Lukullische Geheimtipps: Supper Clubs rund um Düsseldorf

Düsseldorf Magic Garden Supper Club MenüEin tropischer Sommerabend mitten im Düsseldorfer In-Viertel Flingern. Suchend blicken sich die beiden Frauen um, gucken unentschlossen durch die großen Fensterscheiben der Ladenfront, drehen verwirrt sich um, blicken etwas ratlos wieder zurück. Schließlich versuchen sie, die Türe des Ladenlokals zu öffnen, doch die ist abgeschlossen. Drinnen sitzen rund 18 Menschen an Bierzeltgarnituren an einem liebevoll gedeckten Tisch und prosten sich fröhlich mit Wein, Wasser und Bier zu. Eine Frau erscheint am Fenster und deutet den verwirrten Besucherinnen an, sie mögen den Seiteneingang nutzen. Kurz darauf finden die beiden den richtigen Eingang und werden an der Tür herzlich von der Gastgeberin begrüßt. Die schlanke, blon…, ups, jetzt hätte ich beinah den Namen verraten. Madame Rebelote hält ihren richtigen Namen nämlich gerne geheim. Ihr Gegenpart Monsieur Rebelote hält das genauso.

Inzwischen sind ihre Namen zwar ein relativ offenes Geheimnis und ihre Gesichter bei vielen Düsseldorfern bekannt – das waren sie allerdings auch schon früher – trotzdem versuchen die beiden, den Schleier noch eine Weile nicht vollkommen zu lüften. Das kulinarische Traumpaar führt seit 2010 die Supper Club-Szene in Düsseldorf unangefochten an. Sofern man von Szene sprechen kann, denn lange Zeit veranstalteten sie den einzigen Supper Club der Landeshauptstadt. Inzwischen sind hier und im Umkreis jedoch weitere Untergrund-Restaurants entstanden. Und die sind ebenfalls mindestens einen Besuch wert.

Rebelote Supper Club – der Dinosaurier
Düsseldorf Rebelote Supper Club Supperclub UntergrundrestaurantWie oben bereits angedeutet, ist der Rebelote Supper Club quasi die Mutter aller Düsseldorfer Supper Clubs. Und nachdem sie fast drei Jahren im mehr oder minder Geheimen gekocht haben, gönnen sich Madame und Monsieur Rebelote nun eine Auszeit vom Untergrund-Restaurant. Aber die beiden betonen, dass in Kürze neue Projekte anstehen, auf die man sicher gespannt sein darf. Ich bin Carmen sehr dankbar dafür, dass ich Rebelote in der alten Form noch kennen lernen konnte und freue mich auf das, womit die beiden uns in Zukunft überraschen.

Bisher fanden die Abende in wechselnden Locations statt, deren Adressen man erst wenige Tage zuvor erhielt: zum Beispiel im 69m², einem Laden, in dem man sonst Dekorationen und Retroschätzchen kaufen kann. Bierbänke und -tische, eine lange, gewundene Tafel mit Stühlen – auch bei den Sitzgelegenheiten war alles möglich. Die Kücheneinrichtung und -utensilien brachten Monsieur und Madame für die Abende in den ungewöhnlichen Locations auch schon mal selber mit.

Im Laufe der Zeit veranstalteten die beiden immer mehr Themenabende. So las zum Beispiel Stevan Paul aus seinem Buch „Schlaraffenland“ und die Küche zauberte daraus die dazu passenden Speisen. Gute Stimmung garantierte neben einem solchen Programm auch die Weinauswahl. Dass man an jedem Abend nette Gespräche führte, interessante Menschen kennenlernte und glücklich und satt nach Hause ging, versteht sich von selbst. Schließlich sind die Rebelotes perfekte Gastgeber und wissen, wie man einen tollen Abend kreiert.
Eine Frage brennt mir aber seit fast einem Jahr auf der Zunge: War die Fledermaus, die sich ins 69qm verirrt hat und minutenlang für Stimmung unter den Gästen sorgte, Teil des Programms oder einfach nur ein neugieriger Gast in der tropischen Nacht?

Magic Garden Supper Club – der vegetarische
Düsseldorf Magic Garden Secret Supper Club Suppe Supperclub UntergrundrestaurantDer Rebelote Supper Club war mein erster Supper Club, aber ich muss gestehen – sorry, liebe Rebelotes – der Magic Garden Supper Club ist mein Lieblings-Supper Club und ich bin unglaublich begeistert. Dabei war das am Anfang gar nicht absehbar.
Nach meinem ersten Besuch bei Rebelote fand ich von dem Konzept so ansprechend, dass ich nach weiteren Untergrund-Restaurants in Düsseldorf suchte. Dabei stieß ich auf den Internetauftritt von … ach, auch hier gilt: keine Namen. Etwa zwei Wochen später sollte eine Veranstaltung stattfinden, für die ich direkt Plätze anfragte. Aber leider waren keine mehr frei. Kurz darauf stieß ich bei genauerem Stöbern auf der Seite auf den Hinweis, dass die servierten Menüs „aus vorwiegend vegetarischen Gerichten“ bestehen. Als passionierter Fleischfresser war ich nun fast ein wenig froh, dass ich keine Plätze hatte reservieren können.

Ich hatte das Ganze fast schon wieder vergessen, als ich eine Mail erhielt, dass Gäste abgesagt hatten und ich abends vorbei kommen könnte, wenn ich spontan sei. Da die „vorwiegend vegetarischen Gerichte“ mich nicht endgültig hatten abschrecken können, machte ich mich abends auf den Weg zum angegebenen Treffpunkt. Diesen möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn die Location des Magic Garden hat sich bisher nicht geändert. So viel kann ich aber sicher erzählen: Es handelt sich um eine überraschende, irgendwie märchenhafte und gemütliche Örtlichkeit, die eng mit einem der Gastgeber verbunden sind. An einer kleinen Tafel geniest man dort meist mit zehn bis vierzehn Gästen die Köstlichkeiten, die aus der perfekt eingerichteten Küche kommen. Und auch hier habe ich immer nur nette und interessante Menschen getroffen.

Das Essen war in der Tat bisher fast ausnahmslos vegetarisch; beim ersten Mal war Fisch Bestandteil eines Ganges, danach nicht mehr, zumindest nicht an den Abenden, an denen ich dabei war. Da mein Vater sehr gut kocht, bin ich ziemlich verwöhnt, und daher kann es auch angesichts der fleischlosen Gerichte wirklich als sehr großes Kompliment gewertet werde, dass ich inzwischen den nächsten Termin kaum abwarten kann und immer ein wenig zittere, ob ich zwei Plätze ergattern kann. Die Zutaten sind soweit möglich regional und saisonal beeinflusst. Fleisch gibt es wie erwähnt nie, aber erstaunlicherweise hat es mir auch nie gefehlt. Das ist nach meiner Meinung ein sicheres Zeichen für großartig ausgewählte Rezepte und perfekte Umsetzung, anders kann ich mir nicht erklären, dass sich meine Fleischgier dort vollkommen in Nichts auflöst.

Neben dem Dessert, das bei jedem Essen in jedem Restaurant für mich ein Highlight ist, kann ich den fast schon traditionellen vorletzten Gang mit den Käsespezialitäten der Fromagerie kaum abwarten. Auch die Entscheidung für die Produkte dieses nicht gerade günstigen, dafür aber qualitativ hochwertigen Käseladens zeigt die Einstellung des Magic Gardens zu Lebensmitteln. Nun aber genug gelobt. Mein Rat: hingehen und selbst probieren. Aber lasst mir noch einen Platz frei. Oder zwei.

Supper Deluxe – der Geheimisvolle
Zufällig habe ich heute diese Seite gefunden. Bisher habe ich noch nichts vom Supper Deluxe gehört. Auch wenn die Daten der Kochkurse (bis Ende 2012) und der Supper Club-Veranstaltungen (ebenso) auf der Facebook-Seite vermuten lassen, dass die Seite nicht mehr gepflegt wird, könnte das Untergrund-Restaurant dennoch weiterhin aktuell sein. Das herauszufinden, wird mir sicher bald einen Kontaktversuch wert sein.

Markus Brendel – der Wissenschaftler
Bisher hatte ich nicht das Vergnügen, bei Markus – uiuiuiui, endlich kann ich mal einen Namen nennen! – zu Gast sein zu dürfen. Bekocht hat er mich dagegen bereits als „Mitkoch“ im Magic Garden. Von daher lobe ich seine Kochkünste einfach mal. Davon abgesehen hat sich der studierte Kommunikationsdesigner die Supper Club-Kultur im Rahmen seines Studiums genauer angesehen (leider inzwischen offline) und kann wohl somit in jeder Hinsicht als Supper Club-Profi bezeichnet werden. Bis vor etwa einem Jahr hat nämlich auch er in Düsseldorf dann und wann Gäste für gekocht.

Inzwischen wohnt er leider in Bonn und bekocht nur noch Freunde. Aber ich weiß aus sicherer Quelle, dass er durchaus darüber nachdenkt, wieder einmal einen Supper Club zu veranstalten und für Anfragen deshalb vermutlich recht offen ist. Wer also Interesse hat, sich einen Abend von Markus bekochen zu lassen, sollte ihn einfach über seine Webseite kontaktieren und hoffen, dass seine Überzeugungskraft und Charme ausreichen, um Markus wieder in den „aktiven Supper Club-Dienst“ zurückzuholen.

Zum röhrenden Hirsch – der ursprüngliche
Krefeld Supper Club Zum goldenen Hirsch Supperclub UntergrundrestaurantDer Krefelder „Hirsch“ bewirtet im Gegensatz zu allen anderen Supper Clubs noch zu Hause. Mich hat neben der liebevollen Art, mit der die Gäste bei „Zum röhrenden Hirsch“ empfangen und umsorgt werden, auch die Tatsache beeindruckt, dass der „Hirsch“ anders als ich es sonst kenne keine Helfer hat. Als ich dort war, halfen Vater und Mutter „Hirsch“ bei den Vorbereitungen, während des Essens saßen sie aber meist mit uns am Tisch. Das Essen ist deshalb etwas weniger professionell zubereitet und serviert als im Magic Garden – was absolut nicht negativ gemeint ist – aber ebenfalls sehr lecker und absolut liebevoll arrangiert.

Auch hier saßen wir mit etwa zehn, zwölf tollen Gästen, die zum Teil bereits Stammgäste waren, an einem Tisch. Besonders beeindruckt hat mich das selbst gemachte Gastgeschenk, das alle zum Abschied erhielten – der „Hirsch“ weiß eben, wie man Gäste verwöhnt. Umso trauriger war ich, dass ich am nächsten geplanten Termin mit dem Oberthema Harry Potter leider keine Zeit hatte. Aber auch ohne Zaubermenü ist der Besuch beim röhrenden Hirsch die Reise nach Krefeld wert.

Update: Inzwischen ist der röhrende Hirsch ins Sauerland an den Sorpesee umgezogen und nennt sich Sauerländer Hirsch.

Ceci n’est pas un restaurant – der überregionale
Köln und Frankfurt Supper Club Ceci n'est pas un restaurant Supperclub UntergrundrestaurantAuch unsere südlichen Nachbarn haben natürlich Supper Clubs zu bieten. Ceci n’est pas un restaurant ist nicht nur deshalb besonders, weil ein Teil der Gastgeber bis vor wenigen Monaten noch Düsseldorfer waren. …pas un restaurant ist der einzige Supper Club, den ich kenne, der in zwei Städten, noch dazu relativ weit voneinander entfernten, aktiv ist. Einen der Gastgeber durfte ich bereits einmal bei einem Essen im Magic Garden kennen lernen, Gast war ich bisher noch nicht. Aber ich bin mir sicher: Wenn ich es eines Tages endlich mal nach Köln schaffe, werde ich ebenso begeistert nach Hause gehen, wie bisher nach jedem Supper Club.

Update: Am 10. August 2013 könnt Ihr das nächste Mal in Frankfurt speisen, für Köln veröffentlicht …pas un restaurant demnächst einen Termin im September.

Katchina Supper Club – der private
Ein weiterer Zufallsfund des heutigen Tages und ganz sicher noch aktiv: Katchina Supper Club. Seit zwei Jahren finden bei Miss Katchina und Herrn Oger in Köln-Sülz kulinarische Abende im privaten Rahmen statt. Und nach allem, was ich auf der Facebook-Seite gelesen und gesehen habe, werde ich bald … na, Ihr wisst schon.

Supper Clubs deutschland- und weltweit
Ihr wollt auch einen Supper Club besuchen, wohnt aber nicht in der Region oder wollt mir nicht die Plätze wegschnappen (löblich)? Dann könntet Ihr bei Saltshaker oder Thyme Supper Club ein Untergrund-Restaurant in Eurer Nähe finden; auf der Seite von Supperclubfangroup sind bevorstehende Termine der Supper Clubs aufgelistet.

Supper Club-Gastgeber werden – how to
Wer selber einmal Gastgeber sein möchte, muss einiges bedenken und planen. Markus‘ Seite Küchengerüchte bietet dafür hilfreiche Tipps (inzwischen leider von der Seite genommen, aber vielleicht hilft euch dieser Bericht weiter). Auch bei Cookinglight gibt es zumindest ein paar Anregungen. Und vergesst bitte nicht, mir bei Eurem ersten Termin einen Platz freizuhalten.

Update: Curious Forks Supper Club
Inzwischen gibt es einen weiteren Supper Club in Düsseldorf: den Curious Forks Supper Club. In Düsseldorf Pempelfort können Genussfreunde soweit ich weiß zumindest fleischfrei schlemmen. Guten Appetit.

Advertisements

3 Gedanken zu “Lukullische Geheimtipps: Supper Clubs rund um Düsseldorf

    • Futterqueen schreibt:

      Hallo Rosi und Andreas,
      das hört sich auf jeden Fall spannend an. Wenn ich in der Gegend unterwegs bin, frage ich gerne einmal nach, ob bei euch gerade ein Termin angesetzt ist – oder ich schaffe es vielleicht auch, extra für einen eurer Abende vorbei zu kommen. Herzlichen Dank für den Hinweis (den ich übrigens auch gerne an meine veganen Freunde weitergebe).
      Liebe Grüße aus Düsseldorf
      Britta

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s