stil her sprechen mich die Kunstwerke definitiv am meisten an. Leider aber nicht unbedingt mein Portemonnaie. Trotzdem kann ich einen Besuch am ersten Samstag eines Monats zwischen 12 und 16 Uhr nur empfehlen, denn dann ist das Atelier ebenfalls für Besucher geöffnet. Und Kunstwerke zu bewundern und sich mit den Künstlern zu unterhalten, kann man auch ganz hervorragend ohne großes Budget.

Düsseldorf Kunstpunkte Michael BorowiakWeiter geht’s zu Michael Borowiak. Der Keramikkünstler stellt seine Werke in einem Garten aus. Mit einigen Freunden sitzt er unter einem Baum am Feuer, nebenan stehen Kuchen und Getränke für die Gäste bereits, die Skulpturen sind im ganzen Garten verteilt arrangiert – Gemütlichkeit pur.
Kurz vor mir betreten drei Jungs von etwa 14, 15 Jahren in Fußballeroutfit den Garten. Sie zögern kurz, werden dann aber von den dort sitzenden Erwachsenen hineingerufen. Feixend gehen sie durch den Garten, zeigen sich aber immer interessierter an den Skulpturen. „Ihr seid aber nicht extra wegen der Kunstpunkte hier, oder?“ fragt dann auch einer Bekannten des Künstlers. Nee, sind die Jungs natürlich nicht, sondern zufällig und ein kleines bisschen auch aus Neugier. Aber wer sagt denn, dass Sport und Kunst sich per se ausschließen müssen? Und als sie mitbekommen, dass der Künstler tatsächlich anwesend ist („SIE sind der Künstler?! Sie sehen aber gar nicht so aus!“), ist die Neugier endgültig geweckt und die drei erhalten sogar eine kleine Führung von Michael Borowiak persönlich. So kann ein Tag enden, wenn man zum Fußballspielen geht.

Düsseldorf Kunstpunkte offene AteliersIch verabschiede mich und steuere das letzte Ziel des Tages an: das Bürgerhaus im Salzmannbau, in dem viele verschiedene Künstler ausstellen. So viele, dass ich sie hier nicht aufzählen möchte. Beeindruckt haben mich aber alle auf ihre Weise. Und auch in dem alten Industriegebäude wird gefachsimpelt, erklärt, erzählt und gelacht. Selbst wenn man sich nicht allzu sehr für Kunst interessiert, lohnt sich ein Besuch der Kunstpunkte also auf jeden Fall. Denn nette und spannende Menschen lernt man sicher kennen und erhält Einblicke in Arbeitsweisen und Räumlichkeiten, die man sonst nicht so einfach zu sehen bekommt.
Wenn Ihr also am kommenden Wochenende noch nichts geplant habt: mindestens zwei oder drei Stunden solltet Ihr Euch vom Alltag frei nehmen und ganz entspannt die Kunstpunkte erkunden.

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