Auf Touripfaden: Las Tapas

Düsseldorf Las TapasAnlässlich einer Familienfeier traf ich meine Cousine nach fast einem Jahr endlich wieder. Da sie mit ihrem Freund noch ein paar Tage bei ihren Eltern verbringen wollte, verabredeten wir uns für den nächsten Abend zu einem Besuch auf dem WeinSommer in Düsseldorf. Bevor wir uns quer durch das Weinangebot von Rheinland-Pfalz probierten, wollten wir aber noch etwas essen gehen. Und so reservierte ich für 19.15 Uhr einen Tisch im Las Tapas, da es direkt um die Ecke vom Martkplatz in der Schneider-Wibbel-Gasse liegt.

Die idyllische Schneider-Wibbel-Gasse ist seit Jahrzehnten fest in der Hand von Primo Lopez, dem dort sechs Restaurants gehören. Nur eines davon ist italienisch, kein Wunder also, dass das Gässchen auch spanische Gasse genannt wird. Und weil die kleine Strasse so idyllisch ist und leider auch noch direkt in die berühmt-berüchtigte Bolkerstraße abzweigt, wuseln dort auch immer unzählige Einheimische und wahrscheinlich noch mehr Touristen herum. Das sorgt – vermutlich sehr zur Freude von Primo Lopez – aber auch für volle Tische und viele auf einen Platz wartende Gäste. Das war vermutlich auch der Grund, warum ich trotz Reservierung und auf die Minute pünktlicher Ankunft um 19.15 Uhr noch fast zehn Minuten auf einen Tisch warten musste. In diesen zehn Minuten stand ich elegant im Weg, während Kellner im Sekundentakt an mir vorbeifegten, ohne dass mir auch nur einer sagte, wie lange ich wohl voraussichtlich noch auf meinen Tisch im Außenbereich zu warten hätte.

Düsseldorf Las TapasNachdem ich schließlich auf Nachfrage zu meinem Tisch geführt wurde, dauerte es eine ganze Weile, bis meine inzwischen auch erschienenen Begleiter und ich eine Auswahl treffen konnten. Es gibt kaum etwas Schlimmeres als eine umfangreiche Tapas-Karte. So war es natürlich auch im Las Tapas. Und um den Schwierigkeitsgrad noch etwas zu erhöhen, schmetterte nach einiger Zeit zusätzlich ein – wenn ich das richtig verstanden habe – als Altstadt-Caruso bekannter Sänger mehr oder minder schöne Arien. Und mit mehr oder minder meine ich Stücke à la „Time to say goodbye“. Ich persönlich bin kein Fan solcher Stücke und finde sie nicht besonders schön, dafür war es wenigstens laut. So laut, dass Gespräche am Tisch fast unmöglich waren. Aber wer will sich schon unterhalten, wenn er zum Essen ausgeht? … Oh, Moment! Ich.

Die Atmosphäre, die aufgrund des wuseligen Durcheinanders von Gästen, Platzsuchenden, Passanten und Servicepersonal sowieso alles andere als beschaulich-entspannt war, litt also zusätzlich mindestens 20 Minuten oder länger unter geschmetterten Opernklängen. Und das Schlimmste war: Anscheinend gefiel einem erstaunlich großen Teil der Gäste dieser Lärm. Ich hatte jedenfalls das dringende Bedürfnis, endlich einmal wieder eine gute Oper zu besuchen, um diese Töne aus meinen Ohren zu spülen – und meinen Begleitern ging es ähnlich.

Düsseldorf Las TapasSoviel zur Atmosphäre. Vorab servierte uns einer der gestressten Kellner Baguette und ein Schälchen grüner und schwarzer Oliven. Das Essen kam recht schnell und wir futterten uns durch gegrillten Oktopus (okay, aber kein Highlight), Artischocken in Tomatensauce mit Käse überbacken (lecker, würde ich durchaus wieder bestellen) und einen Teller mit verschiedenen Schinken und Salamis (joah, in Ordnung). Als der Freund meiner Cousine drei Gläser Rotwein für uns bestellte, erhielten wir erst nur zwei Gläser und konnten kaum darauf hinweisen, dass wir eigentlich drei bestellt hatten, so schnell wollte der Kellner wieder weg. Erst fast zehn Minuten und nahezu dem Verzehr der gesamten Tapas später servierte man uns das dritte Glas auf erneute Nachfrage – zum Essen konnten wir ihn dann leider nicht mehr richtig genießen. Zu allem Überfluss stieß einer der hektisch umhereilenden Kellner das Glas fast um, sodass der Freund meiner Cousine aus einem bematschten Glas trinken musste – es gab übrigens weder eine Entschuldigung noch versuchte der Kellner, das Glas zu säubern.

Das Highlight des Essens war definitiv die pikante Chorizo, die zwar nicht dem Freund meiner Cousine, dafür aber ihr und mir richtig gut schmeckte. Einig waren wir beide uns ebenfalls darin, dass die Gambas im frittierten Teigmantel die schlechtesten Tapas auf unserem Tisch waren. Sie waren relativ geschmacklos, ebenso wie der Teig, der darüber hinaus unter der knusprigen Schicht noch breiig war. Die dazu servierte Aioli konnte auch nichts mehr retten. Dafür waren die überbackenen Miesmuscheln ganz ordentlich und die Datteln im Speckmantel schmeckten so gut, dass ich sie vermutlich wieder bestellen würde. Allerdings fällt das Gesamturteil so mittelmäßig aus, dass ich dem Las Tapas wahrscheinlich keinen zweiten Besuch abstatten werde. Teilweise überforderte, immer aber hektische Kellner scheinen nur darauf zu warten, dass man Platz für die nächsten Wartenden macht. Garniert wird das von einem brüllenden Opernsänger, dessen Organ jedes normale Gespräch nahezu unmöglich macht. Da kann auch die an sich sehr nette Atmosphäre der Schneider-Wibbel-Gasse nicht viel retten. Möglicherweise ist ein Besuch des Las Tapas entspannter, wenn einen Sitzplatz im Innenbereich wählt. Aber wer will das bei wunderbar sommerlichen Temperaturen?

Das Essen war insgesamt durchschnittlich: Es waren sowohl ein, zwei sehr gute als auch ein, zwei ziemlich schlechte Tapas dabei. Der größte Teil der Tapas ist eher im Mittelfeld anzusiedeln. Ein Besuch des Las Tapas tut also nicht weh, ist aber auch kein kulinarisches Highlight. Vielleicht überzeugt Ihr Euch ja selbst einmal davon, vielleicht auch nicht. Aufgrund der hohen Touristendichte in der Schneider-Wibbel-Gasse wird Primo Lopez sicher trotzdem weiterhin mit seinen Läden erfolgreich sein.

Schneider-Wibbel-Gasse 4
40213 Düsseldorf
Telefon 0211 3239930
 
 
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