Thank you Sir. Jamie Cullum auf dem Zeltfestival Ruhr

Bilder iPhone 079Als ich erzählte, auf welches Konzert ich gehe, gab es in meinem Umfeld im Grunde nur zwei Reaktionen: Wer ist denn das? (oder nachdem dem Videotest auf youtube.de: Na ja, das ist nicht so meine Musik.) und: Geh‘ hin! Geh‘ auf jeden Fall hin! Diese doch recht konträren Reaktionen löste die Erwähnung eines einzigen Namens aus. Jamie Cullum.

Um es kurz zu machen: Ich habe auf den Rat der – übrigens überwiegend musikalisch vorgeprägten – Bekannten gehört und die Chance wahrgenommen, ein Konzert dieses „Robbie Williams des Jazz‘ “ (Jazz-Magazin „Downbeat“ ) zu besuchen. Dafür wurde ich mit einem unvergesslichen Erlebnis belohnt.

Sitzplätze in Reihe 5 beim Zeltfestival Ruhr, geschätzte zehn Meter bis zur Bühne und  nur ca. 3.000 Zuschauer im ausverkauften Zelt sind schon einmal eine gute Basis für ein gelungenes Konzert. Einer der aktuell erfolgreichsten und talentiertesten Künstler des (Pop-)Jazz fast schon eine Garantie.

Als er auf der Bühne steht, mag man das fast nicht glauben. Was will der Hobbit im Freizeitdress da oben? Ein Fotograf soll hinter der Bühne angesichts der bereits versammelten Musiker gefragt haben, wo denn der Künstler sei. Er stand genau vor ihm. In zerknitterten Shorts, T-Shirt und Turnschuhen. Unscheinbar, klein, fast zierlich, geschätzt vielleicht Anfang 20. Und doch füllt er nicht nur das relativ kleine Zelt,  sondern auch Säle, große Arenen und Stadien, seine Alben verkaufen sich bis zu 2,5 Millionen Mal und er ist vor wenigen Tagen 31 Jahre alt geworden. Eben schon ein ganz Großer.

Mag sein, dass Jamie Cullum „Pop-Jazz“ macht. Mag sein, dass er den Mainstream bedient. Aber er ist ein fantastischer Entertainer und ein besessener Musiker. Auf der Bühne wirbelt der kleine Künstler herum wie ein Derwisch, entreißt dem Klavier geradezu die Töne, feuert seine Musiker an, springt auf das Klavier und wieder herunter, putscht das Publikum auf, flirtet mit ihm, trommelt Bongos, wetzt zurück zum Klavier, singt, spielt, feiert.

Selbst wenn man seinen Musikstil nicht mag, so wird man doch von der Energie, dem Feuer, der Leidenschaft mitgerissen, die der Brite auf der Bühne ausstrahlt. Später am Abend erzählt jemand am Tisch auf der Piazza des Zeltfestival Ruhr, er habe vor einiger Zeit ein ACDC-Konzert besucht. Davon sei er recht enttäuscht zurückgekehrt. Die Band sei satt und spule nur noch ihr Bühnenprogramm herunter: „Das Feuer ist aus.“ Jamie Cullum scheint davon noch ausreichend zu besitzen.

Neben der Tatsache, dass er ein ausgezeichneter Musiker und wie jemand anmerkte „dazu auch noch ein ganz passabler Sänger“ ist,  ist er – soweit man das aus dem Publikum heraus beurteilen kann –  auch ein unglaublich sympathischer und charismatischer Mensch. Er verteilt Musikinstrumente an Besucher, damit sie ihn unterstützen, er lächelt verlegen, als das Publikum ihm ein verspätetes Geburtstagsständchen singt, er dirigiert einen Chor aus 3.000 Menschen – und er mag Fiege-Bier, was mich als Wahl-Bochumerin natürlich besonders freut. Als ein Konzertbesucher auf dem Weg zurück von der Theke an der Bühne vorbei kommt, reicht er Jamie Cullum einen Becher Bier. Der nimmt den Becher und  bedankt sich am Ende des Stückes artig mit den Worten: „Thank you Sir. That was a great fresh beer.“ Wir danken Ihnen, Mr Cullum, es war ein wunderbares, leidenschaftliches Konzert.

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2 Gedanken zu “Thank you Sir. Jamie Cullum auf dem Zeltfestival Ruhr

  1. Jazzer schreibt:

    Hach, beim Lesen der Zeilen keimt Neid in mir auf. Ich vermute, dass ich einer derjenigen war, die Dir den „kleinen Hobbit“ empfohlen haben 😉 Ich habe ihn in leider etwas weniger intimer Atmosphäre erlebt, beim North Sea Jazz in Rotterdam. Nichtsdestoweniger war ich ebenso beeindruckt von seinem Können und der Energie, die er ausstrahlt. Und wenn er Fiege mag – na umso besser. Willkommen im Club, Herr Cullum!

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  2. elbe elbe schreibt:

    In der Tat: Du kannst neidisch sein 😉 und natürlich warst Du es, der mir den kleinen Mann ans Herz gelegt hat – und Mirjam unabhängig von Dir ebenfalls.

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