Genusstipp Gelato: Die süßen Seiten Roms

Rom italienisches EisBei italienischem Essen denken die meisten von uns neben Pizza, Pasta und Wein sicherlich sofort auch an Eis.
Italienisches Eis ist etwa so mythisch verklärt wie sonst nur belgische Pommes, deutsches Bier oder kubanische Zigarren. Und nicht zuletzt deshalb war ein Eisdielenbesuch in Rom für mich natürlich Pflicht.
Aufgrund des recht straffen Programms und des durchweg guten und reichlichen Essens bin ich aber zu meiner Schande nur wenige Male dazu gekommen, das vielgerühmte Eis zu probieren. Trotzdem häufig genug, um ein paar Tipps geben zu können. Hier sind sie.

GELATERIA DEL TEATRO
Rom Gelateria del Teatro EisproduktionDie erste Eisdiele, die ich besuchte, war die Gelateria del Teatro. Davon abgesehen, dass ich sie bereits vor meiner Abreise auf meiner Foursquare-ToDo-Liste gespeichert hatte, war die Gelateria auch noch eine Empfehlung unserer Reiseleiterin. Also besuchte ich sie nach dem für mich äußerst anstrengenden Besuch der Vatikanischen Museen, der Sixtenischen Kapelle und des Petersdoms mit einer Mitreisenden, um wieder runterzukommen.
Man erreicht die Gelateria del Teatro, wenn man von der Engelsburg über die Brücke geradeaus in Richtung Zentrum geht. Das Erste, was uns dort auffiel war die niedliche kleine Gasse direkt neben der Eisdiele, in der ein paar Tische aufgestellt sind, sodass man dort in aller mitten im Touristenzentrum möglichen Ruhe sein Eis genießen kann.

Im Lokal selber empfiehlt es sich, eine Nummer zu ziehen. Wir waren zwar zuerst alleine, aber wenige Sekunden nach uns kam ein größerer Schwung Menschen, weshalb ich ohne Nummerzettelchen beinah nicht bedient worden wäre. Diese Arbeitsagenturromantik spiegelt sich glücklicherweise in der restlichen Einrichtung nicht wider. Auch die Eissorten sind auf die altmodische Art sichtbar und appetitlich präsentiert. Die Bedienung ist, nun sagen wir es so, praktisch veranlagt. Welcher Tourist möchte im Urlaub schon herzlich und freundlich behandelt werden? Und was Eisdielen betrifft, muss ich sagen, dass ich im Normalfall schnell reinhusche und hoffe, genauso schnell wieder draußen zu sein. Diese Tradition habe ich bei der Gelateria del Teatro auch besonders gerne fortgeführt.

Rom Gelateria del TeatroIch wählte weiße Schokolade mit Basilikum, dunkle Schokolade mit Wein sowie Pfirsich mit Lavendel. Interessante Sorten sind schon einmal ein Pluspunkt. Leider waren fast alle Sorten ein wenig unausgewogen. Die Schokolade mit Wein schmeckte zuerst recht gut, auf Dauer dominierte der Rotwein aber zu sehr. Das Pfirsicheis war so gut wie gar nicht zu schmecken und wurde von dem Lavendel geradezu „erschlagen“. Einzig das weiße Schokolade-Eis mit Basilikum wurde weder von der einen noch von der anderen Sorte dominiert. Darüber hinaus schlagen die Italiener das Eis weich, dieses Eis im besonderen schmeckte dazu auch noch etwas wässrig. Und so lief mir bereits nach wenigen Sekunden das Eis den Becher herunter. Dazu muss man wissen, dass eines meiner verborgenen Talente das stilvolle Essen von Burgern, Dönern und Eis in Waffeln ist. Nun kam auch noch Eis in Bechern hinzu. Was heißen soll: Nach kurzer Zeit jonglierte ich mit Becher, Tasche, Löffel und Taschentuch und versuchte verzweifelt, mich nicht zu beschlabbern und dabei irgendwie das Eis zu genießen.

Rom Gelateria del Teatro EisherstellungNachdem ich also beinah den Preis für den lustigsten Straßenkünstler des Tages gewonnen hatte und das Eis mehr oder weniger glücklich vertilgen konnte, entdeckten wir das eigentliche Highlight der Gelateria: Hinter einer großen Scheibe konnte man den Mitarbeitern bei der Produktion zusehen – zumindest der von Waffeln, etwas anderes konnte ich in diesem Moment nämlich nicht erkennen. Nach meiner Information soll es aber in der Tat auf Nachfrage möglich sein, bei der Eisherstellung zuzusehen. Das Fazit lautet also: ein typischer Touristenladen. Mehr Schein als Sein und vermutlich sehr viele Eintragungen in Reiseführern. Allerdings auch kein großer Reinfall, da sowohl die Umgebung als auch die Gelateria nett sind und das Eis durch aus genießbar ist.

GROM
Rom Grome EisdieleDie aktuell sehr angesagte, neue und expandierende Kette Grom bietet Bio-Eis an. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schlangen vor den Theken dementsprechend lang sein können. Das Ambiente war in allen Filialen, die ich gesehen habe, für meinen Geschmack eher etwas zu unterkühlt (das ist kein gewollter Eisdielen-Wortwitz!). Das Eis wird in Metallbehältern mit Deckel versteckt und darin von den Angestellten kurz weich geschlagen, bevor es den Weg in Becher oder Waffel findet.
Ich bestellte „Bacio“, Schokoladeneis aus venezuelanischem Kakao „Ocumare“ mit  toskanischen Haselnussstückchen, und  „Caffe‘ Espresso“ aus guatemaltekischem Highland-Kaffee „San Pedro Necta“. Beide Sorten haben mich nicht wirklich überzeugt, schmeckten etwas wässrig und erstaunlicherweise ziemlich ähnlich.

Wäre unsere Gruppe nicht kurz darauf mehr oder weniger geschlossen in eine andere Grom-Filiale eingefallen, hätte ich diese Eisdiele schon von meiner Liste interessanter Eisläden gestrichen. Aber nachdem ich das Himbeereis bei einer Mitreisenden probiert hatte, wusste ich: Ich komme wieder nach Rom. Und dann esse ich rund um die Uhr dieses wunderbar fruchtige, nach reifen Himbeeren schmeckende Eis. Ganz sicher.

IL GELATO DI SAN CRISPINO
Eine extrem große Anzahl guter bzw. interessanter Eisläden befindet sich rund um die Via della Maddelena.  So auch Il Gelato di San Crispino. Laut unserer Reiseleiterin Edith von Slow Food gelobt und bei Feinschmeckern geschätzt, hat diese Eisdiele natürlich sofort meine Neugier geweckt. Zugegeben: Die eher nüchterne Einrichtung mit den Eisschalen aus Metall und dem mit Deckeln abgedeckten Eis entspricht nicht meinen Erwartungen an eine sinnliche Eisdiele. Aber im Gegensatz zu Grom habe ich hier geschmacklich sofort zwei Volltreffer gelandet: Schokolade mit Rum und Whisky Creme, letzte Sorte wird aus über 30-jährigem schottischen Whisky hergestellt. Beide sind ausgewogen im Geschmack, nicht zu aufdringlich, mit guter Konsistenz und einfach nur verdammt lecker.

Die Eisdiele wirbt mit natürlichen (Bio-)Zutaten und Sortenqualität statt -quantität. Diese Marketingstrategie ist angesichts der schillernden Nachbarn und deren bunter, vielfältiger Auslagen sicherlich nicht die schlechteste. Aber davon unabhängig ist Il Gelato die San Crispino ganz eindeutig geschmacklich mein Favorit unter den Eisdielen Roms. Bei meinem nächsten Besuch in der italienischen Hauptstadt steht also ein Test der weiteren Sorten sicher auf meiner Liste. Und ich freue mich schon jetzt darauf.

GELATERIA DELLA PALMA
Der Vollständigkeit halber möchte ich noch auf zwei weitere Eisläden hinweisen. Die Gelateria della Palma ist vor allem für ihre unglaublich große Auswahl bekannt. In der Hochsaison können Gäste aus bis zu 150 Eissorten auswählen. Darunter Williamsbirne mit Mascarpone, Crema di Nonna oder Klassiker wie Nutella-Creme. Insgesamt bietet die Gelateria alleine über 50 Geschmackssorten Fruchteis an.

Ich habe kurz einen Blick in das Geschäft geworfen und fühlte mich ein wenig an ein Kaufhaus erinnert: Süßigkeiten, Kuchen, Kaffee und eben Eis. Obwohl ich ein Fan von ausreichender Auswahl und interessanten Sorten bin, zweifele ich bei so vielen Sorten ein wenig an der Qualität. Aber vermutlich werde ich dort trotzdem irgendwann zumindest einmal eine Sorte testen.

GIOLETTI
Dieses alteingesessene Eiscafé in vierter Generation wurde uns quasi als römische Institution empfohlen. Die Qualität soll ordentlich sein, die relativ großen, recht altmodisch eingerichteten Räumlichkeiten des Gioletti waren gut besucht – wir mir schien, überwiegend von Italienern. Neben Eis kann man hier auch Kuchen oder Pralinen essen. Und die Eisbecher sehen zumindest auf der Webseite großartig aus. Grund genug für mich, dem Gioletti bei meinem nächsten Rom-Trip einen Besuch abzustatten.

GELATERIA MARINARI
Zum Schluss noch ein kleinerer Verriss: Der Gelateria Marinari in der Nähe unseres Hotels werde ich sicherlich keinen Besuch mehr abstatten. Wir waren mit unserer Gruppe dort, haben uns angestellt und die ersten wurden auch recht schnell bedient. Als ich aber an der Reihe war, hatten sich inzwischen etliche Italiener, zum Teil ebenfalls in Grüppchen, eingefunden. Beide Mitarbeiter ignorierten daraufhin eindeutig meine Bestellversuche und bedienten zuerst die anderen Gäste.

Sorry, aber bei einem derartigen Verhalten kann mir das Eis als noch so gut empfohlen worden sein – mich sieht ein solches Geschäft, egal in welcher Stadt oder welchem Land – nicht wieder. Ciao.

 
Gelateria del Teatro
Via di San Simone, 70
00186 Roma
Öffnungszeiten: täglich 12.00 bis 24.00 Uhr
 
Grom
Via dei Giubbonari, 53
00186 Roma
Öffnungszeiten: tägl. Apr.-Sept. mind. 12.00 bis 24.00 Uhr, Okt.-Mrz. mind. 11.00 bis 23.30 Uhr
oder z.B.
Via della Maddalena, 30 A 
00186 Roma 
Öffnungszeiten: tägl.  Apr.-Sept. mind. 11.00 bis 0.30 Uhr, Okt.-Mrz. mind. 11.00 bis 23.30 Uhr
 
Il Gelato di Santa Crispina 
Piazza della Maddalena, 3
00186 Roma 
Öffnungszeiten: tägl. mind. 12.00 bis 0.30 Uhr, im Herbst und Winter dienstags geschlossen
 
Gelateria della Palma
Via della Maddalena 19/23
00186 Rome
Öffnungszeiten: unbekannt
 
Gioletti
Via degli Uffici del Vicario, 40  
00186 Roma
Öffnungszeiten: täglich 7.00 bis 1.30 Uhr
WIFI!
 
Zu diesem Rombesuch habe ich bisher folgende Artikel veröffentlicht:
– In cerveza veritas – Bier in Rom
– Viele Wege führen nach Rom
– Meine schönste Urlaubserinnerung
– Die Hölle auf Erden – willkommen im Vatikan
 
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