Auszeit- Ich geh‘ ins Kloster!

Grefrath Kloster Mariendonk

Vielleicht kennt Ihr das ebenfalls: im Büro stapelt sich die Arbeit, die Kollegen nerven, der Chef sowieso, der Partner geht Euch seit Wochen auf den Keks, die To Do-Liste wird immer länger, die Wohnung ist ein Schlachtfeld und Menschen könnt Ihr eigentlich gar nicht mehr ertragen. Manchmal genügt auch einfach der letzte Punkt. Aber ist die Quintessenz ist in jedem Fall folgende: alle(s) blöd.

In solchen Phasen packe ich häufig früher oder später meine Sachen und verkrieche mich für ein paar Tage irgendwo in ein kleines, abgeschiedenes Dorf im Sauerland oder an der Nordsee. Oder eben aufs platte Land ins Kloster. Obwohl Letzteres bereits einige Zeit her ist, schreibe ich jetzt auf Wunsch von Freunden darüber – und da Klöster ja nicht für ihre Schnelllebigkeit bekannt sind, gehe ich davon aus, dass sich dort in den letzten Jahren nicht viel geändert haben dürfte. Ich wählte übrigens bewusst ein Kloster aus, das von Nonnen geführt wird und das den Gästen die Möglichkeit zur Mitarbeit in verschiedenen Bereichen anbietet.

Grefrath Kloster Mariendonk niederrheinische Landschaft

Vier Tage im Kloster an einem angenehm kalten Dezemberwochenende knapp zwei Wochen vor Weihnachten versprachen also die ersehnte Ruhe – sowohl im Kloster selber als auch in der winterlich verschlafenen Natur. Das Kloster Mariendonk steht seit über hundert Jahren einsam in der niederrheinischen Landschaft von Grefrath nahe Kempen. Eine perfekte Region für die von mir geplanten stundenlangen Spaziergänge und gemütlichen Lesesessions. Trotz der ruhigen Lage war die Anfahrt zumindest mit dem Auto gut zu meistern, da das Kloster nur knapp fünf Kilometer von der A40 entfernt liegt. Ein Anfahrt mit dem Zug scheint dagegen etwas umständlicher zu sein.

Grefrath Kloster Mariendonk ZimmerErwartungsgemäß bot das Klostergebäude keinen großen Luxus. Sowohl die Zimmer als auch der Speiseraum be-stachen durch ihre pragmatische, schnörkellose und eher altmodische Einrichtung. Aber letztendlich war alles da, was ein Klostergast auf Zeit benötigt: Bett, Schreibtisch, Stuhl, Sessel, ein kleines Waschbecken und ein Kleiderschrank.
Auch dank der ruhigen Umgebung habe ich drei Nächte lang wunderbar geschlafen. Das Bett war zwar recht schmal, aber durchaus bequem. Morgens tapperte ich über den Flur, um in der sauberen Gemeinschaftsdusche zu duschen, danach gab es Frühstück im Speiseraum. Im Anschluss daran wühlte ich mich durch die recht umfangreiche Bibliothek, die natürlich vor allem wissenschaftliche Bücher, aber auch einen Belletristikbereich beherbergte, oder machte machte mich auf zu einem Spaziergang in der wunderbar winterlichen, niederrheinischen Landschaft.

Grefrath Kloster Mariendonk Esszimmer

Alle Mahlzeiten servierte mir eine Nonne in dem kleinen Speiseraum. Selbstverständlich waren sie keine kulinarische Highlights, schmeckten aber durchweg lecker und – das muss man erst mal schaffen – stillten meinen Hunger. Morgens gab es ganz klassisch Brot, Marmelade und Aufschnitt, abends das Gleiche nur ohne Marmelade und mit mehr Aufschnittauswahl. Das Mittagessen erinnerte mich ein wenig an das Essen, das wir früher immer bei meiner Oma bekamen: bodenständig, deutsch, lecker und eben irgendwie nach Kindheit schmeckend. Stets nahmen die anderen Gäste und ich die Mahlzeiten ohne die Benediktinerinnen ein, die in ihren Räumlichkeiten aßen.

Zweimal konnte ich auf Wunsch bei der Essenzubereitung in der Klosterküche helfen und hatte dort sehr viel Spaß mit den zwei oder drei anwesenden Nonnen. Die Messe habe ich kein einziges Mal besucht – dafür meine ich den einen oder anderen missbilligenden Blick der Mutter Oberin geerntet zu haben. Allerdings hat mich nie jemand darauf ange-sprochen oder gar verurteilt. Zu Beginn meines Aufenthaltes informierte mich eine Nonne über die Möglichkeit, die Messe zu besuchen, mehr wurde zu diesem Thema nicht gesagt. Auf Wunsch hätte ich übrigens auch sowohl zu Glaubens- als auch zu persönlichen Fragen ein Gespräch mit einer Nonne führen können. Neben Einzelpersonen sind auch Gruppen im Kloster willkommen. Ich kann den Aufenthalt jedem empfehlen, der der klösterlichen Lebensweise und dem christlichen Glauben gegenüber zumindest tolerant eingestellt ist und der die Ruhe der Glaubensgemeinschaft sowie der umliegenden Natur genießen möchte. Nach vier Tagen bin ich auf jeden Fall entspannt und erholt wieder zu Hause eingetroffen. Und irgendwann gehe ich wieder ins Kloster – wenn auch nur für ein paar schöne, ruhige Tage.

Niederfeld 11
47929 Grefrath
Telefon 02152 91 54 643
(werktags von 9-11 Uhr und von 15-17Uhr)
E-Mail gaeste@mariendonk.de
Weitere Informationen und Adressen zu Klosterübernachtungen findet Ihr hier:
Deutsche Ordensobernkonferenz – sehr umfangreich mit guter Suchfunktion

My Switzerland – übernachten im Kloster

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Ein Gedanke zu “Auszeit- Ich geh‘ ins Kloster!

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